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Kovac-Nachfolger? Es kann nur einen geben

Kovac-Nachfolger? Es kann nur einen geben

14/05/2019 um 11:48Aktualisiert 14/05/2019 um 19:32

Vor dem Bundesliga-Saisonfinale des FC Bayern München gegen Eintracht Frankfurt ist die Zukunft von Trainer Niko Kovac fraglicher denn je. Trotz der Chance auf das Double wird dem Kroaten offenbar nicht zugetraut, der Mannschaft langfristig einen attraktiven Stil zu verpassen. Ist das tatsächlich das Einstellungskriterium für den Neuen, kann dieser eigentlich nur einen Namen tragen.

Sie wissen, was sie an ihm haben. Tausende Ajax-Fans jubelten ihm euphorisch zu, als Erik ten Hag außerhalb des Stadions vor sie trat. Vier Tage nach dem bitteren Aus im Halbfinale der Champions League war die Welt des niederländischen Rekordmeisters aus Amsterdam wieder halbwegs in Ordnung.

Durch ein 4:1 gegen den FC Utrecht steht Ajax so gut wie sicher vor dem Gewinn der Meisterschaft, da Verfolger PSV Eindhoven beim 0:1 (0:0) bei AZ Alkmaar patzte

Am Mittwoch kann sich die Mannschaft im Auswärtsspiel bei De Graafschap den 34. Meistertitel der Vereinsgeschichte sichern. Den Pokal haben sie bereits in der Tasche.

Ajax hat das, was Bayern fehlt

Ajax verkörpert in dieser Saison das, was dem FC Bayern ein Stück weit abgeht. Und allein das sollte die Verantwortlichen längst auf Trainer ten Hag aufmerksam gemacht haben. Bislang wurde der 49-Jährige, der von 2013 bis 2015 die zweite Mannschaft der Münchner betreute, nur lose gehandelt. Doch möglicherweise wird das Werben bald konkret.

Ten Hag bezeichnete Rummenigge unlängst als "netten Kerl. Er hat uns damals ja nicht verlassen, weil wir ihn rausgeschmissen haben. Er hatte nach zwei Jahren in der 4. Liga das Angebot, in die Profiliga zurückzugehen - und das wollte er unbedingt wahrnehmen. Das hat er Matthias (Sammer, Anm. d. Red. - damals Sportvorstand) dann mitgeteilt und um Freigabe gebeten."

Ajax berauscht den Bayern-Boss

Der Bayern-Boss bekannte zudem, dass Ajax unter ten Hag "herzerfrischenden Fußball" spiele. "Ich freue mich für Erik", so Rummenigge.

Auch er sehnt sich sicher nach dem innovativen Fußball unter Pep Guardiola zurück. Der Maestro selbst wird wohl kaum von einer Rückkehr an die Isar zu überzeugen sein, ten Hag wäre immerhin eine gelungene Kopie des Katalanen.

Und im Vergleich zu den Kandidaten, die ebenfalls dauernd mit Bayern in Verbindung gebracht werden - Julen Lopetegui (spricht kein Deutsch), Mark van Bommel (mit Potenzial, aber noch zu grün), Xabi Alonso (Trainer-Neuling), José Mourinho (ist wahrscheinlich selbst nicht interessiert) - ist ten Hag an Position eins.

Ten Hag setzt auf Offensivfußball

Dessen Philosophie, die im Prinzip aus altbekannten niederländischen Grundsätzen besteht, ist nämlich durchaus auch geprägt von modernen Ideen à la Pep mit einem Schuss Matthias Sammer.

Grundsätzlich setzt ten Hag wie Michels, Cruyff oder später Louis van Gaal auf Offensivfußball, der begeistert. Allerdings nicht blindlings. Er lässt nach vorne verteidigen, Ballbesitz ist bei ihm nicht Selbstzweck, sondern ein Mittel, um dem Gegner wehzutun.

Diesen Ansatz verfolgte er bereits als Co-Trainer in Eindhoven unter Fred Rutten (2009 bis 2012) und machte Sammer auf sich aufmerksam. Der damalige Sportdirektor hätte ihn gerne als U21-Coach zum DFB geholt, scheiterte aber am Veto von Bundestrainer Joachim Löw.

Sammer fällt Experten-Urteil

Als Sammer später Sportvorstand in München wurde, lotste er ten Hag eben als Coach der Reserve zum Rekordmeister.

"Ten Hag hat sich sukzessive entwickelt", sagte Sammer im April bei Eurosport:

"Es gibt in der Trainerausbildung nicht den einen Weg. Aber wenn ich Erik sehe, gibt es den theoretischen Weg, den ich als das Optimale bezeichnen würde."

Ten Hags Vorzüge laut Sammer:

"Die Fußballerfahrung über die er verfügt, gibt ihm das Gefühl, zu riechen. Wie ist es in der Kabine? Was bedeutet es in einer Mannschaft zu sein? Welche Mechanismen muss ich beachten?"

Aufgrund seiner klaren Linie und Denkweise ist ten Hag für Sammer "ein moderner Trainer". Schon im Herbst orakelte der Eurosport-Experte: "Wenn er Zeit bekommt, wird er alle belohnen." Mit Ajax hätte er nun beinahe das Triple geholt.

Ten Hag bezeichnet FC Bayern als "meinen Verein"

Ten Hag selbst sagt über die Zeit unter Guardiola: "Ich habe damals fast jedes Training angeschaut, da habe ich methodisch viel mitgenommen". Wegen Guardiola und Sammer sei die Zeit in München "wie ein Sechser im Lotto" gewesen.

Auf die Frage, ob er die Bayern noch regelmäßig verfolge, antwortete er:

"Jedes Wochenende. Bayern ist mein Verein geworden."

Zeitpunkt wäre ideal

Der Zeitpunkt für einen Wechsel zum FC Bayern wäre im Sommer zudem günstig, denn das Ajax, das ten Hag gebaut hat, bricht auseinander.

Frenkie de Jong geht zum FC Barcelona, auch die zu Stars avancierten Matthijs de Ligt und Hakim Ziyech stehen vor dem Absprung. Gleiches gilt für David Neres und Dusan Tadic.

Ein Umstand, der den Trainer durchaus schmerzt. "Wenn wir diese Mannschaft zwei Jahre behalten könnten, vielleicht mit zwei neuen Spielern, wären wir immer ein Kandidat für das Halbfinale in der Champions League. Glaube ich", sagte er, "aber hören wir auf damit: Es ist sinnlos. All diese Gedanken helfen nichts. Ich kann die Welt nicht ändern."

Zumindest nicht bei Ajax.

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