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LIGAstheniker: Sündenfall Kovac - FC Bayern hält die Liga zum Narren

Der LIGAstheniker: Sündenfall Kovac - Bayern hält die Liga zum Narren

17/04/2018 um 08:00Aktualisiert 17/04/2018 um 17:37

Einen Neuanfang mit allerlei Widersprüchen zu beginnen, ist keine gute Idee, findet Eurosport-LIGAstheniker Thilo Komma-Pöllath und sieht bei der Verpflichtung von Niko Kovac als neuen Trainer beim FC Bayern München abstruse Widersprüche in der Außendarstellung und eine bittere Erkenntnis für Uli Hoeneß beim PR-mäßig implodierten Überraschungscoup.

Dass das Uli-Hoeneß-Sein eine Kunstform ist, bewies der Mann, der seit Jahrzehnten als Uli Hoeneß öffentlich bekannt ist, am Wochenende eindrucksvoll. Ein Uli Hoeneß ist mehr als nur eine genetische Disposition oder das Ergebnis einer Sozialisierung in Ulm, Hoeneß ist eine Art Battle-Rap-Artist am Fußballplatz.

"Wir sind hier nicht bei der Staatsanwaltschaft, ..., das geht Sie einen ziemlichen Mist an."

Dem zweiten großen Schreihals der Woche, dem Rapper Kollegah, würde zu der Zeile sicher ein schlechter Song einfallen.

Neuanfang mit allerlei Widersprüchen

Da war er also wieder, der alte Hoeneß, also der vor seiner Inhaftierung: laut und angriffslustig und auch sonst wieder voll im Saft. Nur dass ihm die Öffentlichkeit apologetisch nicht mehr jeden "Mist" als neues Testament abnimmt.

Die Glaubwürdigkeit sinkt auch dann, wenn man Uli Hoeneß heißt. Das ist vielleicht die bitterste Erkenntnis für ihn, dass nicht nur der Überraschungscoup mit Niko Kovac PR-mäßig implodierte, sondern auch, dass sein Wort nicht mehr das Gewicht von früher besitzt.

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Beschädigt sind sie jetzt alle - allen voran der Trainer, der den Neuanfang bei den Bayern orchestrieren soll. Einen Neuanfang mit allerlei Widersprüchen zu beginnen, ist schon systemtheoretisch keine gute Idee.

In bester Callcenter-Manier

Die Frage, die sich heute stellt, ist, warum die Bayern der Öffentlichkeit einen derartig unglaubwürdigen Plot aufbinden wollen. Die Bayern kannten die Ausstiegsklausel in Kovac' Vertrag. Sie wussten schnell, dass er kommen mag, es gab schlicht keine Hindernisse mehr. Warum nicht die Eintracht umgehend informieren? Stattdessen das Märchen von der Telefonanwerbung innerhalb von wenigen Minuten oder Stunden in Manier der indischen Callcenter, die einem eine Versicherung andrehen wollen, die keiner braucht.

Und dann die abstrusen Widersprüche, in die sich Rummenigge und Hoeneß verzetteln. Rummenigge besteht auf den Donnerstag, Hoeneß bestätigt plötzlich ein Treffen von vor gut zwei Wochen, dass die "Süddeutsche" und andere wie Lothar Matthäus längst publik gemacht hatten. Und wer dachte, es könnte jetzt nicht noch grotesker kommen, der hatte die besten Schenkelklopfer noch vor sich: sein kroatischer Chauffeur habe in Geretsried seinen 60. Geburtstag gefeiert, so Hoeneß, rein zufällig waren auch Niko und Robert Kovac zugegen (was ihm erst Ehefrau Susi zurufen musste) und über Vertragliches wurde natürlich nicht geredet, weil man ja noch gar nicht wusste, dass man einmal Interesse haben können würde.

Häh? Meine Güte, gäbe es Bruno Kovacevic nicht, den Fahrer, die Bayern wären wohl nie auf Idee gekommen, Niko Kovac als Trainer zu verpflichten. Insofern gebührt Herrn Kovacevic schon heute eine Fußnote in den Annalen des FC Bayern. Danke Bruno und denk an die Vermittlungsprovision!

Bayern und die Narrenliga

Wenn der Branchenführer mittels Hoeneß'scher Cholerik der Liga derartigen Unsinn als Wahrhaftigkeit verkaufen will, dann muss einem um den Solidarverbund Bundesliga angst und bange werden. Schon die Beibehaltung der 50+1-Regel vor einigen Wochen war für die Bayern keine ligademokratische Gremienentscheidung, sondern ein einziges Ärgernis, an dem Rummenigge im Nachgang mehrmals öffentlich herumpöbelte.

Die Bayern, so deutlich wie an diesem Wochenende wurde das selten, haben jegliche Skrupel beiseitegelegt, eine ganze Liga zum Narren zu halten. Das ist dann tatsächlich "ziemlicher Mist" für den deutschen Fußball.

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