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BVB - FC Bayern München: Vier Punkte, in denen der BVB dem FC Bayern voraus ist

Vier Dinge, die den BVB besser als Bayern machen

11/11/2018 um 17:23

Borussia Dortmund hat vor dem Spitzenspiel am Samstagabend nicht nur in der Tabelle vier Punkte Vorsprung vor dem FC Bayern, sondern im Sommer auch Pluspunkte in der strategischen Ausrichtung gesammelt. Im Vergleich ist dem BVB der Umbruch, der der Konkurrenz aus München erst noch bevorsteht, bereits gelungen.

Sieben Punkte Vorsprung hat der Tabellenführer Borussia Dortmund nach dem elften Bundesliga-Spieltag vor dem FC Bayern München. Das 3:2 am Samstag hat gezeigt, dass der BVB moralisch stark ist, sowohl einen Plan B als auch eine starke Bank hat, Tempo mitbringt und mit Lucien Favre einen Trainer beschäftigt, der das In-Game-Coaching beherrscht.

Dass der deutsche Rekordmeister akuell nur Herausforderer ist, ist aber auch eine logische Konsequenz der strategischen Ausrichtung im Sommer. Aktuell ist es nicht von der Hand zu weisen, dass die Verantwortlichen, Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Sportdirektor Michael Zorc, viele richtige Entscheidungen getroffen, wohingegen sich in München zusehends mehr Unzufriedenheit über den Stil von Präsident Uli Hoeneß verbreitet.

Unter seiner Regie kamen diese vier Punkte im Vergleich mit dem BVB zu kurz:

Frische Expertise

Der BVB holte Matthias Sammer als externen Berater und installierte Sebastian Kehl als Verantwortlichen der Lizenzspielerabteilung. Der Eine spricht, wie er sich auch bei Eurosport als Experte einen Namen gemacht hat, Defizite klar an, der Andere ist nah dran am Team, kanalisiert Stimmungen, wirkt motivierend und entlastet somit den Trainer Lucien Favre in diesem Bereich, so dass er sich voll auf Taktik fokussieren kann. Beim FC Bayern räumten Hoeneß und der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge frischen Kräften von außen weniger hohen Stellenwert ein, behielten stattdessen den Großteil der Macht. Philipp Lahm hätte dazu stoßen können, auch über Oliver Kahn wurde nachgedacht.

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Sportdirektor Hasan Salihamidzic kam immerhin. Aber er kämpft damit, sein Profil zu schärfen und fühlt sich in der Öffentlichkeit ganz offensichtlich nicht wohl. Sein Fleiß und Wille etwas zu bewegen stehen außer Frage und dennoch erhärtet sich der Verdacht, dass seine Kompetenz nicht weit genug reicht. "Auch die Spieler bekommen mit: Hasan hat da oben nicht viel zu sagen, wie man es eigentlich von einem Sportdirektor erwartet", glaubt Rekordnationalspieler und Ex-Bayern-Kapitän Lothar Matthäus.

Klare Hierarchie

Marco Reus, Axel Witsel und Thomas Delaney gehen beim BVB voran. Sie wurden im Sommer ganz bewusst verpflichtet, weil die Bosse ein Defizit an mentaler Stärke ausgemacht hatten. Diese Säule trägt das Team, an ihr richten sie sich auf, wenn es nicht läuft.

Video - Favre wusste es: "Dieses Tempo konnte Bayern nicht halten"

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Bei Bayern erscheint das Mannschaftsgerüst etwas wackelig, natürlich ist das auch dem enormen Verletzungspech geschuldet, aber Manuel Neuer steht als Kapitän in der Verantwortung, ebenso wie Lautsprecher Thomas Müller. Insbesondere Müller geht sportlich allerdings durch ein Tal und kann deshalb nicht zwingend Stärke demonstrieren. Dahinter gibt es eine breite Masse von Leuten, die gerne alle mitsprechen wollen. Jérôme Boateng, Mats Hummels, James Rodriguez, Robert Lewandowski, Niklas Süle und Neuzugang Leon Goretzka, natürlich auch Franck Ribéry und Arjen Robben. "Bei Bayern wüsste ich nicht, wer da Führungsspieler ist", merkt Matthäus an:

"Niko hat alle gleichgestellt."

Zur Erinnerung: Als Sammer 2012 nach dem "Drama dahoam" beim FC Bayern startete, war es eine seiner ersten Maßnahmen, die Führungsspieler Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger zu einen. Im weiteren Verlauf der Saison, an deren Ende das Triple stand, war das enorm hilfreich.

Verjüngung

Favre will etwas konzipieren, nicht verwalten. Deshalb setzt er auf junge, hungrige Spieler. Er formt und fördert sie, sie danken es ihm mit Leistung. Spieler wie Dan-Axel Zagadou, Achraf Hakimi, Jadon Sancho oder Jacon Bruun Larsen – um nur einige zu nennen – gehören definitiv zu dieser Kategorie. Sie bringen nicht nur Talent, sondern auch die entsprechende Physis mit. In München regieren unter anderem weiterhin Ribéry und Robben als Platzhirsche die Flügel.

Junge Talente haben es generell schwer, bei Bayern Spielzeit zu erlangen. Es braucht Trainer mit Mut wie ihn Louis van Gaal einst hatte, als er unter anderem Müller und Holger Badstuber groß rausbrachte. Er schuf ein Klima, in dem sich Talente entfalten konnten. In dieser Hinsicht ist der aktuelle BVB den Bayern überlegen. Selbstverständlich ist das auch den Bayern bewusst, im Hintergrund wird bereits eifrig an einem Umbruch 2019 gearbeitet. Hoeneß sagte am Sonntag bei "sky":

"Wir werden nächstes Jahr, wenn der zweite Schritt des Umbruchs kommt, sicherlich das Mannschafts-Gesicht ziemlich verändern."

Teamgeist

Es sind Kleinigkeiten, die viel über den Zusammenhalt einer Mannschaft aussagen. Mürrische Gesichter, verweigerte Handschläge bei Auswechslungen, das Jubeln nach einem Treffer et cetera. Beim BVB stimmt das Gesamtbild momentan. Nach außen tragen selbst Akteure wie Mario Götze oder Christian Pulisic keinen Frust, wenn sie mal nicht spielen. Das Spiel der Bayern in Dortmund war generell nicht schlecht, es hat auch gezeigt, dass die Mannschaft zusammenhalten kann, wenn sie es will. Dennoch war das bislang nicht immer so. Matthäus bei "sky" dazu:

"Es muss langsam aufhören, dass jeder nur an sich denkt. Es sollte alles zum Wohl des FC Bayern getan werden - und da kann man sich ein gutes Beispiel an Borussia Dortmund nehmen. Von den Spielern, die am Samstag nur auf der Bank oder nicht im Kader waren, hört man nichts. Da hat keiner abgewunken, sondern dort geht man respektvoll miteinander um, dient dem Verein und spielt für die Fans. Das sollten einige Bayern-Spieler auch machen. Dass sie daran denken, dass sie beim FC Bayern angestellt sind und die Entscheidung des Vereins und des Trainers akzeptieren müssen."

Video - Kuriose Szene mit Favre: "Wer ist Dritter? Ach, Bayern..."

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