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Benjamin Pavard zum FC Bayern: Darum ist der Transfer auch ein Risiko

Darum ist Pavard für Bayern auch ein Risiko

10/01/2019 um 17:19Aktualisiert 11/01/2019 um 09:12

Im Sommer wechselt Benjamin Pavard für 35 Millionen Euro vom VfB Stuttgart zum FC Bayern München, der mächtig stolz ist, den Franzosen für sich zu gewinnen. Pavard kann innen wie rechts verteidigen, mit Frankreich wurde er Weltmeister und schon ein kleiner Star. Seine Anlagen sind unbestritten, für Bayern birgt der Pavard-Transfer sehr (sehr!) viel Potential - aber auch ein gewisses Risiko.

Am 3. Oktober 2016 spielte Benjamin Pavard erstmals für den VfB Stuttgart, der Gegner hieß Greuther Fürth, was allerdings nicht böse gemeint ist.

Jedenfalls fabrizierte dieser Franzose mit dem bleichen Gesicht und den schnuckligen Locken einen Vertikalpass, der es zum Internethit brachte. Das Zuspiel sauste über 50 Meter, scharf wie mit dem Rasiermesser, und ein Stürner namens Mané, der später nicht zu Liverpool wechselte, traf ins Tor. Pavard ist Verteidiger, aber sein VfB-Vermächtnis wird kein Zweikampf bleiben. Sondern dieser Pass.

Zumal er kein Zufall war; der Aufbau aus der letzten Reihe ist eine von Pavards Vorzügen. Weil der 22-Jährige obendrein schnell, mutig, technisch beschlagen daherkommt, war schon länger garantiert, dass er seine Karriere nicht ewig in Stuttgart zubringt.

Wie Pavard einer Weltöffentlichkeit bekannt wurde

Der Mann aus Maubeuge erhält einen Fünfjahresvertrag und kostet die festgeschriebene Ablöse von 35 Millionen Euro. Pavard soll Teil von Bayerns Zukunft sein, höchstwahrscheinlich als Abwehr-Duo mit Niklas Süle, der im Aufbauspiel noch auf seinen Fürth-Moment wartet.

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"Er ist jung und Weltmeister. In Russland hat er gute Leistungen gebracht", sagt Salihamidzic über Pavard, der sechs von sieben Partien über die volle Distanz bestritt (als Rechtsverteidiger) und gegen Argentinien durch einen Schrägschuss in den Winkel einer Weltöffentlichkeit bekannt wurde.

In Frankreich entstand ein Hype, Pavard erhielt sogar einen Song; sein Umgang mit dem Rummel verdeutlichte, dass er klar im Kopf ist. Bayern-Trainer Niko Kovac bescheinigt "sehr, sehr große Fähigkeiten", innen kann Pavard die Herren Jérôme Boateng und Mats Hummels ersetzen, außen Rafinha und Joshua Kimmich.

FC Bayern sollte Anspruch an Pavard dosieren

So weit, so hoffnungsvoll. Kovac sagt jedoch einen Kernsatz:

"Ein toller junge, der den nächsten Schritt wagen möchte."

Den nächsten Schritt. Darum geht es. Pavard ist kein fertiger Profi, der Bayern schlagartig auf ein höheres Level hievt. Dementsprechend sollte die Anspruchshaltung dosiert werden bei einem, der erst 18 Länderspiel bestritt, 48 Mal in der Bundesliga und je 21 Mal in 2. Liga sowie Ligue 1 aufgelaufen ist.

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In dieser Saison steht Pavard bei 14 Bundesliga-Einsätzen, Mitte Dezember riss ein Muskelbündel, der Rückrundenstart wackelt. Sein "kicker"-Notenschnitt beträgt 3,53, was ordentlich ist, besonders für einen Verteidiger des Tabellensechzehnten, der bereits 35 Gegentore kassiert hat.

Hier hat Pavard noch Steigerungspotential

Bei aller Liebe (und allen Anlagen) hat Pavard ganz natürliches Steigerungspotential, speziell im Zweikampfverhalten. Im Jahr vor der WM waren 58 Prozent gewonnene Duelle nichts Berühmtes, aktuell rangiert er in dieser Disziplin lediglich auf Rang 30. Seine Quote von 61,4 Prozent wird von Hummels (63,1), Süle (66,2) und Boateng (71,4) übertrumpft, selbst Stuttgarts Teamkollege Marc-Oliver Kempf (64,0) ist statistisch stärker, es führt Dortmunds Dan-Axel Zagadou (74,3).

Defizite weist Pavard zudem im Stellungsspiel auf, keine groben, aber partielle. Überhaupt befindet er sich in keiner relevanten Verteidiger-Kategorie vor Hummels und Boateng, deren Leistungen nicht so schlecht waren wie in der Wahrnehmung verankert. Daten lügen nicht.

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