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Wunschspieler des FC Bayern: Warum halb Europa Kai Havertz jagt

Wunschspieler des FC Bayern: Warum halb Europa Kai Havertz jagt

17/03/2019 um 09:30Aktualisiert 17/03/2019 um 12:36

Kai Havertz ist der wohl begehrteste und wahrscheinlich auch talentierteste Spieler seines Jahrgangs. Der Offensivspieler hat bereits 79 Bundesliga-Partien auf dem Buckel - mit gerade einmal 19 Jahren, wohlgemerkt! Nicht ohne Grund jagt ihn halb Europa, beim FC Bayern gilt er hinter hervorgehaltener Hand als Wunschspieler. Dabei begann der Aufstieg seines Sterns schon deutlich früher.

Die Karriere von Havertz liest sich wie ein Märchen. Mit 19 Jahren darf er sich bereits Nationalspieler schimpfen. "Erfahrener" Bundesliga-Kicker, Top-Talent, Spielmacher, Schlüsselspieler, Havertz ist vieles und vor allem eines: heiß begehrt bei den europäischen Top-Klubs.

Ein wichtiges Kapitel des Havertz-Märchens ist der 15. Oktober 2016. Familie Havertz sitzt morgens am Frühstückstisch, in ihrem großen Haus gegenüber dem Waldstück in Mariadorf, ein Stadtteil von Alsdorf. Das Telefon klingelt, am anderen Ende der Leitung: Roger Schmidt, zu diesem Zeitpunkt Trainer in Leverkusen.

Lars Bender hat sich verletzt, Havertz soll sofort nach Bremen kommen. Gesagt, getan! Havertz sitzt am Abend bei Bayer auf der Bank gegen Werder Bremen. In der 83. Spielminute ist es so weit: Schmidt bringt den damals 17-Jährigen in die Partie. Ab diesem Zeitpunkt wird halb Europa seine Blicke gen BayArena richten.

Noch in besagter Saison steigt Havertz schnell zum Starter unter Schmidt auf. 2571 Einsatzminuten sind es am Ende der Spielzeit 2016/17, im Folgejahr 2468. Früh prägt der 1,88-m-Schlaks das Spiel der Werkself und egal ob unter Schmidt, Heiko Herrlich oder nun unter Peter Bosz: Havertz ist der Schlüsselspieler.

13 Tore und sieben Assists stehen bereits auf seinem Konto in dieser Saison. Es dürften wohl noch einige dazu kommen.

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Havertz: Erfolg macht sexy

Leverkusen weiß, was es an seinem Spielmacher hat. Doch Erfolg macht bekanntlich sexy und so dürfte das Telefon in der 04er Geschäftsstelle im kommenden Sommer im Dauerakkord klingeln. Der FC Bayern gilt als heißester Anwärter, aber auch Barca, PSG, Real Madrid und viele mehr sollen regelmäßig ihre Scouts nach Leverkusen schicken.

"Ich kann ihn nicht kaufen, aber er ist ein Spieler, der sehr gut zu uns passen würde", betonte etwa Bayerns Lieblingsschwiegersohn Joshua Kimmich.

Havertz zum FC Bayern? Das könnte passen. Aus Spanien ("Mundo Deportivo") ist zu vernehmen, dass der FC Barcelona Havertz zwar gerne in seinen Reihen wüsste, der Spieler selbst präferiere jedoch München.

Zu seiner Zukunft gibt sich der 19-Jährige in Interviews bedeckt, sein Ziel ist aber dennoch eindeutig: Es sei klar, sagte Havertz zuletzt, dass er irgendwann den nächsten Schritt machen müsse. Im Doppelinterview bei "Bild am Sonntag" mit Teamkollege Julian Brandt betonte das Bayer-Juwel:

"Jetzt sind wir hier und haben beide Vertrag, also spielen wir nächste Saison weiter gemeinsam für Bayer Leverkusen – Stand jetzt."

