Getty Images

Der FC Bayern München treibt mit James Rodríguez ein gefährliches Spiel

Bayern treibt mit James ein gefährliches Spiel

11/02/2019 um 18:13Aktualisiert 12/02/2019 um 12:07

James Rodríguez kämpft beim FC Bayern München auch im zweiten Jahr um einen Stammplatz und Anerkennung. Wie es im Sommer mit ihm weitergeht, ist noch offen. Das Verhältnis zu Trainer Niko Kovac scheint sich zu entspannen, dennoch bleiben Fragen: Was wollen die Bayern mit James? Was will der Spieler? Der Poker um die Zukunft ist eröffnet - und es gibt viele Variablen.

James Rodríguez ist wahrlich kein Spieler, den man als Lautsprecher bezeichnen würde.

Schon bei Real Madrid ließ der Kolumbianer lieber seine Leistung als Worte sprechen. Beim FC Bayern München kommt die Sprachbarriere hinzu - Interviews mit ihm nach Spielen sind deshalb eher selten.

James sprach leise, wie er es immer tut. Seine Antworten sind oft kurz, überlegt. Ab und an stottert er. Er ist eben kein Mann der großen Worte.

James Rodríguez stellt keine Ansprüche

Wie's so läuft? Ganz gut, seit letzter Woche. "Nach und nach komme ich wieder in den Rhythmus", sagte James:

"Ich war fast drei Monate lang raus, aber langsam fühle ich mich wieder gut. Und von Spiel zu Spiel gewinne ich an Qualität."

Sein Timing ist gut - im Champions-League-Achtelfinale gegen den FC Liverpool wird Thomas Müller rotgesperrt fehlen. Da kann man James, der zwischen 3. November und 2. Februar nach einem Außenbandanriss im Knie nur 27 Minuten für Bayern gespielt hatte, als "Zehner" ganz gut gebrauchen.

Ob er gegen Liverpool darf, ist aber noch nicht klar. Zuletzt bot sich auch Leon Goretzka für die James-Rolle an. Ein Problem für den Kolumbianer? "Ich muss ruhig bleiben", sagte er: "Und wenn ich spiele, muss ich mich anbieten."

Keine Liebe zwischen Kovac und James

In der Hinrunde bekam James nur selten die Möglichkeit dazu. Anders als bei Jupp Heynckes war er unter Niko Kovac lange nicht gesetzt. "Heynckes hat mich besser gemacht. Er hat mir Vertrauen geschenkt, das war ein tolles Gefühl", hatte James nach der vergangenen Saison gesagt.

Und das Verhältnis zu Kovac jetzt? "Das ist normal", sagte er am Samstag: "Ich will helfen, wenn ich kann."

Die große Liebe ist es offenkundig nicht, auch wenn sich Kovac am Freitag dann doch mal bemühte, positiv über James zu sprechen. "Ich habe immer schon gesagt, dass er ein außerordentlich guter Fußballer ist", sagte der Bayern-Trainer da:

"Wir mussten ihn nach seiner Verletzung wieder etwas ranführen, aber wenn er fit ist, dann spielt er wie in Berlin: klasse! Und das ist das beste Argument für einen Einsatz."

Lewandowski lobt James

Und so spielte James nun dreimal in Folge (Leverkusen, Berlin, Schalke) von Beginn an. Gegen Berlin und Schalke tat er das ausnehmend gut - am Samstag bereitete James das 1:0 und 2:1 mit zwei klugen Pässen auf Lewandowski vor.

"Er hat gezeigt, wie gut er ist und was er am Ball kann", lobte Aushilfskapitän Lewandowski seinen Wegbereiter artig.

Seine Auswirkung auf das Spiel der Münchner ist einfach auf den Punkt gebracht: Spielt James, dann ist Bayern durch die Mitte gefährlicher. "Es ist gut, dass wir solche Spieler wie ihn haben, weil es uns taktisch flexibler macht. Das ist unsere Stärke", sagte Lewandowski.

Video - Das sagen die Bayern-Fans zur Hamann-Kritik: "Totaler Quatsch"

01:22

Zieht der FC Bayern die Kaufoption?

