Imago

3 Dinge, die bei FC Bayern - 1. FC Nürnberg auffielen: Joshua Kimmich macht sich wichtig

3 Dinge, die auffielen: Kimmich gewinnt an Einfluss

08/12/2018 um 22:46Aktualisiert 08/12/2018 um 23:55

Robert Lewandowski stellt beim 3:0 (2:0) des FC Bayern München gegen den 1. FC Nürnberg seinen Wert unter Beweis - und Joshua Kimmich seinen neu gewonnenen Einfluss aufs Spiel des Rekordmeisters im Zentrum des Geschehens. Ein Trio schmort derweil auf der Bank, was die Frage aufwirft: Wie lange hält Kovacs selbst auferlegtes Rotationsverbot? Drei Dinge, die beim bayrischen Duell auffielen.

1.) Bayerns Lewensversicherung

Die Szene in der 24. Minute war untypisch für die letzten Wochen: da nämlich ließ Robert Lewandowski eine große Chance liegen. Statt einen tollen Angriff über Serge Gnabry und Thomas Müller zu veredeln, haute der Mittelstürmer den Ball aus zentraler Position recht kläglich über den Kasten.

Die Bayern konnten es verschmerzen, weil Lewandowski die beschriebene Szene mit zwei Toren einrahmte: Erst sprang er nach einer Kimmich-Ecke besser getimt als Nürnberg-Keeper Fabian Bredlow zum Ball und köpfte zum 1:0 (9.) - bereits das fünfte Kopfballtor in den letzten fünf Spielen, viermal vorbereitet von Kimmich.

Video - BVB noch einzuholen? Das sagt Bayern-Coach Kovac

01:18

"Ich hab diese Saison kein Problem mehr mit einer Patellasehne, deswegen kann ich auch hoch springen", hatte Lewandowski dafür eine überraschende Erklärung: "Die Power in meinen Beinen ist zurück." Kimmich sagte:

"Mich freut's, dass er die Dinger einnickt."

Kurz nach der vergebenen Großchance reagierte Lewandowski dann nach einem Lattenschuss von Leon Goretzka geistesgegenwärtig und bugsierte den Abpraller aus acht Metern über die Linie (27.)

In der Liga hat Lewandowski damit zuletzt im Rhythmus 2-0-0-2-0-0-2 getroffen und sein Torekonto in allen Pflichtspielen auf 19 in 20 Einsätzen ausgebaut. In der internen Torjägerliste hält der 30-Jährige damit einen komfortablen 15-Treffer-Vorsprung auf Thomas Müller und Arjen Robben - falls es noch eines Beweises bedurfte, wie wichtig Lewandowski auch diese Saison wieder für Bayern ist.

Robert Lewandowski (FC Bayern München vs. 1. FC Nürnberg)

Robert Lewandowski (FC Bayern München vs. 1. FC Nürnberg)Getty Images

2.) Kimmich im Fokus

Joshua Kimmich als Gewinner der letzten Wochen zu beschreiben, trifft es nicht - er spielte ja auch vorher als Rechtsverteidiger schon immer und hatte auch in den kriselnden Bayern-Wochen keinen großen Leistungsabfall zu verzeichnen.

Durch die Kovac'sche Umstellung auf eine Doppelsechs mit Kimmich und Goretzka ist der Erstgenannte jedoch nun ins Zentrum des Geschehens gerückt, hat an Bedeutung fürs Bayern-Spiel gewonnen.

Gegen Nürnberg war der 23-Jährige erneut einer der stärksten Bayern: 130 Ballkontakte verdeutlichen Kimmichs Einfluss, beim 1:0 bereitete er zudem bereits zum achten Mal diese Saison einen Treffer vor - kein Bayer hat mehr Assists. Dafür fehlt Kimmich noch ein Saisontreffer - gegen Nürnberg scheiterte er an Bredlow (47.) und dem Lattenkreuz (90.).

