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BVB bricht gegen 1899 Hoffenheim ein - Kollaps nach 3:0-Führung

"Extrem bitter": BVB kollabiert nach 3:0-Führung gegen Hoffenheim

09/02/2019 um 17:26Aktualisiert 10/02/2019 um 00:33

Ohne den verletzten Kapitän Marco Reus und den erkrankten Trainer Lucien Favre hat Borussia Dortmund am 21. Bundesliga-Spieltag gegen die TSG 1899 Hoffenheim eine 3:0-Führung verspielt. Der Tabellenführer lag gegen die Kraichgauer bereits deutlich in Front - verlor dann aber völlig die Orientierung und musste sich mit einem 3:3 (2:0) zufrieden geben.

So lief das Spiel:

Hoffenheim begann engagiert, zeigte gute Mittelfeldpräsenz und versuchte es mit dem einen oder langen Ball hinter die Kette der BVB-Verteidigung. Dortmund tat sich in den Anfangsminuten zunächst schwer, ins Spiel zu finden. In der elften Minute lag die Kugel dennoch erstmals in Netz der Gäste. Jadon Sancho jubelte bereits, der Treffer wurde ihm wegen eines Zweikampfs ohne Ballberührung in Abseitssituation von Mario Götze jedoch aberkannt.

Dortmund war daraufhin aber im Spiel, verbuchte mehr Aktionen nach vorne und übernahm mehr und mehr die Spielkontrolle. Möglichkeiten wie ein guter Abschluss von Maximilian Philipp aus 18 Metern knapp neben das Tor (21.) blieben allerdings Seltenheit. Die TSG zog sich gegen den Ball weit zurück, stand kompakt und bot kaum Räume. Den Durchbruch erzielte schließlich Sancho, der nach Einwurf und guter wie schneller Verlagerung rechts im Sechzehner per Flachschuss ins lange Eck zur 1:0-Führung vollendete (32.).

Dortmund dominierte das Spielgeschehen in der Folge, die TSG fand kaum noch konstruktive Wege in die Offensive. In der 42. Minute erhöhte der BVB: Einen mustergültigen Konter über Witsel schloss Sancho mit einem Schuss ins lange Eck ab, den Oliver Baumann noch parierte, gegen den Abstauber aus kurzer Distanz von Götze jedoch machtlos war - 2:0.

Jadon Sancho von Borussia Dortmund

Jadon Sancho von Borussia DortmundGetty Images

Zur zweiten Halbzeit startete Hoffenheim erneut als engagiertere Mannschaft. Erst bekam Nico Schulz mit einem Flachschuss aus 16 Metern die Chance zum Anschlusstreffer (52.), kurz darauf vereitelte Roman Bürki mit einer guten Parade nach satten Distanzschuss von Joelinton (56.).

Hoffenheim agierte zu jener Phase als die spielbestimmende Mannschaft, weiterer Abschlüsse verbuchten Ishak Belfodil (60.) und Dennis Geiger (62.). Mitten in die Drangphase der Gäste fiel allerdings die vermeintliche Vorentscheidung: Götze zog im Sechzehner bis zur Grundlinie, legte zurück auf Raphaël José Guerreiro, der aus kurzer Distanz ins lange Eck zum 3:0 vollendete (66.).

Hoffenheim steckte nicht auf, bekam durch Pavel Kaderabek nach Ecke noch eine große Chance, doch Bürki klärte reaktionsschnell über die Latte (73.), kurz darauf verpasste Sancho den nächsten Treffer für den BVB nach Konter mit einem Pfostenschuss (74.). Chancen ergaben sich nun reihenweise auf beiden Seiten, Belfodil verkürzte für die TSG in der 75. Minute nach Flanke von Kaderabek und bösem Patzer in der Mitte von Abdou Diallo auf 1:3.

Im Anschluss überschlugen sich die Ereignisse. In der 83. Minute fand eine Flanke von Geiger aus dem linken Halbfeld Kaderabek, der am zweiten Pfosten zum 2:3 einnickte. Vier Minuten später sorgte ein Freistoß von Geiger und ein Kopfball von Belfodil gar zum 3:3-Ausgleich (87.). Dortmund verteidigte naiv, versuchte in einer turbulenten Schlussphase trotzdem zurück auf die Siegerstraße zu kommen, doch am Ende stand nach einer Drei-Tore-Führung das dritte sieglose Pflichtspiel in Folge für den BVB.

