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Kovac in der Robbery-Falle: Herz oder Verstand?

Kovac in der Robbery-Falle: Herz oder Verstand?

16/05/2019 um 15:51Aktualisiert 17/05/2019 um 22:19

Franck Ribéry und Arjen Robben laufen gegen Eintracht Frankfurt das unweigerlich letzte Mal für den FC Bayern München in der Allianz Arena auf - sofern sie dürfen. Trainer Niko Kovac befindet sich vor dem Meister-Showdown in einer verzwickten Situation, vor allem deshalb, weil Robben sanft auf einen Startelf-Einsatz drängt. Rücksicht auf den Ausstand der Legenden kann Kovac aber nicht nehmen.

Franck Ribéry hat noch Oliver Kahn als Teamkollegen erlebt und Arjen Robben immerhin Edson Braafheid, die beiden Denkmalgeschützten spielen so lange beim FC Bayern, dass sich die Prä-Robbery-Epoche schon nach Steinzeit anhört.

Eines haben selbst Ribéry und Robben nie erlebt: Dass ein 34. Bundesliga-Spieltag mehr bereithält als Schaulaufen des Meisters.

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Ribéry (36) und Robben (35) verlassen den FC Bayern, aber der FC Bayern kann sich nicht auf Ribéry und Robben verlassen. In etwa so bildet sich die Gemengelage heraus. Lösen muss den Knoten, wie üblich: Niko Kovac.

FC Bayern: Robben fiebert Einsatz entgegen

"Ich habe es schon erlebt, als ich mein letztes Spiel mit der Nationalmannschaft hatte", erzählte der ausstandserprobte Robben unter der Woche.

"Da hast du so viel Adrenalin, so ein gutes Gefühl und willst es nochmal allen zeigen. Jetzt ist es genauso. Wenn ich darüber spreche, bekomme ich Gänsehaut. Samstag, 70.000 Leute, die Allianz Arena ist voll, nach zehn Jahren bei mir und zwölf von Franck... Wir beide von Anfang an und dann Meister werden - das wäre mein Tipp."

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Es war keine Forderung, aber mehr als ein subtil geäußerter Wunsch; Robben will's wissen, ein letztes, wirklich allerletztes Mal vor den eigenen Fans. Wie würdig wäre bitteschön die Fügung, beim Epilog stilprägend tätig zu werden!?

Kovac äußert sich vielsagend zu Robben

Damit könnte er beim diplomatischen Dienst anfangen, deshalb: Nachfrage. Was ist denn nun mit den Startelf-Chancen von Ribéry und Robben?

"Sie haben sehr viel für diesen Klub geleistet, aber wir haben jetzt ein Endspiel. Ich werde nicht sagen, wer spielt und wer nicht spielt", betonte der Coach. Die Robben-Töne "nehme ich wahr", ergänzte Kovac und sagte schlau:

"Man hat die Seite Trainer und die Seite Mensch - das ist nicht immer kompatibel genug. "

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Heißt zwischen den Zeilen: Kovac beugt sich weder dem sanften Druck Robbens noch jenem der Anhängerschaft, die es ganz reizend fände, ihren Franck und ihren Arjen möglichst lange auf dem Platz zu sehen.

Emotionen sind ein schlechter Ratgeber. Ribéry hat 2019 kein einziges Spiel über 90 Minuten gemacht, Robben feierte Anfang des Monats sein Comeback nach fünfmonatiger Pause, die Bilanz: vier Minuten gegen Hannover, eine in Leipzig.

Ribéry und Robben mit der kitschigen Pointe?

Kingsley Coman (linke Seite) und Serge Gnabry (rechts) sind die klaren Favoriten für Samstag. Weil alles andere die Meister-Mission gefährden würde, zumindest in der Theorie.

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Über Einsätze von Ribéry und/oder Robben wird Kovac situativ entscheiden, aber eigentlich ist die Sache klar. Führt Bayern, können die Legenden beruhigt auf aktive Abschiedstournee entsandt werden. Braucht's ein Tor, müssen Ribéry und Robben einen Geistesblitz liefern, was im Erfolgsfall natürlich die kitschigste aller Pointen wäre.

"Jedes Wort, das man über die beiden verliert, wird zu schwach sein. Man kann in Superlativen reden", sagte Kovac.

"Was diese Jungs sportlich geleistet haben, ist einzigartig. Schade, dass sie gehen. Ich hätte sie gerne mit 25 gehabt - so hatte ich sie mit 35."

Sein letztes Länderspiel krönte Robben im Herbst 2017 übrigens mit einem Doppelpack zum 2:0 gegen Schweden. In der Bundesliga steht er bei 98 Treffern...

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