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Der FC Bayern München braucht den Umbruch: Paul Breitner for President!

Der LIGAstheniker: Bayern braucht den Umbruch: Breitner for President!

26/11/2018 um 12:37Aktualisiert 26/11/2018 um 12:48

Ein Trainer, über dessen Kopf hinweg Pingpong gespielt wird, ein Kader, in den nicht ausreichend investiert wurde, ein Sportdirektor, der nicht existent ist. Beim FC Bayern ist im Moment nichts mehr wie es einmal war. Der Trainerstuhl von Niko Kovac wackelt gewaltig, denn sportlich läuft's nicht rund. Höchste Zeit für einen Umbruch beim Rekordmeister - meint Eurosport-Blogger Thilo Komma-Pöllath.

In Zeiten des maximalen Trainerwirbels sei an dieser Stelle einmal positiv darauf verwiesen, dass der Umbruch beim FC Bayern endlich Gestalt annimmt.

Seit letzter Woche haben die Bayern - immerhin - einen neuen, ebenso schönen wie leistungsstarken Mannschaftsbus. Fast 14 Meter lang, ein potenter Sechszylindermotor, eine vollausgestattete Küche inklusive. Ein Diesel! Wie bei jedem Neuzugang kann man über seine zukünftige Performance im Bayern-Trikot natürlich nur spekulieren.

Es bleibt die Hoffnung, dass sich die Bayern-Führung die Messdaten der Laufwege zwischen Säbener Straße und Allianz Arena genau angesehen haben. Sollten die Grenzwerte nicht stimmen, droht dem neuen Bus möglicherweise schon bald ein richterliches Fahrverbot.

Ein Mannschaftsbus, der vom Trainingsgelände nicht zum Stadion kommt, eine Metapher für den Rekordkrisenmeister der Gegenwart, der vielleicht schon am nächsten Samstag von einem anderen als Niko Kovac gesteuert wird.

Wenige Tage vor seiner diesjährigen Jahreshauptversammlung wirkt der FC Bayern führungslos wie lange nicht.

Kovac von Hoeneß hinters Licht geführt

Wir erinnern uns. Anfang Oktober warf sich Präsident Uli Hoeneß wie ein Löwe vor seinen Trainer. Er werde ihn bis aufs Blut verteidigen, er stehe wie eine Eins zu ihm, "egal was in den nächsten Wochen passieren wird". Deutlicher, wütender und glaubwürdiger kann man das nicht formulieren.

Sechs Wochen ist das nun her, und dass Niko Kovac, nach dem 3:3 gegen Düsseldorf vom Wochenende, Trainer bleiben darf, kann ausgeschlossen werden. Grund dafür sind die Einlassungen vom selben Präsidenten Hoeneß nach dem Spiel, der Kovac zum Abschuss durch die kritische Öffentlichkeit freigegeben hat.

Niko Kovac (Trainer FC Bayern)

Niko Kovac (Trainer FC Bayern)Imago

Hoeneß war nur bereit, Kovac für das Champions League-Spiel am Dienstag gegen Benfica eine Garantie für die Trainerbank zu geben. Im Original-Ton klingt das so: "Wir müssen die nächsten Tage, […] vielleicht auch Wochen dazu verwenden, um die richtige Lösung zu finden."

Das klingt nicht nach Taktikwechsel, das ist schon ein Aufruf für alle Headhunter. Schon ab Samstag könnte eine Interimslösung folgen, die sich spielend aus dem Heer an fügsamen Bayernbotschaftern rekrutieren lässt.

Dass noch selten ein Trainer von seinem Präsidium derart hinters Licht geführt wurde wie Kovac, das kann man aber schon jetzt mit Fug und Recht behaupten.

Können Kalle und Uli von Bayern lassen?

Und doch ist beim FC Bayern eine Dynamik im Gange, die den Umbruch nicht mehr nur auf das Sportliche reduziert sehen will, sondern "alle Organisations- und Hierarchieebenen" miteinschließt, wie die "Süddeutsche" schrieb. Das Gedankenspiel mit Oliver Kahn als neuem Klubchef ist nicht mehr nur ein Modell von vielen, sondern konkretes Szenario, glaubt man den Stimmern aus dem direkten Umfeld des Klubs.

Danach könnte Kahntitan Rummenigge ab 2020 als Bayern-CEO ablösen. Sowohl Rummenigges als auch Hoeneß' Amtszeiten laufen Ende 2019 aus. Aber selbst wenn Rummenigge verzichtet, ist es wirklich vorstellbar, dass Uli Hoeneß als Aufsichtsratsvorsitzender und Präsident (Motto seit seiner Wiederwahl: "…bis zum letzten Atemzug") von seinem Quasi-Eigentum Bayern München lässt?

Karl-Heinz Rummenigge (l.) und Uli Hoeneß

Karl-Heinz Rummenigge (l.) und Uli HoeneßGetty Images

Wie dringend eine Personalrochade auf beiden Führungsposten des FC Bayern wäre, zeigt der aktuelle Umgang mit Trainer und Mannschaft. Ein Trainer, über dessen Kopf hinweg Pingpong gespielt wird, ein Kader, in den nicht ausreichend investiert wurde, ein Sportdirektor, der nicht existent ist.

So kann man nicht Spitze sein, nicht in Europa und offensichtlich auch nicht mehr in der Bundesliga. Das Alphatierchen-Patt in der Klubführung zwischen Rummenigge und Hoeneß, die sich den Klub dynastisch untereinander aufgeteilt haben, ist derzeit das größte Bayern-Problem, an dem mittelfristig die meisten Trainer scheitern werden. Zarte Indizien, wonach die beiden das nun selbst zu verstehen beginnen, könnten den Weg aus der Bayern-Krise zeigen. Ob es wirklich dazu kommt?

Paul Breitner for President

Der LIGAstheniker hätte noch einen weiteren Vorschlag, um die Checks & Balances innerhalb des Vereins zu stärken und die Macht der beiden Bayern-Potentaten zu begrenzen. Stand heute ist nicht vorstellbar, dass Uli Hoeneß im November 2019 bei der Wahl des neuen Bayern-Präsidenten einen Gegenkandidaten haben wird.

Aber warum eigentlich nicht? Was hindert etwa Hoeneß‘ langjährigen Antipoden Paul Breitner bei der übernächsten Jahreshauptversammlung als Präsidentschaftskandidat in den Ring zu steigen, um das Vakuum aufzubrechen, das seine ehemaligen Spielkameraden hinterlassen haben?

Zur Person Thilo Komma-Pöllath:

Der Sportjournalist und Buchautor ("Die Akte Hoeneß") beleuchtet in seinem wöchentlichen Blog "Der LIGAstheniker" das Geschehen in der Fußball-Bundesliga für Eurosport.de. Oft skeptisch, ironisch, kritisch - aber einer muss schließlich den Ball flach halten.

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