Die Abstimmung mit Goretzka funktionierte erneut vorbildlich bis äußerst harmonisch. "Wir ergänzen uns ganz gut. Wir haben schon in der U21 zusammengespielt, kennen uns schon lange. Es macht immer wieder Spaß, mit ihm zu spielen", sagte Kimmich bei "Sky".

Kovac lobte:

"Beide haben ein sehr gutes Fußballverständnis, sehen gewisse Situationen und verstehen sich auch außerhalb des Platzes gut. Das ist eine Achse, die im Moment richtig Spaß macht."
Leon Goretzka (FC Bayern München vs. 1. FC Nürnberg)

Leon Goretzka (FC Bayern München vs. 1. FC Nürnberg)Getty Images

Umstellen musste sich Kimmich allerdings, als Thiago für Goretzka eingewechselt wurde und fortan mehr in der Breite wirkte und öfter den Ball einforderte als der Ex-Schalker. "Leon hat in seinem Spiel mehr Tiefe, Thiago geht mehr auf Ballkontakte", erklärte Kimmich die Unterschiede.

Auffällig gegen Nürnberg war zudem erneut das etwas andere Positionsspiel der einrückenden Außenverteidiger, die oft aus der Mitte heraus agierten, um von dort aus die Außenstürmer einzusetzen, oder mit diagonalen Läufen zu hinterlaufen.

Thomas Müller agierte derweil als nomineller Zehner erneut eher wie eine "falsche Neun" und schob oft neben Lewandowski ins Sturmzentrum, so dass Bayern in Ballbesitz gefühlt mit einem 2-4-4 agierte - ein Konstrukt, das zurzeit die beste Raumaufteilung, sowie gute Ballgewinne im Pressing garantiert (z.B. von Goretzka vor dem 2:0) und zudem am wenigsten konteranfällig zu sein scheint.

Video - Mann gegen Mann - die ganze Sendung: Klartext zu Hoeneß und dem FC Bayern

49:55

3.) Die Sache mit der Rotation

Niko Kovac erklärte das Rotationsprinzip beim FC Bayern vor der Partie öffentlich für beendet und bot gegen Nürnberg entsprechend dieselbe Elf wie vor Wochenfrist bei Werder Bremen (2:1) auf - vor allem zum Nachteil von Mats Hummels, Javi Martínez und Renato Sanches.

Das Trio blieb letztlich gegen Nürnberg ganz außen vor und kommt damit in den letzten drei Pflichtspielen zusammen auf nur 19 Einsatzminuten.

Video - Hummels vor dem Aus? "Wird sich relativ schnell erledigen beim FC Bayern"

01:16

Joker-Minuten verteilte Kovac am Samstag lieber an die nach Verletzung nach Spielpraxis dürstenden Kingsley Coman und Thiago sowie Angreifer Sandro Wagner.

"Es ist am besten, wenn man weiß, man spielt nächste Woche wieder", outete sich Kimmich als Fan der Nicht-Rotation, weiß aber auch: "Es geht trotzdem nach dem Leistungsprinzip, keiner hat einen Freifahrtschein."

Fraglich ist deshalb, inwieweit Kovacs Rotationsverzicht für den Saisonschlussspurt mit zwei englischen Wochen inklusiver dreier Auswärtsspiele in Amsterdam (Di.), Hannover (Sa.) und Frankfurt (22.12.) sowie dem Verfolger-Duell mit Leipzig (19.12.) gelten kann.

Einerseits dürfte die Belastung dann doch zu hoch sein, um immer dieselben Elf spielen zu lassen; andererseits werden sich weder das angesprochene Trio noch Thiago noch Coman noch der mit Oberschenkelproblemen derzeit verhinderte Robben vier Spiele auf der Bank bieten lassen.

Wahrscheinlicher also: Kovac weicht das sich selbst auferlegte Rotationsverbot wieder auf, verändert das Team aber nicht mehr so radikal von Spiel zu Spiel wie noch zu Saisonbeginn.

Video - 5 Transfergerüchte: Wagner denkt an Bayern-Abschied

01:21
0
0