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Fader Nachgeschmack trotz Tabellenführung: BVB sendet alarmierendes Signal

Fader Nachgeschmack trotz Tabellenführung: BVB sendet alarmierendes Signal

14/04/2019 um 00:17

Borussia Dortmund hat sich am 29. Spieltag knapp mit 2:1 (2:0) gegen den 1. FSV Mainz 05 durchgesetzt. Auch wenn der BVB damit zwischenzeitlich am FC Bayern vorbeizieht und den FCB unter Druck setzt, bekleckerte sich die Elf von Lucien Favre nicht mit Ruhm. Ganz im Gegenteil: Die Leistung der zweiten Halbzeit ist ein alarmierendes Signal im Meisterschaftsrennen. Drei Dinge, die uns auffielen.

1.) Götze dirigiert wie in alten Zeiten

Schwarz und weiß. Himmel und Hölle. Ying und Yang - oder eben: die erste und die zweite Halbzeit im Bundesliga-Duell zwischen Borussia Dortmund und dem FSV Mainz 05. Selten sahen die Fans im Signal-Iduna-Park zwei so unterschiedliche Leistungen ihres BVB wie an diesem Samstagabend.

Die Schwarz-Gelben ließen sich keine Altlasten anmerken, überrumpelten die Gäste aus Mainz mit flottem Kombinationsspiel und gingen folgerichtig in der 17. Minute durch Jadon Sancho in Führung, die der 19-Jährige in der 24. Minute sogar ausbaute.

Besonders Mario Götze, den Lucien Favre gegen die Münchner noch bis zur 62. Minute auf der Bank schmoren gelassen hatte, zeigte sich ab der ersten Minute in Top-Form und dirigierte die Angriffe des BVB im Minutentakt.

Zwar prangte Sanchos Name gleich doppelt auf der Anzeigentafel, doch war es der von Favre als falsche Neun aufgebotene Götze, der gleich beide Tore als Initiator einleitete.

Mario Götze (r.) wird von seinen Mitspielern gefeiert

Mario Götze (r.) wird von seinen Mitspielern gefeiertGetty Images

Besonders die Vorarbeit des Stürmers zum 1:0 war an technischer Grazie fast nicht zu überbieten. Einen langen Ball von Marius Wolf ließ Götze nach einem Stellungsfehler von Moussa Niakhaté nur leicht von der Brust abtropfen. Ein Blick, eine passgenaue Flanke - ein Assist, der das Prädikat "weltklasse" durchaus verdient hat.

Auch nach hinten arbeitete die Nummer zehn des BVB wie selten in dieser Saison. Man konnte fast meinen, Götze wollte seinem Coach einen kleinen Denkzettel für die vergangene Woche verpassen.

2.) BVB sendet alarmierendes Signal

Die starke Leistung Götzes und der gesamten BVB-Elf in der ersten Halbzeit war an diesem 29. Spieltag jedoch nur eine Seite der Medaille. Was Dortmund in der zweiten Hälfte ablieferte, ähnelte dann doch wieder der Borussia vom vergangenen Samstag.

"Mainz war tot, wir hatten Selbstvertrauen. Für mich ist das unerklärlich", zeigte sich Kapitän Marco Reus nach der Partie am "Sky"-Mikrofon ratlos:

"Die zweite Halbzeit war einfach schlecht. Wir haben uns nicht mehr bewegt. Keine Ahnung, warum wir keinen Fußball mehr gespielt haben."

Die Ausführungen des 29-Jährigen treffen es auf den Punkt. Wie vom Blitz getroffen ließen sich die Dortmunder plötzlich in die eigene Hälfte zurückfallen, setzten nur noch wenige Akzente nach vorne und ließen den Mainzern fast so viel Platz, wie die Gäste den Borussen im ersten Durchgang gewährt hatten.

Zugegeben: Der FSV zeigte sich kreativ. Coach Sandro Schwarz schickte sein Team im zweiten Abschnitt nicht wie in Halbzeit eins im 5-3-2 aufs Feld, sondern in einem kompakteren 4-4-2 mit Raute. Dass dieser Taktik-Kniff jedoch der einzige Grund für den Zusammenbruch des BVB gewesen sein soll, greift zu kurz.

Marco Reus war mit der zweiten Halbzeit des BVB überhaupt nicht einverstanden

Marco Reus war mit der zweiten Halbzeit des BVB überhaupt nicht einverstandenGetty Images

Auch wenn Reus es nach der Partie nicht wahr haben wollte. Die Borussen wirkten ausgelaugt. Sowohl körperlich als geistig. Erneut fiel auf, dass besonders den jungen Spielern die lange Saison mittlerweile zusetzt.

"Nach dem 2:1 hatten wir Angst, dass es noch schief geht und haben nur noch verteidigt. Das ist noch nett ausgedrückt. Wir sind nur noch hinterhergelaufen", fasste Keeper Roman Bürki die Leistung seiner Vorderleute zusammen.

Ein alarmierendes Signal im Meisterschaftskampf, in dem es in den kommenden Wochen besonders auf Nervenstärke ankommen wird.

3.) "Retter" Bürki mit Sprechchören gefeiert

Dass der BVB nicht den Ausgleich oder gar Schlimmeres hinnehmen musste, hatten die Schwarz-Gelben an diesem Abend einzig und allein Bürki zu verdanken.

Der Schweizer hielt mit mehreren Glanztaten die drei Punkte für sein Team fest und stellte mit neun Paraden eine neue persönliche Bestleistung in der laufenden Bundesliga-Saison auf.

Zweimal rettete Bürki gegen Karim Onisiwo zwar auch der Pfosten (43./63.), doch meist waren es die grandiosen Reflexe des 28-Jährigen, die den Gästen aus Mainz den Nerv raubten.

Seine irre Paraden-Serie in der 87. Minute gegen den eingewechselten Anthony Ujah, bei der Bürki gleich dreimal glänzend reagierte und in letzter Not den letzten Nachschuss des Stürmers auf der Linie unter sich begrub, darf getrost als Szene des Spiels bezeichnet werden.

"Es ist schön, wenn man sich als Torwart auszeichnen kann und dem Team so hilft, das Spiel zu gewinnen", lächelte er nach Abpfiff ins "Sky"-Mikrofon.

Auch wenn Bürki sich danach gewohnt kritisch zeigte, konnte der Schweizer, der dem BVB in der Vergangenheit mit seinen Schnitzern auch schon den ein oder anderen Punkt gekostet hatte, die persönliche Genugtuung nicht ganz verstecken. Zurecht!

Video - Favres ruhige Art in der Kritik: "Ein Grund, warum er nicht Bayern-Trainer ist"

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