Aus Mönchengladbach berichtet Andreas Morbach

Roman Bürki war umzingelt – von Fernsehern. Links und rechts über ihm hing einer, schräg gegenüber von ihm in jeder Ecke nochmals je einer. Auf allen vier Apparaten liefen die Münchner Feierlichkeiten, mit Bierduschen und Im-Kreis-hüpfen.

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Aber Bürki blieb stark. Jedem Versuch seiner Augen, einen Blick auf die jubelnden Bajuwaren zu werfen, widerstand der BVB-Keeper – und schaute demonstrativ nach unten. Die Enttäuschung über die verpasste Meisterschaft war ihm wie allen anderen Dortmundern deutlich anzumerken. Doch bei allen schimmerte auch in den schmerzhaften Minuten nach dem Liga-Finale bereits der Stolz auf das Erreichte durch.

So rekapitulierte Bürki nach dem letztlich nutzlosen 2:0 (1:0) gegen Borussia Mönchengladbach zwar die zahlreichen Spiele in der Rückrunde, die die Schwarz-Gelben trotz eigener Führung nicht gewonnen hatten. Und meinte zu den Partien in Düsseldorf (1:2) und Nürnberg (0:0):

Bei allem Respekt vor diesen Gegnern – das sind Teams, die wir auswärts schlagen müssen. Das haben wir nicht geschafft.

BVB mit drittbester Saison der Vereinsgeschichte

Dass auch die Bayern beim schmachvollen Heimspiel Ende November gegen Aufsteiger Fortuna (3:3) und kürzlich noch beim 1:1 beim FCN, dem anderen Neuling, Punkte liegen ließen, unterschlug der 28-jährige Schweizer in dem Moment. Stattdessen malte er sich lieber aus, welche Gefühle in ihm in einigen Tagen wohl überwiegen werden.

"Ich freu' mich schon auf den Urlaub", betonte Bürki also: "Da kommt man ein bisschen weg von dem Ganzen. Und sieht dann auch – was wirklich wichtig ist –, was wir erreicht haben."

Fabriziert haben die Westfalen, die am Ende mit zwei Zählern Rückstand auf den Dauermeister aus dem Freistaat anschlugen, immerhin die drittbeste Saison der Klubgeschichte. Mit 76 Punkten. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke nannte diese Marke bei seinem kurzen Auftritt in der Interviewzone. Und auch Trainer Lucien Favre erwähnte die 76 Punkte seiner Mannschaft mehrfach.

Wirklich übertünchen konnte diese Zahl die erste große Enttäuschung über das verpasste Ziel aber nicht. Selbst als die Bayern auf der Schlussgeraden ihrer fantastischen Rückrunde in Freiburg und Nürnberg noch mal kurz schwächelten, fehlte Favres Ensemble das Killer-Gen: Gegen Schalke und in Bremen verspielte der BVB Führungen, das Revierderby ging – ein besonders tief sitzender Stachel – sogar verloren.

Watzke gratuliert dem FC Bayern

"Es wäre vielleicht mehr drin gewesen. Wenn wir ein Spiel mehr gewonnen hätten, wären wir jetzt Deutscher Meister", sinnierte Watzke. Zugleich betonte der 59-Jährige jedoch:

Die Mannschaft ist heute wie ein Champion aufgetreten. Sehr gut, sehr souverän.

Am Montag werde er Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge anrufen, um den Bayern-Bossen zum Titel zu gratulieren, kündigte Watzke noch an. Das gebietet der Anstand, eine kleine Kampfansage in Richtung Süden konnte sich Dortmunds Chef in dem Moment aber auch nicht verkneifen. "Wir werden versuchen, in den nächsten Jahren dranzubleiben", sagte er: "Das ist ambitioniert, aber wir werden es versuchen."

Borussia Mönchengladbach gegen Borussia Dortmund

Fotocredit: Getty Images

Bereits an Ort und Stelle bemühten sich die beteiligten Cheftrainer, die Leistung des jeweils anderen zu würdigen.

Schließlich sind Gladbachs Coach Dieter Hecking, der trotz erreichter Europa League seinen Stuhl für Marco Rose räumen muss, und der Kollege Favre durch ihre Wiederbelebungskünste miteinander verbunden. Am Niederrhein beseitigte Hecking gewisse Turbulenzen in den zurückliegenden zweieinhalb Jahren. Favre gelang dasselbe beim BVB innerhalb der letzten elf Monate.

Favre: "Natürlich wollen wir immer so eine Saison"

"Das war sicherlich ein Stück weit wie bei uns", urteilte Hecking, ehe er beide Vereine vor zu großen Erwartungen warnte: "Bei uns wie in Dortmund ist ein wenig das Gefühl aufgekommen, dass es ein bisschen mehr hätte sein können."

In diese Richtung gingen an seinem früheren Arbeitsplatz auch die Gedanken von Monsieur Favre:

Natürlich sind wir enttäuscht. Aber nicht viele Leute haben vor der Saison mit 76 Punkten für uns gerechnet.

Die kleine verbale Offensive von Watzke an die Adresse der Münchner mochte Favre allerdings auch nichts ins Leere laufen lassen. "Natürlich wollen wir immer eine so schöne Saison wie diese haben. Aber 76 Punkte zu holen – das ist nicht einfach", erklärte er stattdessen vorsichtig.

Und es klang danach, als würde im nun bevorstehenden Urlaub bei ihm der Stolz die Trauer irgendwann übersteigen. Genauso wie bei seinem Landsmann Roman Bürki.

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