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Stand jetzt läuft sein Vertrag auch noch bis 2022, eine Ausstiegsklausel existiert angeblich nicht. Ohnehin möchte man in Leverkusen den Abgang von Havertz möglichst lange hinauszögern. Denn dass er geht, ist nur eine Frage der Zeit.

Bayer-Manager Rudi Völler gibt sich gelassen. "Wir haben ihn bis 2022 unter Vertrag. Deshalb können wir sehr ruhig schlafen. Kai wird im Sommer definitiv bleiben", sagte Völler, um dann aber nachzuschieben: "Dass wir natürlich ein Klub sind, der hin und wieder mal einen Spieler verliert, das ist halt leider so. Wir sind nicht Bayern München."

Die Hoeneß'sche Transferoffensive

Da erscheint es nahezu passend, dass beim deutschen Rekordmeister im Sommer auf einigen Positionen ein Umbruch erfolgen soll. "Wir hatten beschlossen, nicht diese, sondern nächste Saison zu klotzen", verriet Bayern-Präsident Uli Hoeneß jüngst bei "Sport1": "Wenn ihr wüsstet, was wir schon alles sicher haben für die kommende Saison..."

Klingt fast wie eine Drohnung an die Konkurrenz. Ist es wohl auch.

Gehört Havertz zu den "Sicheren"? Ende Februar berichtete die "Sport Bild", dass man in Leverkusen ab einer Ablösesumme von 65 Millionen Euro doch schwach werden könnte. Die Münchner hätten sogar schon Kontakt zu Havertz' Beratern hergestellt.

Bliebe nur die Frage, wann der Wechsel erfolgen soll. 2019 oder erst in einem Jahr? Denn die Personalie Havertz ist beim FCB eng mit James Rodríguez verknüpft.

Der Kolumbianer ist bis zum kommenden Transferfenster von Real Madrid ausgeliehen, für 42 Millionen Euro würde aus einer Leihe ein permanentes Geschäft. Weil er zwischendurch verletzt war und unter dem neuen Bayern-Coach Niko Kovac zunächst nur den Bankwärmer spielen durfte, hielten sich die Gerüchte um eine mögliche Rückkehr nach Madrid hartnäckig.

Gerüchte, denen Karl-Heinz Rummenigge im Interview mit der "AZ" ordentlich Wind aus den Segeln nahm: "Ich gehe fest davon aus, dass James auch in der nächsten Saison beim FC Bayern spielen wird."

Wenn also James in München bleibt, wo würde dann Havertz unterkommen?

Die Konkurrenz schläft nicht

Möglicherweise bei einem anderen Klub, möglicherweise auch doch beim FCB trotz James. Allerdings sollten die Münchner nicht zu lange warten. Denn die Konkurrenz schläft nicht. Von Manchester City bis zum FC Barcelona, ihnen allen wird Interesse an Havertz nachgesagt. Immerhin ist es ja so: Einen Spieler der Marke Havertz braucht man nicht, man holt ihn einfach.

Kai Havertz (Bayer Leverkusen)

Kai Havertz (Bayer Leverkusen)Getty Images

Insbesondere der FC Bayern hat in jüngerer Vergangenheit schmerzliche Erfahrungen damit machen müssen, junge, talentierte Bundesliga-Spieler verpasst zu haben. Stichwort Leroy Sané, Stichwort Kevin De Bruyne.

Dass sich die europäischen Schwergewichte des Fußballs ein Wettbieten um Havertz liefern, ist bei diesem Talent wenig verwunderlich. Heiko Herrlich verglich ihn mit Toni Kroos, TV-Experte Reiner Calmund griff noch eine Schublade höher und nannte Franz Beckenbauer zum Vergleich. Havertz selbst nennt Mesut Özil als sein Vorbild.

Auch das verwundert nicht. Raumorientierung, der sogenannte innere Kompass, Übersicht, Ruhe am Ball und eine unglaubliche Technik: Für all das steht Özil und für all das wird auch Havertz mit seinen zarten 19 Jahren bereits bestaunt.

Denn es ist ja so: Einen Spieler der Marke Havertz braucht man nicht, man holt ihn einfach.

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