Die mittelfristige Frage ist, wie Bayern James' Wert für den Klub taxiert - und ob der Spieler, sollte Kovac ihn weiter nicht in tragender Rolle sehen, mit der Aufgabe als nur Beinahe-Stammspieler leben kann.

"Ein Spieler seines Kalibers muss so viel spielen wie möglich, das ist sehr wichtig", sagte Kolumbiens neuer Nationaltrainer Carlos Queiroz kürzlich und kündigte ein Gespräch mit James an.

Faktisch kann Bayern die Leihe von Real Madrid via Kaufoption über 42 Millionen Euro im Sommer zu einem dauerhaften Geschäft machen - das ist bekannt. Die Eckdaten dazu sind offenbar auch schon längst ausgehandelt, heißt es in Spanien. Zieht Bayern die Option, würde James einen (fürstlich entlohnten) Vier-Jahres-Vertrag erhalten.

Doch der Spieler selbst muss das auch wollen. Einen unglücklichen James würden die Münchner wahrscheinlich nicht zum Bleiben zwingen.

Video - Effenberg: Transfer für Arp größeres Risiko als für Bayern

01:21

Bayern-Vorgehen erinnert an Coman

Von den Bayern erfährt man nur wenig. Sie pokern, halten den Ball flach. Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge outete sich zwar vor kurzem beim einem Business-Kongress ("Spobis") als "großer Fan" von ihm, sagte: "Wir wissen alle im Verein, was er für Qualitäten hat."

Qualität hat auch die internationale Strahlkraft des Kolumbianers - Stichwort Trikot-Verkäufe.

Auf eine Weiterbeschäftigung deute das alles jedoch noch nicht hin. "Entscheidend wird sein, dass es für ihn und für uns die beste Entscheidung ist", sagte Rummenigge.

Ähnlich wie sie es schon bei Kingsley Coman mit Juventus Turin taten, spielen die Bayern offensichtlich auf Zeit (2017 wurde schließlich die Kaufoption über 21 Mio. Euro gezogen).

Das Motto: Nur keine Angriffsfläche bieten. Und so auch den mächtigen James-Berater Jorgé Mendes an der kurzen Leine halten.

Salihamidzic blockt ab

Auf Eurosport-Nachfrage, wie denn die Pläne mit James nun aussähen, blockte Sportdirektor Hasan Salihamidzic am Samstagabend erneut ab. "Wir haben noch Zeit", sagte er da lapidar. Immerhin lobte er artig:

"James spielt die letzten Spiele wirklich sehr gut. Er hat dem Spiel seinen Stempel aufgedrückt. Er war einer der Besten."

Möglicherweise hängt die Personalie James auch von Kai Havertz (Bayer Leverkusen) ab. An dem 19 Jahre alten Shootingstar und Jungnationalspieler haben die Bayern naturgemäß Interesse. Die Frage ist, inwieweit Leverkusen dabei mitspielt. Havertz steht bei Bayer schließlich bis 2022 unter Vertrag. Es drohen harte Ablöseverhandlungen.

Video - Bayerns X-Faktor im Titelkampf: Darum muss Kovac auf Martínez setzen

02:34

Kommt es zum Dreiecksgeschäft?

Eine weitere Option für Bayern wäre angesichts der explodierenden Marktpreise, James für die 42 Millionen Euro zu verpflichten, aber dennoch abzugeben - an den dann meistbietenden europäischen Top-Klub.

Juventus Turin, dem FC Arsenal und zuletzt sogar Paris Saint-Germain sagt man Interesse nach. Im Winter schloss Salihamidzic ein solches Dreiecksspiel jedoch aus. "Das ist nicht Stil des FC Bayern", sagte er da:

"Wenn wir uns für einen gestandenen Spieler entscheiden, dann bleibt er auch Teil des FC Bayern."

Für den Spieler heißt es derweil: warten. Und überlegen. Kovac meinte neulich, James spiele "um seine Zukunft". Was auch immer er damit bezwecken wollte.

James selbst sagte zuletzt immer das gleiche. "Ich weiß nicht, wie meine Zukunft aussieht", wiederholte er am Samstagabend:

"Die Gegenwart ist Bayern München. Es sind noch vier Monate und wir werden sehen, was passiert."

Klar ist nur: Mit Auftritten wie gegen Hertha und Schalke kann James seine Ausgangsposition nur verbessern.

0
0