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Eurosport-Experte Matthias Sammer vor BVB-Bayern: "Die hätten die Säbener Straße abgerissen"

Mit Video | Sammer zu BVB-Bayern: "Die hätten die Säbener Straße abgerissen"

09/11/2018 um 14:37Aktualisiert 09/11/2018 um 15:14

Eurosport-Experte Matthias Sammer überrascht vor dem Bundesliga-Klassiker zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern München mit der Feststellung, dass der "BVB auf keinen Fall besser als die Bayern" spiele. "Das ist eine Mär", denn auch beim Tabellenführer sei leistungsmäßig noch "ein Puffer da". Dem FC Bayern wiederum fehlt laut Sammer "im Moment ein wenig Inspiration und Leichtigkeit".

Video - bwin Sammer Time - der Vodcast #9: "BVB spielt nicht besser als Bayern"

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"Die Nation hebt die Borussia in ein unrealistisches Licht", unterstreicht Sammer, der beim BVB bereits als Spieler sowie Trainer aktiv war und in dieser Saison als Berater fungiert. Man dürfe nicht vergessen, "dass der Verein in der vergangenen Saison nur aufgrund des Torverhältnisses die Qualifikation für die Champions League geschafft hat", so der 51-Jährige. Und:

"Wenn der FC Bayern solche Spiele abgeliefert hätte wie zwischendurch Dortmund, dann hätten sie die Säbener Straße abgerissen."

Daher sei es bei der Bewertung notwendig, zu unterscheiden, wo der jeweilige Klub herkomme und hinwolle. "Letztlich ist auch beim BVB noch ein Puffer nach oben", betont Sammer.

Video - Sammer: Bayern-Coach ein leichter Job? Von wegen!

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Die Schlagzeilen, die derweil die Bayern zuletzt mit ihrer denkwürdigen Pressekonferenz, dem Instagram-Post von Thomas Müllers Frau oder dem missglückten Karnevalskostüm von Rafinha gemacht haben, sieht Sammer gelassen.

"Mancher Klub würde sich die Unruhe der Bayern wünschen, wenn er diese Ergebnisse erzielen würde. Ich weiß nicht, inwieweit das eine oder andere Thema auch zur strategischen Ausrichtung des Vereins gehörte."

Die Arbeit von Bayern-Trainer Niko Kovac bewertet Sammer positiv. "Er kämpft für diesen Verein, das nötigt mir den größten Respekt ab. Niko steht natürlich ein wenig allein da, aber das ist einfach so. Die Trainerposition bei Bayern ist mitunter eine einsame Angelegenheit."

Video - Sammer: "Die Nation hebt Dortmund in ein unrealistisches Licht"

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"Ribéry und Robben bis heute Vorbilder"

Es herrsche generell die Meinung vor, dass es einfach sei, den FC Bayern mit all seinen Weltklassespielern zu trainieren. "Jetzt sieht man, wie schwer das sein kann. Natürlich sind junge Spieler wie Goretzka, Gnabry oder Kimmich dazugekommen, aber es bleibt eine erfahrene Mannschaft, die viel erlebt hat. Möglicherweise gehen dann auf dem Weg ein, zwei Prozentpunkte verloren."

Die aktuelle Situation sehe er als "Reifeprüfung" für Kovac. "Die wird er bestehen und gestärkt daraus hervorgehen. Davon bin ich überzeugt", erklärt Sammer. "Bayern ist eine harte Schule. Die wahre Kunst ist es, während einer Saison Schwankungen stabil auszuhalten."

Video - Sammer glaubt an Kovac: "Es ist eine Reifeprüfung"

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Knifflig sei allerdings die Frage, ob der Trainer mehr auf die arrivierten Stars oder die jungen Talente setzen soll. "Ribéry und Robben sind bis heute Vorbilder, das Leistungspotenzial ist noch immer gegeben. Aber das Verhältnis zu finden, inwieweit man auch den jungen Spielern Platz gibt, ist schwer. Das ist ein Prozess, der nicht geräuschlos von statten geht und der Zeit braucht."

Großes Lob für Reus

Eine Gratwanderung, die Lucien Favre in Dortmund derzeit mit Bravur meistert. Der Schweizer baut Youngster wie Jadon Sancho dosiert, aber effektiv in die Mannschaft ein - und hat mit der Ernennung von Marco Reus zum Kapitän einen cleveren Schachzug unternommen.

"Reus ist ein Gesicht des BVB. Der Klub ist für diese Stadt mehr als das normale Leben. Marco ist quasi das lebende Beispiel für die Menschen und ein Grund, sich mit diesem Klub zu identifizieren. Er ist in seiner Rolle als Kapitän und Identifikationsfigur gereift."

Video - Sammer: "Reus als Kapitän und Identifikationsfigur gereift"

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Seinen eigenen Anteil am Höhenflug der Borussen schätzt Sammer derweil zurückhaltend ein.

"Meine Rolle ist es, von außen zu beobachten. Es ist eine untergeordnete Rolle."

Nichtsdestotrotz scheint es dem BVB gut zu tun, seinen Champions-League-Sieger von 1997 an Bord zu haben...

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