Imago

BVB im Dauerrausch: Matthias Sammer sagt, was Borussia Dortmund noch fehlt

Sammer mahnt im Dortmunder Dauerrausch: "Wird auf Dauer nicht gut gehen"

07/10/2018 um 21:56Aktualisiert 09/10/2018 um 09:56

Bei Borussia Dortmund jagt derzeit ein Rausch den nächsten. Ungeschlagener Tabellenführer in der Bundesliga, souverän dabei in der Champions League, zuletzt das irrwitzige 4:3 in Minute 96 gegen Augsburg. Mit Trainer Lucien Favre hat ein Mentalitätswandel eingesetzt, BVB-Berater und Eurosport-Experte Matthias Sammer aber trennt zwischen Emotion und Vernunft - und sagt, was Dortmund noch fehlt.

Matthias Sammer ist erst 51, früher nannten sie ihn "Motzki", aber ein Mecker-Rentner will er dann doch nicht sein. Insofern streut der Eurosport-Experte prophylaktisch einen Verteidigungssatz ein - und dann ist Sammer wieder Sammer.

Video - Sammer warnt BVB: "Es ist ein ganz schmaler Grat"

01:01

BVB erfreut sich an "echt gutem Start"

So ist das zurzeit in Dortmund, ein Rausch jagt den nächsten, auch ohne Oktoberfest. Ungeschlagener Tabellenführer in der Bundesliga mit 23 geschossenen Toren (FC Bayern: zwölf), dazu zwei Erfolge in der Champions League sowie das Weiterkommen im DFB-Pokal. Besonders fällt auf, dass Dortmund bereits viermal trotz Rückstand siegte.

Und Roman Bürki sagt: "Letzte Saison hätten wir die Hälfte dieser Spiele nicht gewonnen."

Und Marco Reus sagt: "Es war ein echt guter Start bis jetzt."

Und Sammer sagt: "Es ist vieles in Ordnung, aber nicht alles Gold, was glänzt."

Video - Bundesliga 1800 #24: Tabellenführer BVB: Deswegen stürzt Dortmund dieses Jahr nicht ab!

10:14

Das taugt freilich zum allgemeingültigen Verdikt. "Defensiv war es eher mau - zuhause drei Gegentore", meinte Reus über Augsburg. "Defensiv viel zu korrigieren" befand Lucien Favre, der Trainer. Sebastian Kehl, Leiter der Lizenzspieler-Abteilung, attestiert dem Schweizer "natürlich den größten Anteil", Favre selbst war für seine Verhältnisse geradezu ekstatisch am Wochenende: "Die Stimmung in der Mannschaft ist gut, wir vertrauen uns. Es war ein super Spiel."

Sammer: "Problem der vergangenen Jahre war nicht Bayern"

Sammer saß auf der Tribüne und analysiert anderntags im Eurosport-Studio:

"Die Mannschaft ist in einer guten Verfassung, hat gute Moral und Mentalität, sie glaubt an sich und ist gepaart von Individualität. Rein qualitativ betrachtet ist es aber noch ein ganz schmaler Grat. Ich bin bei Favre, der immer sagt: Gebt mir Zeit. Details, die erste Halbzeit, die Gegentore… "

Kehl wäre es ebenfalls "lieber, ein Spiel mal frühzeitig zu entscheiden und in die richtige Richtung zu lenken". Das passierte nur beim 7:0 gegen Nürnberg und dem 3:0 über Monaco, mit Abstrichen. "Du brauchst diese Stabilität, national wie international, immer mit dem Anspruch, dass du gut sein willst", betont Sammer. "Das Problem der vergangenen Jahre war in der Bundesliga nicht Bayern München, sondern die Mannschaften dahinter."

Sammer über BVB: "Irgendwann hast du Pech"

Den "dramatischen Mentalitätswandel", vom "kicker" beim BVB konstatiert, will Sammer nicht negieren. Er trennt halt zwischen Emotion und Ratio:

"Von den Ergebnissen ist es top, die Leute flippen aus, das ist traumhaft und wunderbar. Es ist aber nicht die Realität. Du musst dich schon auf allerhöchstem Niveau daran orientieren, wo der Spitzenbereich ist. "

Es gebe "so viel Potential", sagt Sammer, denn: "Oftmals Glück, was sie jetzt hatten, ist auch Können - aber irgendwann hast du Pech."

Video - Gewagte These bei Mann gegen Mann: "Bayern freut sich über starken BVB"

01:32
0
0