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3 Dinge, die bei FC Bayern gegen Schalke 04 auffielen: Bestrafen und bestraft werden

3 Dinge, die auffielen: Bayern straft und wird bestraft

09/02/2019 um 23:22Aktualisiert 10/02/2019 um 13:09

Der FC Bayern München schlägt den FC Schalke 04 am 21. Bundesliga-Spieltag mit 3:1 (2:1) und verkürzt damit den Rückstand auf Tabellenführer Borussia Dortmund. Kingsley Coman spielt auch ohne Torbeteiligung überragend, zudem setzt sich ein Trend der Münchner fort – mit kleinem Schönheitsfehler. Sebastian Rudy wird derweil vom eigenen Coach gedemütigt. Drei Dinge, die uns auffielen.

Aus der Allianz Arena berichtet Florian Bogner

1. Coman sticht Ribéry aus

Robert Lewandowski, James Rodríguez und Serge Gnabry mögen letztlich an den drei Treffern direkt beteiligt gewesen sein – Coman stand ihnen in Sachen Offensive aber in nichts nach, im Gegenteil.

So liefen fast alle bewusst initiierten Bayern-Angriffe über Coman und seinen Partner David Alaba; der Franzose lehrte dabei Gegenspieler Daniel Caligiuri mehrfach das Fürchten und entschied zahlreiche Eins-gegen-Eins-Duelle (wie vor dem 3:1 durch Gnabry, 57.) für sich. Insgesamt liefen 44 Prozent der Bayern-Angriffe über links.

FC Bayern - Schalke 04

FC Bayern - Schalke 04Getty Images

Lediglich die Effizienz lässt bei Coman manchmal noch zu wünschen übrig. Doch mit Coman in dieser Form braucht sich auch Franck Ribéry nicht zu wundern, dass er aktuell nicht mehr erste Wahl ist – auch wenn ihm das logischerweise nicht wirklich schmeckt.

Am Freitag soll der 35-Jährige das Training laut “Bild” jedenfalls wütend vorzeitig beendet haben. Ein Vorgang, den Kovac am Samstag nicht kommentieren, aber auch nicht dementieren wollte (“Sie müssen nicht alles wissen”, sagte er bei “Sky”).

Immerhin: Beim Warmlaufen bis zur Einwechselung (69.) spendierte die Südkurve dem seit 2007 für Bayern spielenden Franzosen minutenlange Trostgesänge. Und Ribéry bekam noch ein bisschen EInsatzzeit – wenn auch ohne nennenswerte Szene.

2. Bestrafen und bestraft werden

Gute von sehr guten Mannschaften unterscheidet oft, dass sich zweitere nicht nur gerecht für den eigenen Aufwand belohnen, sondern auch Fehler des Gegners gnadenlos ausnutzen. In dieser Kategorie war Bayern im Laufe dieser Saison eher Durchschnitt, bisweilen sogar selbst zu sehr in Geberlaune. Niko Kovac monierte das bereits hinlänglich.

Gegen Schalke 04 änderte sich das ein wenig: Bayern spielte gut und dominant, die Bayern-Tore zum 1:0 (Eigentor Jeffrey Bruma, 11.) und 2:1 (Lewandowski, 27.) resultierten aber aus Schalker Geschenken, die der FCB eiskalt und konsequent ausnutzte.

“Wir haben sehr früh gut Druck gemacht, sind gut ins Spiel gekommen und haben die Schalker Fehler gut ausgenutzt”, sagte Leon Goretzka.

Vorm 1:0 eroberten die Bayern in der Schalker Hälfte den Ball vom nachlässigen Nabil Bentaleb, beim 2:1 spritzte Gnabry vor dem Schalker Strafraum in einen albtraumhaften Querpass von Caligiuri. In beiden Fällen schaltete James blitzschnell und spielte den Ball tief auf Lewandowski – was dann für die Gäste nicht mehr zu verteidigen war.

Leon Goretzka, Robert Lewandowski, Serge Gnabry (v.l.) bei FC Bayern - Schalke

Leon Goretzka, Robert Lewandowski, Serge Gnabry (v.l.) bei FC Bayern - SchalkeGetty Images

Dabei setzte sich ein Trend seit Rückrundenstart fort: Bayern spielt seither ein konsequenteres Gegenpressing. Die Münchner schaffen es in den letzten Spielen augenscheinlich besser, die Gegner aggressiv anzulaufen und so Ballverluste oder Fehlpässe herauf zu beschwören. Im "ZDF" sagte Goretzka:

"Man muss heute auch mal unser Pressing loben, was sonst oft kritisiert wird."

Was gegen Schalke zweimal gut klappte, wirkt in anderen Situationen jedoch wenig durchdacht und vor allem nicht positionsgetreu ausgeführt, fast anarchisch – die Kehrseite der Medaille.

Als nämlich das Pressing der Bayern mit gleich drei Mann auf Bentaleb in die Hose ging und Weston McKennie Ahmed Kutucu mustergültig auf die Reise schicken konnte, fingen sich die Münchner erneut ein an sich vermeidbares Gegentor ein (1:1, 25.).

Unterm Strich stellten die Bayern damit einmal mehr ihre Anfälligkeit für Konter unter Beweis – ein misslicher Umstand, den Kovac mit Blick auf das Champions-League-Achtelfinale gegen den FC Liverpool in den Griff bekommen muss. Sonst droht das Aus.

Kovac:

"Mein Bart wird immer grauer. Wir erklären und predigen es im Training immer wieder. Das eine ist, was wir erzählen, dann zeigen wir es, wir lassen es trainieren, aber das schwerste ist der vierte Schritt: Es im Spiel umsetzen. Man muss auch mal ein taktisches Foul ziehen, wenn man den Ball nicht erobern kann."

3. Oh, Rudy …

Sebastian Rudy und München – das scheint keine Liebe mehr zu werden. Bei Bayern nach nur einer Saison wieder aussortiert und nach Schalke verkauft, wurden er schon beim 0:3 im Hinspiel von seinen Ex-Kollegen recht hergespielt.

Im Rückspiel nun waren Rudy gerade mal 33 Minuten “Meet and Greet” mit den alten Kollegen gegönnt, da nahm ihn Trainer Domenico Tedesco demütigenderweise schon wieder vom Feld und brachte Omar Mascarell. Rudy verschwand ohne Abklatschen direkt in den Katakomben.

Sebastian Rudy bei FC Bayern - Schalke

Sebastian Rudy bei FC Bayern - SchalkeGetty Images

Dem Trainer hatte es offenbar grob missfallen, was Rudy mit Nebenmann Weston McKennie auf der Doppel-Sechs angestellt hatte, auch wenn Tedesco hinterher erklärte:

"Wir wollten einen aggressiveren Sechser mit Omar Mascarell, das hat den Ausschlag gemacht. Die Begründung ist nicht, dass Basti schlecht war, sondern es war eine individualtaktische Entscheidung. Wir sind zu tief geworden, das wollten wir nicht."

So richtigen Zugriff auf den wirbelnden James hatten letztlich beide Sechser nicht bekommen, wobei man McKennie zudem noch ankreiden konnte, als halbrechter Sechser auch nicht vernünftig auf Außen gegen David Alaba oder Kingsley Coman gedoppelt zu haben. Dafür war McKennie im Spiel nach vorne wirkungsvoller.

Rudy selbst wiederum konnte man zumindest eine gewisse Zweikampfscheu attestieren, stand er zumeist doch recht arg weit weg vom Geschehen und unterband auch kaum Zuspiele durchs Zentrum. So oder so: Sein Arbeitstag blieb kurz.

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