Getty Images

Der LIGAstheniker: Die Liga, die "Fans" und das Hopp-Plakat - United by Hilflosigkeit

Der LIGAstheniker: Die Liga, die "Fans" und das Hopp-Plakat - United by Hilflosigkeit

24/09/2018 um 11:41Aktualisiert 24/09/2018 um 12:34

Der LIGAstheniker blickt auf die Zwischenfälle auf der Tribüne beim Bundesliga-Spiel zwischen 1899 Hoffenheim und Borussia Dortmund. Dieses Mal wurde Dietmar Hopp auf Plakaten angegriffen. Schon vor einem Jahr gab es eine ähnliche Aktion Dortmunder "Fans" gegen RB Leipzig. Der LIGAstheniker wirft den Verantwortlichen bei DFB, DFL und den Bundesliga-Vereinen tatenloses Zusehen vor.

Der Videoschiedsrichter hat also mal wieder versagt, wie so oft in den letzten Monaten, aber deutlicher kann das Foul am Fußball nun wirklich nicht mehr sein. Es war das geschmackloseste, brutalste, das gefährlichste Foul des ganzen Wochenendes, ein Aufruf zum Mord, doch geahndet wurde es nicht, obwohl es alle gesehen haben.

    Selbst die "Bild" schrieb von einem "perversen Szenario", als die Spieler beider Teams sich vor dem Anpfiff des Spiels Hoffenheim-Dortmund hinter dem Plakat mit der Aufschrift "United by Football" versammelten, um in großer Einheit gegen Rassismus und Spaltung in der Gesellschaft Stellung zu beziehen.

    Die Einheit, die hier in sehr marketinggerechter Form, aber ohne jede innere Überzeugung zur Schau gestellt wurde, hielt auch nur ein paar Sekunden, dann rollte der BVB-Block ein Fadenkreuz-Plakat mit dem Konterfei von Dietmar Hopp aus, das wohl nahelegen sollte, dass Hopp zum Abschuss freigegeben wurde.

    "United by Football"! Über die einzig richtige Entscheidung – das Spiel gar nicht erst an zu pfeifen und die Begegnung automatisch mit, sagen wir, 3:0 für Hoffenheim zu werten – wurde gar nicht erst nachgedacht. Stattdessen hilfloses Gestammel der üblichen Verdächtigen und ein Plakat, das via Liveübertragung zur Werbekampagne für Rassisten, Hooligans und Kriminelle avancierte. Ein dunkelschwarzer Tag für die Bundesliga.

    Dietmar Hopp

    Dietmar HoppSID

    Die Liga und die viel zu vielen Idioten

    Der Fußball, sagen wir es deutlich, wird von derart vielen Idioten bevölkert, dass man von einem strukturellen Problem sprechen muss, was DFB und DFL natürlich nicht tun, weil es ja immer nur einige wenige sein sollen.

    Auch deshalb möchte der DFB in Zukunft auf Kollektivstrafen verzichten, etwa die Sperrung der Dortmunder Südtribüne für ein Spiel wie im letzten Jahr nach ganz ähnlichen Ausfällen gegen RB Leipzig (Der Claim damals: "Bullen schlachten").

    Sportdirektor Rangnick hatte man einen Strick gemalt. Der Verzicht auf Androhung von Kollektivstrafen, lässt jene Dortmunder Fangruppierungen offenbar in Sicherheit wiegen, ein viele Quadratmeter großes Plakat über die Köpfe von Dutzenden sogenannter Anhänger ausrollen zu können, ohne dass diese inhaltlich was dagegen haben, sich nicht wehren gegen so einen fürchterlichen Dummbatz und ohne dass sie fürchten müssen, dass die Gegenseite, also die Liga, noch irgendeine Sanktionsmöglichkeit aus dem Hut ziehen könnte die wirklich wehtut.

    Tipp: Strafanzeige gegen eigene Klientel

    Watzke und Zorc ritualisieren in solchen Fällen wie am Wochenende dann wieder ihre inhaltslosen Entschuldigungsgesten. Hilfloser als Sportdirektor Zorc kann man es gar nicht in Worte fassen: "Es ist schwierig, damit umzugehen, am besten natürlich im Dialog. Aber für das, was wir da gesehen haben, gibt es keine Entschuldigung."

    Richtig Herr Zorc, keine Entschuldigung. Und was Sie mit solchen Leuten reden wollen, ist mir nicht ganz klar. "Leute, ich kann euren Unmut ja verstehen, aber beim nächsten Mal bitte kein Fadenkreuz!"

    Hatten Sie an sowas gedacht? Stellen sie Strafanzeige gegen diesen Pöbel, den kein Mensch braucht, das wäre ein Statement. Alles andere ist Augenwischerei im Bengalozoo.

    Die Fans des VfB brannten gegen Frankfurt Bengalos ab

    Die Fans des VfB brannten gegen Frankfurt Bengalos abSID

    Und was machen DFB und DFL?

    "Hasta la vista, Bundesliga! So kann es nicht weitergehen. So darf, so kann Fußball nicht stattfinden", sagt Hoffenheims Anwalt Christoph Schickhardt. Und er hat natürlich völlig recht. Und was sagen DFB und DFL? Gab es irgendeine ernstzunehmende Stellungnahme von Seiten des Verbands und der Liga? Haben sie was gehört? Ja? Ich nicht!

    Wie es sein kann, dass solche XXL-Plakate, ähnlich wie Bengalo-Feuer, immer wieder in die Stadien gelangen? Hat man den Eindruck, dass die Liga dagegen mit aller Konsequenz vorgeht? Gegen die Indizien, dass die Securityteams an den Stadien mit diesen sogenannten Fans gemeinsame Sache machen, sich oft genug aus demselben Milieu rekrutieren, wird dagegen was unternommen?

    Dass es jetzt wieder Hopp traf, lag auch daran, weil Hopp zuvor gegen 32 BVB-Anhänger Anzeige erstattet hatte, nachdem er Ende letzter Saison wieder mit bigotten Schmähgesängen belegt wurde. Er wollte gar nicht, DFB und DFL hatten ihn dazu gedrängt.

    Aber das reicht nicht mehr! DFB und DFL müssen endlich mit offenem Visier klarmachen, dass solche Neandertaler beim Fußball nichts zu suchen haben und dass die, die tatsächlich noch am Fußball hängen, sich davon distanzieren müssen, wenn sie auch in Zukunft noch ins Stadion wollen.

    Im Grunde geht es der Bundesliga nicht anders als der Zivilgesellschaft als Ganzem nach den Mobvorfällen in Chemnitz: Wer sich von solchen Umtrieben nicht distanziert, macht alles kaputt.

    0
    0