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FC Bayern spielt die zweitbeste Rückrunde seiner Geschichte - und keiner merkt's

FC Bayern spielt die zweitbeste Rückrunde seiner Geschichte - und keiner merkt's

21/04/2019 um 16:09Aktualisiert 21/04/2019 um 22:56

Der FC Bayern München spielt bis dato die zweitbeste Rückrunde der Vereinsgeschichte. Wahrhaben möchte das im Umfeld des Vereins aber niemand so richtig. In der Kritik steht Trainer Niko Kovac dennoch, vor allem aufgrund seiner Spielweise. Die Partie gegen den SV Werder Bremen ist das beste Beispiel dafür, dass beim FC Bayern Sieg nicht gleich Sieg ist.

Abgemüht sahen die Spieler des FC Bayern aus, als sie nach dem Spiel gegen den SV Werder Bremen aus der Allianz Arena schlurften. Abgemüht, aber vor allem erleichtert - über den mühevollen Sieg gegen Werder.

Das Abwehrbollwerk der Hanseaten hatte ihnen zu schaffen gemacht. Die drei Punkte blieben aber in München. Ein "dreckiges Tor" von Niklas Süle machte es möglich, wie er seinen Treffer selbst beschrieb. Wirklich zufrieden wirkte auch er nicht. Dabei hätte der FC Bayern in diesen Tagen mehr als einen Grund zum Jubeln.

Bayerns beste Rückrunde seit der Triple-Saison

Während die starke Bremer Serie von zwölf ungeschlagenen Spielen riss, ist der Rekordmeister weiter klar auf Kurs. Denn der FC Bayern spielt seine bis dato zweitbeste Bundesliga-Rückrunde in der Vereinsgeschichte mit elf Siegen, einem Unentschieden und nur einer Niederlage. 34 Punkte aus 13 Spielen.

Lediglich in der Triple-Saison 2012/13 gelang der Mannschaft von Jupp Heynckes eine bessere Bilanz (16 Siege, ein Unentschieden). Wahrnehmen will das momentan aber keiner so wirklich. Trainer Niko Kovac steht seit Monaten unverändert in der Kritik.

Nach der Krise des FC Bayern im Oktober 2018 könnte die Bilanz des ehemaligen Frankfurter Coaches aber kaum besser sein. Entgegen aller Erwartungen holten die Bayern einen Neun-Punkte-Rückstand auf den BVB auf. Nicht einmal alle Spieler glaubten an eine erfolgreiche Aufholjagd. Serge Gnabry sagte Anfang April im Interview mit "bundesliga.de":

"Viele haben uns das nicht mehr zugetraut, ich habe selbst auch gezweifelt, um ehrlich zu sein."

Defensive Ausrichtung von Kovac löst Kritik aus

Kovac steht dennoch unter ständiger Beobachtung. Woche für Woche erklärt er sich, seine Taktik, seine Entscheidungen. Sieg ist eben nicht gleich Sieg. Erst recht nicht beim FC Bayern.

Der Grund für die Skepsis vieler gegenüber Kovac ist dessen defensive Spielweise. Robert Lewandowski sagte etwa nach dem Rückspiel gegen Liverpool: "In beiden Spielen haben wir zu defensiv gespielt. Ich finde, wir standen zu tief. Wir wollten nicht zu viel riskieren."

Das Spiel gegen Werder Bremen ist der beste Beweis dafür. Die Münchner agierten in der ersten Halbzeit offensiv harmlos, entfalteten sich erst in den zweiten 45 Minuten - und brachten den Ball letztlich durch den Schuss eines Verteidigers in den Maschen unter. Die Null aber stand.

Niklas Süle erzielt das Siegtor gegen Werder Bremen

Niklas Süle erzielt das Siegtor gegen Werder BremenGetty Images

Die Spiele gegen Hertha BSC (1:0) und den FC Augsburg (3:2) verliefen ähnlich. Ein knapper Sieg, drei Punkte gerettet. Mit Jubelfußball, wie er beim FC Bayern gern gesehen wird, hat das nicht viel gemein. Da wird schnell nach dem Fehler im System gesucht.

Knappe Siege kritisiert, Schützenfeste wahrgenommen

Das Ausscheiden gegen den FC Liverpool im Achtelfinale der Champions League oder das knappe 5:4 im Pokal-Viertelfinale gegen den Zweitligisten 1. FC Heidenheim geben den Kritikern recht. Titelreif sei das eben (noch) nicht. Einige Bayern-Fans wünschen sich sogar Niederlagen - damit Kovac am Saisonende gehen muss.

Der nüchterne Blick auf das Gesamtbild wird da gern ignoriert. Und zu diesem Gesamtbild gehören eben auch Kantersiege wie die beiden 6:0-Erfolge gegen den VfL Wolfsburg und den 1. FSV Mainz 05 in der Bundesliga sowie die 5:0-Machtdemonstration gegen den BVB.

Zu diesem Gesamtbild gehört ebenfalls, dass der FC Liverpool, an dem der FC Bayern scheiterte, Titelanwärter in der Premier League ist und im Halbfinale der Champions League steht.

Zufrieden sollten die Spieler bei aller Erleichterung sein dürfen. Die Meisterschaft haben sie in der eigenen Hand, auch das Double können sie noch perfekt machen. Spätestens dann gibt es genug Gründe zum Jubeln.

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