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Mit Jupp Heynckes wieder zum Triple? - FC Bayern München glaubt an "Großes"

Mit "Moses" Heynckes wieder zum Triple? Bayern glauben an "Großes"

13/01/2018 um 11:29Aktualisiert 13/01/2018 um 16:20

Nach dem 3:1 Sieg gegen Bayer 04 Leverkusen kommt beim FC Bayern München wieder Triple-Stimmung auf. "In dieser Saison haben wir eine sehr gute Chance, etwas Großes zu erreichen“, sagte Rafinha nach dem Spiel. Unter Trainer Jupp Heynckes blüht Neuzugang James Rodríguez auf, und Franck Ribéry findet wieder zu seiner alten Form. Der FC Bayern setzt sich in der Bundesliga immer weiter ab.

Aus Leverkusen berichtet Andreas Morbach

Heiko Herrlich stand im Türrahmen und wartete. Die rechte Hand hatte Leverkusens Trainer ausgestreckt, etwas krumm um die Ecke - wo Jupp Heynckes in ein Gespräch vertieft war.

Es dauerte ein paar Sekunden, bis der Münchner Triple-Coach von 2013 die Hand des Kollegen entdeckte. Dann erwiderte er Herrlichs Gruß höflich, aber knapp - und widmete sich wieder dem Abend in der BayArena und der näheren Zukunft seiner Mannschaft.

Als Heynckes Anfang Oktober zum vierten Mal in seiner langen Trainerkarriere an der Säbener Straße andockte, war er zunächst als Blitzheiler gefragt. In der Liga ließen die Münchner regelmäßig Federn, in der Champions League wurden sie von Paris Saint-Germain gerupft. Carlo Ancelotti musste gehen, und es kam der Trainer, der die Seele des FC Bayern so gekonnt zu streicheln weiß wie kein zweiter.

"Luft nach oben"

Im nationalen Wettbewerb thront Heynckes‘ Ensemble nun schon wieder meilenweit über der Konkurrenz. Das 3:1 zum Rückrundenstart bei formstarken Leverkusenern (zuvor 14 Spiele en bloc unbesiegt) fraß letzte Zweifel am nächsten Meistertitel der Bajuwaren – die eine gute, aber keineswegs überragende Leistung boten.

Mit etwas mehr Coolness hätte die Herrlich-Elf bis Mitte der ersten Halbzeit problemlos in Führung liegen können. Und auch nach Kevin Vollands Anschlusstreffer zwanzig Minuten vor Schluss geriet die Abwehr der Gäste wiederholt ins Wanken.

"Wir haben noch Luft nach oben“, schlussfolgerte Torwart Sven Ulreich. Und Heynckes kommentierte die Phase nach Vollands 1:2:

"Da hatten wir ganz einfache Ballverluste, waren ein bisschen oberflächlich und unkonzentriert. Aber wir dürfen da nicht nachlassen. Das wissen die Spieler, das bläue ich ihnen immer wieder ein. "

Als Trainer könne er diese Zeit bei den Bayern nicht genießen, erklärte der perfektionistisch veranlagte 72-Jährige gerade. Und den Wahrheitsgehalt dieser Aussage kennt unter anderem Rechtsverteidiger Rafinha, der das Stadion am Freitagabend als letzter Münchner verließ.

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"Für Jupp gibt es kein feiern, mit dem Kopf ist er jetzt schon wieder beim nächsten Training“, sagte der kleine Brasilianer, der bereits beim bislang letzten Bayern-Sieg in Leverkusen im März 2013 zum Kader des Branchenprimus zählte.

Unter den Übungsleitern Pep Guardiola und Ancelotti gelang den Münchnern kein Bundesligasieg in der BayArena. Erst Heynckes musste ihnen wieder beibringen, wie das geht. Und wie Moses einst das Rote Meer in Ägypten teilt der gebürtige Mönchengladbacher im Auftrag der Bayern nun wieder die Ozeane. Wie 2013, beim bislang einmaligen Dreifachtriumph in der Klubhistorie.

Erneutes Bayern-Triple?

"In dieser Saison haben wir eine sehr gute Chance, etwas Großes zu erreichen“, deutete Rafinha eine Neuauflage des Triple an.

Zu Beginn des neuen Jahres ist der Boden jedenfalls bereitet: Im Pokal haben die Münchner bereits Leipzig und Dortmund eliminiert, spielen Anfang Februar bei Drittligist Paderborn um den Einzug ins Halbfinale. In der Meisterschaft sendeten sie mit dem Erfolg bei den ambitionierten Leverkusenern gerade das erhoffte demoralisierende Signal an die ohnehin fernen Verfolger.

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Frühe Klarheit in der Liga erleichtert den Fokus auf die größte Herausforderung – die Champions League. Die Auslosung der Achtelfinals war, passend zum Erfolgslauf unter Heynckes, ein Geschenk des Himmels: Mit Real Madrid und Paris werfen sich zwei der Top-Favoriten gegenseitig aus dem Wettbewerb, die Bayern dagegen erwischten mit Besiktas Istanbul den vermeintlich leichtesten Gegner.

Zudem kommt "Superneuerwerbung" James immer mehr in Fahrt, der bald 35-jährige Franck Ribéry glänzt auch auf seine alten Fußballertage noch. Und selbst den meinungsstarken Wintereinkauf Sandro Wagner hat Heynckes längst im Griff.

Weil der zuletzt angeschlagene Toptorjäger Robert Lewandowski in Leverkusen fehlte, hoffte der Nationalstürmer auf einen Platz in der Startelf. Daraus wurde nichts, stattdessen erklärte der Trainer dem Angreifer unmissverständlich:

"Er ist nicht zu irgendeinem Verein gekommen, sondern zum FC Bayern. Da muss er sich integrieren."

Sandro Wagner hat die strenge Botschaft verstanden. "Der FC Bayern ist weltweit einer der Spitzenvereine“, meinte der 30-Jährige brav. "Ich wusste von Beginn an, dass es hier schwer wird, von Anfang an zu spielen.“

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