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BVB vor Rückrundenstart: Deshalb stürzt Borussia Dortmund nicht ab

4 Gründe, warum Dortmund nicht abstürzen wird

12/01/2019 um 10:01Aktualisiert 16/01/2019 um 13:51

In einer Woche beginnt die Rückrunde in der Bundesliga. Seit acht Jahren steht mit dem BVB zum ersten Mal wieder ein anderer Verein als der FC Bayern München an der Tabellenspitze. Ex-Bayern-Coach Felix Magath glaubt trotz Sechs-Punkte-Polster nicht an die Meisterschaft für Dortmund und prophezeit den Absturz. Eurosport.de nennt Gründe dagegen.

Es war in der Saison 2011/2012, als nach 17 Spieltagen zuletzt nicht der FC Bayern an der Tabellenspitze thronte. Damals wie heute sammelte Borussia Dortmund in der Hinrunde die meisten Punkte, schleppte den Vorsprung letztendlich ins Ziel und wurde Meister.

"Ich glaube nicht, dass der BVB die Klasse hat, sein Ding bis zum Saisonschluss durchzuziehen. Deshalb gehe ich davon aus, dass die stabileren Bayern Meister und die Borussen Zweiter werden."

Laut Magath spreche "die Qualität der Einzelspieler für Bayern". Die Hinserie bilde "mehr die Münchner Schwäche als die Dortmunder Stärke ab".

Kann man so sehen. Muss man aber nicht.

4 Gründe gegen einen Absturz des BVB.

1. Mehr Kadertiefe als der FC Bayern

28 Mann ist Dortmunds Kader nach dem Abgang von Sebastian Rode in der Winterpause stark. 24 dieser Männer kamen in der Hinrunde zum Einsatz. Oft drückt ein solch breiter Kader auf die Stimmung, doch Trainer Lucien Favre hat es geschafft, alle Spieler bei Laune zu halten.

Während beim FC Bayern immer wieder Unmutsbekundungen einzelner Stars an die Öffentlichkeit geraten, denkt man in Dortmund nur an das Wohl der Mannschaft. Die Spieler wirken zufrieden und fokussiert. Der Mannschaftsgedanke steht über allem, persönliche Eitelkeiten? Fehlanzeige. Mario Götze, Weltmeister von 2014 und zu Saisonbeginn fast schon abgeschrieben, sagt etwa:

"Es gab eine Phase, wo es nicht gepasst hat. Da hat der Trainer sich gegen mich entschieden, das war eine Herausforderung für mich. Nichtsdestotrotz haben wir unsere Spiele gewonnen, wir stehen als Mannschaft gut da."

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Sowohl Bayern als auch Borussia tanzen noch auf allen drei Hochzeiten (Bundesliga, Champions League, DFB-Pokal). Ein breiter Kader, in dem sich jeder gebraucht fühlt, ist da ein entscheidender Vorteil. Vor allem dann, wenn sich Verletzungen in der zweiten Jahreshälfte aufgrund hoher Belastung häufen.

Bezeichnend: Bei den Münchnern verletzte sich rund eine Woche vor Rückrundenstart ausgerechnet Franck Ribéry, ein Hoffnungsträger der vergangenen Wochen. Beim BVB verpasste sein Pendant Marco Reus in der Hinrunde kein Spiel und befindet sich in der Form seines Lebens.

"Wir erleben einen Reus in Superform, den besten Reus, den wir je gesehen haben", urteilte der ehemalige BVB- und Bayern-Coach Ottmar Hitzfeld vor dem direkten Duell am 10. November (3:2 für den BVB) im "kicker". Reus traf übrigens doppelt.

2. Gier und Titelhunger

Es ist ganz normal, dass nach Dauer-Meisterschaften der Hunger nachlässt. In der Bundesliga-Geschichte waren 50 Jahre lang drei Meisterschaften in Serie das höchste der Gefühle. Es ist der aktuellen Bayern-Generation um Spieler wie Manuel Neuer, Jérôme Boateng, Arjen Robben und Ribéry deshalb nicht hoch genug anzurechnen, was sie in den vergangenen sechs Jahren geleistet hat.

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Doch jede Serie reißt einmal, das ist ein mathematisches Gesetz. Die Bayern haben ihren Kader vor Saisonbeginn kaum verändert, das Team ist auf die gleichen Säulen aufgebaut wie in den Jahren zuvor. Und diese Säulen sind in die Jahre gekommen.

Der BVB hingegen strotzt vor Talenten und Leidenschaft, ist hungrig und gierig. Teenager wie Jadon Sancho, Christian Pulisic (bleibt Dortmund nach seinem Wechsel zum FC Chelsea bis Saisonende auf Leihbasis erhalten) oder Jacob Bruun Larsen sind längst Leistungsträger und spielen mit jugendlicher Unbekümmertheit.

Dieser Erfolgshunger, der in unverbrauchten Jahren von Natur aus stärker ausgeprägt ist als am Karriereende, ist ein entscheidender Vorteil für den BVB auf dem Weg zur Meisterschaft.

3. Offensive Variabilität

Der BVB stellte in der Hinrunde so einige Rekorde auf. Einer ist jedoch besonders beeindruckend und belegt, wie variabel der Tabellenführer in der Offensive ist: 16 verschiedene Spieler trugen sich in der Hinserie in die Torschützenliste ein. Ein Bundesliga-Rekord, den Dortmund schon nach 14 Spieltagen aufstellte.

Mit Paco Alcácer (12), Reus (11) und Sancho (6) trafen gleich drei Spieler mindestens fünf Mal. Von Bayerns insgesamt 13 verschiedenen Torschützen gelang das nur Robert Lewandowski (10).

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Bereits im Vorjahr war der BVB in der Offensive stark besetzt. Nach dem Abgang von Pierre-Emerick Aubameyang stand man jedoch zu Saisonbeginn ohne echten Knipser da. Der Alcácer-Transfer stellte sich als echter Glücksgriff dar und hob den BVB noch einmal auf eine neue Stufe.

4. Balance und Stabilität

Mindestens genauso wichtig für den Erfolg der Borussia und gleichzeitig der größte Unterschied zur vergangenen Spielzeit ist aber die neugewonnene defensive Stabilität. Axel Witsel wird daher zurecht als Königstransfer bezeichnet und wird auch in der Rückrunde den "Laden" zusammenhalten.

Sportdirektor Michael Zorc beschreibt ihn so:

"Er ist mit seiner internationalen Erfahrung und seiner Abgeklärtheit ein ganz wichtiger Spieler. Er gibt nach innen Selbstvertrauen und strahlt das Gleiche nochmal nach außen aus."

Witsels einjähriger Aufenthalt in der chinesischen Liga hat seiner Weltklasse, entgegen der Meinung einiger Experten, keinen Abbruch getan. Der Belgier bringt Stabilität, Aggressivität und ungemeine Ballsicherheit ins Dortmunder Spiel. Ein Mentalitätsspieler, wie ihn die Verantwortlichen im Sommer suchten.

Bleibt er fit und hält seine Form, muss der BVB in der Rückrunde keinen Absturz fürchten.

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