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Dortmunds Paco-Dilemma: Wie Mandzukic helfen würde

Dortmunds Paco-Dilemma: Wie Mandzukic helfen würde

06/06/2019 um 22:46Aktualisiert 06/06/2019 um 22:47

Paco Alcácer gelang in seiner Debütsaison bei Borussia Dortmund eine formidable Tor-Quote. Dabei war der Ex-Barcelona-Stürmer zumeist Joker, in der Rückrunde baute Alcácer ab, zudem blieben Fitness-Fragezeichen. Parallel zeigte Mario Götzes Pfeil nach oben - aber reichen Alcácer und Götze für den Angriff auf die Meisterschaft? Der Name von Mario Mandzukic schwirrt durch Dortmund. Mit Recht.

"Ich nenne ihn Matador", hat Axel Witsel gesagt und Paco Alcácer gemeint. "Im Sinne von Killer."

18 Bundesligatore erzielte Alcácer in seiner Debütsaison für Borussia Dortmund, das wäre schon erstaunlich genug. Noch interessanter gestaltet sich das Zahlenwerk, wenn es in Details zerlegt wird: Zwölf Treffer fielen nach Einwechslung und fünf nach der 90. Minute, ein Rekord. Paco, der Killer.

Alcácer und die Fitness-Fragezeichen

"Borussia hat mir geholfen, wieder der zu sein, der ich war", sagt Alcácer, der zuvor zwei Jahre beim FC Barcelona gespielt hatte (50 Einsätze,15 Tore), aber nie mehr als ein Auffangnetz für die 1A-Garde abgab. Das Paradoxe: Beim BVB hat sich sein Rollenbild kaum geändert. 18 seiner 26 Bundesligaspiele machte der Spanier als Halbzeitkraft, 15 Mal kam er von der Bank.

Fehlender Rhythmus und mangelnde Wettkampfhärte mündeten in Muskelbeschwerden, nichts Wildes, aber lästig und vor allem: kontinuierlich. Alcácers unregelmäßige Verfügbarkeit wurde zur Regelmäßigkeit, vor der Winterpause und danach.

Paco Alcácer von Borussia Dortmund

Paco Alcácer von Borussia DortmundGetty Images

Seine Produktion (zwölf Tore in zwölf Partien der Hinrunde) begann zu stocken. Im Frühjahr schoss er "nur" sechs Treffer, die Fitness-Fragezeichen blieben, in allen Wettbewerben absolvierte Alcácer lediglich sieben Spiele über 90 Minuten. "Dass Paco so einschlagen würde, hätten wir nicht zu hoffen gewagt", sagt Sportdirektor Michael Zorc retrospektiv. "Es war klar, dass es nicht in dem Tempo weitergehen konnte."

BVB-Trainer Lucien Favre nominierte Mario Götze als verkappte Spitze, konträr zu Alcácer zeigte dessen Pfeil in der Rückrunde nach oben. Dortmund schloss die Saison als Zweiter ab, und Hans-Joachim Watzke trommelt: Jetzt greifen wir an!

BVB: Welcher Stürmer-Typ soll's sein?

Der BVB hat Julian Brandt und Thorgan Hazard verpflichtet, zwei (offensive) Mittelfeldspieler, keine Angreifer. Reichen Alcácer und Götze, Herr Watzke? "Diese Phantom-Diskussion um einen Stoßstürmer ist ein klassischer Reflex", sagt der BVB-Boss zur "Bild"-Zeitung.

"Je mehr Mittelstürmer-Konkurrenz du hast, desto mehr wirst du sehen, dass alle schwächer werden. Warum holt denn Bayern seit Jahren keine Alternative für Lewandowski?"

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Dabei geht's nicht ausschließlich um sportliche Komponenten wie die Annahme, dass Alcácer (1,75 Meter) und Götze (1,76 Meter) dank ihrer Wendigkeit besser in Favres Vorstellungen passen als ein bulliger "Wandspieler", der Bälle behauptet, Räume freischaufelt, Gegner einschüchtert.

Es geht auch um ein Wort, bei dessen Nennung sich Watzkes Mundwinkel verziehen - nach unten. Das Wort lautet Mentalität.

BVB: Mandzukic wäre ein Mentalitätsspieler

Trotz Neun-Punkte-Polster schrammte Dortmund am Titel vorbei, "wir müssen uns dieses Versäumen selbst zuschreiben", sagt Kapitän Marco Reus im "kicker". Lothar Matthäus moniert via "Sportbuzzer", dass er in kritischen Phasen niemanden gesehen habe, "der die Jungs mal wachrüttelt". Und weiter:

"Um Meister zu werden, brauchst du die richtige Mentalität, gerade in Momenten, in denen es nicht so läuft."

Es erfordere "Drecksäcke" beim BVB, findet Matthäus, während Watzke das vermeintliche Defizit als "total dummes Zeug" abkanzelt. Dennoch spinnt sich die Logik nun wie folgt: Eventuell benötigter Angreifer plus eventuell benötigte Mentalität ergibt Mario Mandzukic.

Mario Mandzukic von Juventus Turin

Mario Mandzukic von Juventus TurinGetty Images

Der Ex-Bayer von Juventus Turin, inzwischen 33, soll auf Dortmunds Liste stehen. Watzke dazu:

"Wir müssen nicht über Mandzukic diskutieren. Im Fußball ist nie etwas ausgeschlossen, er spielt aber aktuell in Turin. Und so wie ich Mandzukic kenne, ist er ein Stürmer, der so viel Ehrgeiz hat, dass er immer spielen will."

Neben dem 1,90-Meter-Kroaten wird Koloss Duván Zapata (1,86 Meter, 88 Kilo) von Atalanta Bergamo gehandelt, mit 22 Saisontoren zweitbester Serie-A-Schütze. "Was man oft unterschätzt: Wenn man einen kopfballstarken Stoßstürmer hat, führt das mitunter dazu, dass man sein Spiel simplifiziert", mahnt Watzke.

Alcácer und Götze nicht im Nationalteam

"Es gibt nicht diesen einen Grund, warum Paco nicht dabei ist. In seiner Dortmunder Zeit wurde er generell selten berücksichtigt", sagt unser spanischer Eurosport-Kollege Jorge Ordas. "Das ist eigentlich seltsam, weil hier gerade jeder von Luka Jovics Statistiken schwärmt, seit dieser bei Real Madrid unterschrieben hat."

Alcácer habe ähnliche Werte, sagt Ordas. "Aber niemand spricht über ihn."

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