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Der LIGAstheniker | Luftschlösser beim BVB - so wird das nix mit der Meisterschaft

Der LIGAstheniker | BVB-Luftschlösser: So wird das nix mit der Meisterschaft

28/01/2019 um 11:53Aktualisiert 29/01/2019 um 14:13

Der LIGAstheniker legt sich fest: So wird Borussia Dortmund nicht Meister. Anstatt klar und deutlich das wichtigste Ziel zu definieren - nämlich Meister zu werden, hält sich der BVB wie immer bedeckt. Man wolle keine "Luftschlösser bauen" heißt es vom BVB. Aber wenn es nach Blogger Thilo Komma-Pöllath geht, ist es an der Zeit, den FC Bayern München im Rennen um dien Titel herauszufordern.

Ein Kommentar von Thilo Komma-Pöllath

Es gehört zu den Eigentümlichkeiten der deutschen Mentalität, dass man seine wahren Befindlichkeiten lieber für sich behält. Man traut sich nicht zu sagen, welches Auto man fährt, wieviel man verdient, was man erreichen will, dass man die ganz große Karriere im Blick hat. Im Profifußball, der mit der Vielzahl seiner Sportwagen, Ed Hardy-Shirts, Frisurselbstverwirklichungen und Ganzarmtatoos eher zum Neureichengewerbe gezählt werden dürfte, sollte man annehmen, dass es anders läuft – mitnichten.

Luftschloss Meisterschaft

Da wird also Michael Zorc vor dem Hannover-Spiel gefragt, ob es an der Zeit sei, dass sich der BVB eine Wachablösung der Bayern zutraue, ob der Kampf um eine deutsche Nummer Eins im Klubfußball neu ausgefochten werden müsse, und was sagt der Sportdirektor der Dortmunder? "Das ist ganz weit weg". Und: Man wolle keine "Luftschlösser bauen". Und: Dass man von Spiel zu Spiel schauen müsse und solchen Käse, den man schon einhunderttausend Mal gehört hat. Und ganz sicher auch nicht mehr hören will. Nicht etwa Christian Streich oder Horst Heldt wurden zu ihren Titel-Ambitionen befragt, sondern der Tabellenerste?

Favoritenrolle für Michael Zorc unerheblich

Favoritenrolle für Michael Zorc unerheblichSID

Die Dortmunder haben da eine ganz eigene Taktik. Zorcs Ausführungen unterboten das Spiel seiner Mannschaft in Anspruch und Niveau so grundsätzlich, dass es wehtat derart wohlformulierter Inspirationslosigkeit zuhören zu müssen. Also nur mal zum Verständnis: Es ist also ein Luftschloss, wenn man sagt, wir wollen die Bayern um die deutsche Pole Position herausfordern, wo man doch sechs Punkte vor Ihnen liegt und den deutlich besseren Ball spielt?

Vereinsrekord? Wie unangenehm…

Als Lucien Favre nach dem Hannover-Spiel gefragt wurde, was es ihm denn bedeuten würde, dass sein BVB nach 19 Spielen mit 48 Punkten einen neuen Vereinsrekord aufgestellt habe, der selbst die letzte Meistersaison unter Wundermann Klopp 2010/11 toppt (damals: 47 Punkte), wusste Favre gar nichts darauf zu sagen. Er blies die Backen auf, wurde etwas verlegen, zögerte eine Weile, sprach dann davon, dass man von Spiel zu Spiel denken müsse, da war es also wieder und, ach ja, auch das noch: "Nicht viel!" Er halte davon also nicht viel.

Spätestens jetzt glaubt der LIGAstheniker auch wieder daran, dass die Bayern es noch packen werden. Man kann dem FCB mit seiner Mia San Mia-Denke je jede Menge Neurosen und Größenwahn unterstellen, zumindest sagen sie was Sache ist.

Davon ist der BVB meilenweit entfernt. Zwischen "Ich bin der Geilste" und "Ich trau mich nix" gibt es im deutschen Fußball also offenbar keine Zwischentöne. Psychologisch betrachtet ist die Frage ja auch: Wenn man sich nicht traut zu sagen, man möchte Deutscher Meister werden, kann man es dann überhaupt werden?

BVB-Coach Favre und Witsel

BVB-Coach Favre und WitselImago

So wird der BVB nicht Meister

Im Mannschaftssport, das weiß jeder, der selbst einmal Fuß-, Hand- oder Volleyball gespielt hat, geht es darum, die Gemeinschaft stark zu machen. Dass man an sich glaubt, als Einzelner wie in der Gruppe. Jürgen Klinsmann, ein Sonderling eigener Prägung, konnte das 2006. Wäre er nicht nur ein Motivator, sondern auch ein guter Trainer gewesen, wer weiß, was damals noch möglich gewesen wäre.

Man kann den übertrieben inszenierten fighting spirit aus den USA, den der Wahlamerikaner Klinsmann importierte, natürlich auch ein bisschen lächerlich finden. Aber diese bundesdeutsche Angsthasenschisserei eines aktuellen Tabellenführers der Bundesliga, der nach eigener Anschauung besten Liga der Welt, die ist eben oftmals auch: lachhaft, spießig und kleinbürgerlich.

Wer eine Deutsche Meisterschaft als Luftschloss empfindet, der wird auch kein Deutscher Meister. Da lege ich mich jetzt mal fest.

Zur Person Thilo Komma-Pöllath:

Der Sportjournalist und Buchautor ("Die Akte Hoeneß") beleuchtet in seinem wöchentlichen Blog "Der LIGAstheniker" das Geschehen in der Fußball-Bundesliga für Eurosport.de. Oft skeptisch, ironisch, kritisch - aber einer muss schließlich den Ball flach halten.

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