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Der LIGAstheniker | Salihamidzic gegen Hamann: Bayerns nächster Feldzug gegen einen Kritiker

Der LIGAstheniker | Salihamidzic gegen Hamann: Brazzos ganz eigener Feldzug

12/02/2019 um 05:57Aktualisiert 12/02/2019 um 07:57

Der LIGAstheniker beleuchtet in seinem neuen Blog den Streit des FC Bayern München mit dem TV-Experten Dietmar Hamann. Besonders die Rolle von Hasan Salihamidzic ist ihm dabei nicht ganz klar. Führt der Sportdirektor einen persönlichen Feldzug gegen den Lewandowski-Kritiker oder setzt er tatsächlich die Vorgaben der alteingesessenen Bosse Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß um?

Ein Kommentar von Thilo Komma-Pöllath

Eigentlich war es ein Spieltag, der den Bayern so richtig hätte gefallen müssen. Sie selbst souverän und gegen Schalke stellenweise mit sehr gutem Spiel, die direkte Konkurrenz um Platz 1 (BVB, Gladbach) mit ziemlich peinlichen Patzern. So, als wollten sie selbst die Münchner zurück haben im Titelrennen. So wie das Wochenende gelaufen ist, muss man sagen, die Meisterschaft ist wieder offen.

Wer geglaubt hätte, die Bayern-Verantwortlichen würden den Augenblick stillschweigend und mit der Größe eines Rekordmeisters genießen, ob ihrer zurückgewonnen sportlichen Möglichkeiten, der irrte. Das haben die Bayern noch nie getan. Ob in Momenten bitterer Niederlagen ("Jetzt erst recht!") oder legendärer Siege ("MIA SAN MIA!") – zu jeder denkbaren Situation bricht sich bei den Münchnern die eigene Hybris bahn, die in einer irrwitzig neurotischen Verengung auf den totalen Erfolg aufsetzt.

Das macht sie einerseits tatsächlich so irre erfolgreich und anderseits zu einer Karikatur. An ihrem Sportdirektor Hasan Salihamidzic kann man das aktuell symptomatisch studieren.

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Brazzos ganz eigener Feldzug

Das 3:1 gegen Schalke war eigentlich Gesprächsstoff genug. Wie schon im Pokal gegen Hertha zeigten die Bayern, dass sie stellenweise immer noch den ausgereiftesten Stil spielen können hierzulande. (Von einer ausgereiften Spielweise ist Schalke übrigens so weit entfernt wie von der nächsten Umlaufbahn, aber das ist ein anderes Thema.)

Nicht mehr über 90 Minuten wie noch unter Pep Guardiola und Jupp Heynckes, aber für 45-60 Minuten immerhin. Das wird gegen Liverpool vielleicht nicht reichen, aber wer weiß das heute schon.

Man hätte sich also vorstellen können, dass der Sportdirektor des FC Bayern nach dem Spiel sein Team über den grünen Klee belobigt oder, wie das der Sportdirektor Sammer immer getan hat, den Finger in die Wunde legt, warum eigentlich nur eine Halbzeit lang alles gut war.

Hasan Salihamidzic und Karl-Heinz Rummenigge

Hasan Salihamidzic und Karl-Heinz RummeniggeGetty Images

Und was macht Hasan Salihamidzic? Er führt, offensichtlich ganz im Sinne seiner Bosse, seinerseits einen Feldzug gegen die Medien, gegen den Bezahlsender SKY, namentlich gegen den Ex-Bayern und heutigen TV-Experten Didi Hamann.

"Ahnungslos" sei dessen Kritik an Robert Lewandowski, Salihamidzic sprach von einer "Kampagne" und davon, dass Hamann für seinen Sender ein Problem sei.

Was macht die DFL?

Spätestens das war dann wirklich unter der Gürtellinie: einem Kritiker an den Job zu wollen, nur weil man dessen Meinung nicht teilt, ist in jedem Fall unsportlich und zeugt von einem kapitalen Missverständnis der Aufgaben kritischer Öffentlichkeit.

Wenn der Kollege Pit Gottschalk davon spricht, wieviel bayerische Meinungsdiktatur im Kleid des Bundesliga-Marketings von der DFL akzeptiert wird, dann ist genau das der wunde Punkt. Müsste DFL-Boss Seifert Salihamidzic jetzt nicht zur Räson rufen?

Vermutlich wird wieder nichts passieren. Im Gegenteil. Was heißt das eigentlich, was Brazzo da angedeutet hat: Hamann wird zum Problem für seinen Sender – woher will er das eigentlich wissen? SKY jedenfalls hat seinen Chefkritiker sendungsbewusst verteidigt.

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Sportdirektor ohne Profil

Brazzos Position ist auch deshalb so schwach, weil er bisher als Sportdirektor einen eher profillosen Eindruck hinterlassen hat. Als Niko Kovac vor der Winterpause in Frage stand, tauchte der Sportdirektor zeitweise ganz ab. Zur Zukunft des Kaders und der Ausgestaltung des Umbruchs hat er bis heute nichts Substantielles erklärt. Zur Jahreshauptversammlung hatte Bayern-Präsident Hoeneß von Salihamidzic mehr Profil und Außenwirkung gefordert.

Will sich da einer, der als Marionette von Uli und Kalle wahrgenommen wird, als neue "Abteilung Attacke" inszenieren, um seinen eigenen Job zu behalten? Nun kann man es menschlich enttäuschend finden, wenn man einen anderen aus dem Job drängen will, nur um seinen behalten zu können.

Wundern muss man sich spätestens seit jener denkwürdigen Pressekonferenz im Oktober letzten Jahres nicht mehr, als Hoeneß und Rummenigge Artikel 1 des Grundgesetzes zitierten und ihren Kritikern drohten, juristisch gegen sie vorzugehen. Sollte der FC Bayern gegen seinem langjährigen Profi und immerhin zweifachen Deutschen Meister im Bayern-Trikot, Didi Hamann, mit dem Anwalt kommen (wegen was eigentlich? Rufschädigung?), spätestens dann müsste eigentlich auch die DFL genug haben von dieser Meinungsdiktatur des FC Bayern.

Zur Person Thilo Komma-Pöllath:

Der Sportjournalist und Buchautor ("Die Akte Hoeneß") beleuchtet in seinem wöchentlichen Blog "Der LIGAstheniker" das Geschehen in der Fußball-Bundesliga für Eurosport.de. Oft skeptisch, ironisch, kritisch - aber einer muss schließlich den Ball flach halten.

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