Die Stimmen:

Edin Terzic (Assistenztrainer Borussia Dortmund): "Es ist extrem bitter. 75 Minuten haben wir ein tolles Spiel gemacht, 3:0 geführt und die Chance zum 4:0 gehabt. Dann noch unentschieden zu spielen, ist sehr bitter. Wir haben die Tore einfach naiv verteidigt und leider die entscheidenden Duelle verloren. Kein WhatsApp oder Twitter - wir haben altmodisch mit Lucien Favre telefoniert. Lucien hat die Ansprache im Hotel gehalten. Während des Spiels hatten wir regelmäßig Kontakt."

Mario Götze (Borussia Dortmund): "Wenn man zu Hause 3:0 führt gegen so einen guten Gegner wie Hoffenheim und dann noch 3:3 spielt, ist es sehr bitter. Das sollte uns nicht passieren. Wir haben lange nichts zugelassen, dann lief es einfach bitter. Wir haben es eigentlich sehr gut gemacht, das muss zu Hause normalerweise reichen, auch wenn Hoffenheim ein starker Gegner ist. Wir müssen es souverän zu Ende spielen."

Julian Weigl (Borussia Dortmund): "Wir haben die erste Halbzeit dominiert. Als wir wussten, dass noch Druck vom Gegner kommen wird, haben wir sogar das dritte Tor geschossen. Danach haben wir zu viele Bälle verloren. Es ist extrem schade, aber das ist Fußball. Daraus müssen wir lernen!"

Julian Nagelsmann (Trainer TSG 1899 Hoffenheim): "In der zweiten Halbzeit haben wir sehr hoch verteidigt und immer an unsere Chance geglaubt. Wir hätten auch fünf oder sechs Tore machen können, und deswegen geht der Punkt am Ende absolut in Ordnung."

Ermin Bicakcic (TSG 1899 Hoffenheim): „Es spricht für die Moral der Mannschaft. Natürlich kann mir keiner erzählen, dass es nach dem 0:3 beim Tabellenführer keine Momente gab, die nicht einfach waren. Aber individuell haben wir das sehr gut gemacht. In der zweiten Halbzeit haben wir eine andere Mentalität auf den Platz gebracht.

Das fiel auf: Nagelsmann wechselt den Punktgewinn ein

Die Partie schien entschieden. Zwei Tore lag seine Mannschaft bereits zurück, Dortmund dominierte. Doch Julian Nagelsmann gab nicht klein bei, wechselte in der Halbzeit zweimal, brachte Dennis Geiger und Ishak Belfodil, und stimmte seine Mannschaft auf Aufholjagd ein.

Seine Spieler gingen fortan früher drauf, der Doppelsturm aus Joelinton und Belfodil sorgte für deutlich mehr Betrieb in der gegnerischen Defensive. Selbst der dritte Treffer erschütterte Hoffenheim nicht, Nagelsmann puschte seine Spieler weiter und sollte am Ende ein überaus glückliches Händchen mit seinen beiden Einwechselungen behalten: Belfodil erzielte zwei Treffer, Geiger bereitete zwei vor, der 3:3-Ausgleichstreffer war sogar eine Koproduktion der beiden.

Ein unfassbares Finish und extremer Kraftakt der TSG, mit Schlusspfiff gingen gleich vier Spieler mit Krämpfen zu Boden. Für Hoffenheim war es das achte Remis in den vergangenen zehn Spielen – an diesem Nachmittag dürfte sich die Punkteteilung aber wie ein Sieg angefühlt haben.

Der Tweet zum Spiel:

Trainer Lucien Favre fiel krank aus – und musste am Ende tatenlos mit ansehen, wie seine Mannschaft den Sieg verschenkte. Seine beiden Assistenten Manfred Stefes und Edin Terzic vertraten ihn an der Seitenlinie.

Die Statistik: 3

Für Borussia Dortmund war es nicht nur das dritte Pflichtspiel in Folge ohne Sieg, in allen drei Spielen schaffte es Dortmund ebenfalls nicht, eine Führung über die Zeit zu bringen.

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