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Trauriger Ribéry nimmt Abschied: "Plötzlich bist du 36! Was ist passiert?"

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Franck Ribéry

Fotocredit: Getty Images

VonTobias Hlusiak
07/05/2019 Am 16:20 | Update 07/05/2019 Am 18:46
@THlus

Franck Ribéry lässt zwei Wochen vor seinem letzten Spiel für den FC Bayern München auf einer eigens für ihn einberufenen Pressekonferenz die Zeit bei seinem Herzensklub Revue passieren. Dabei kramt der Franzose ungewohnt tief in seiner Gefühlswelt. Was nun kommt, ist unklar. Nur eins steht für den Franzosen fest: Deutschland, München und auch der FC Bayern werden immer seine Heimat bleiben.

Franck Ribéry ist per se nicht unbedingt ein Mann großer Worte.

Als er nun knapp zwei Wochen vor seinem definitiv letzten Spiel für den FC Bayern auf einer eigens für ihn einberufenen Pressekonferenz öffentlich den eigenen Abschied einleitete, da fiel ihm das Reden besonders schwer.

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"König Franck" - wie ihn die Bayern-Fans nennen - wirkte angefasst. Kein Wunder: Für den Franzosen endet ein Lebensabschnitt. Zwölf Jahre war er beim Rekordmeister. Anfangs ein Filou, dann Leistungsträger, zwischendrin mal Problemkind, am Ende eine Legende.

Ob er im Rückblick etwas anders machen würde, wurde er gefragt. Da holte Ribéry kurz Luft und meinte:

Viele Spieler haben mir gesagt, ich solle die Zeit genießen. Die Zeit gehe so schnell vorbei. Als 23-Jähriger denkst du: Was soll das, ich bin jung! Jetzt bin ich 36. Was ist nur passiert?

Viel ist passiert. Viel Gutes, auch weniger Gutes. Nun neigt sich die Ära Ribéry dem Ende. Und Franck - so macht es den Eindruck - begreift langsam, was das bedeutet.

Ribéry: Gespräch mit Hoeneß besiegelt das Ende

Ribéry hat bei Bayern mehr gefunden als einen Fußballklub. Er, der früh in seiner Karriere nirgendwo richtig anzukommen schien und häufig aneckte, kam beim bayerischen Weltklub zur Ruhe. Auch weil "Ziehvater" Uli Hoeneß ihm half, wo er nur konnte.

Mit dem FCB-Präsidenten und Karl-Heinz Rummenigge führte Ribéry vor einigen Tagen auch das Gespräch, das seine aktive Bayern-Zeit im Sommer schlussendlich beendete. Emotional, aber auch lustig sei das gewesen, sagt Ribéry. Es fällt nicht schwer, sich vorzustellen, dass die ein oder andere Träne geflossen ist.

Zwei, die sich mögen: Franck Ribéry und Uli Hoeneß beim FC Bayern

Fotocredit: Eurosport

"Ich habe immer ein gutes Verhältnis zu den beiden gehabt. Viel Respekt. Wir haben viel zusammen gewonnen", schwärmt der Franzose. Und weiter:

Sie werden nicht vergessen, was ich für den Klub gemacht habe, aber ich werde auch nicht vergessen, was die Leute hier für mich getan haben.

Ribéry: Private Fehltritte und sportliche Höchstleistungen

Aus so mancher Krise wäre er ohne seinen Mia-san-mia-Rückhalt wohl nur schwerlich herausgekommen. "2010 war das schlimmste Jahr meines Lebens", sagte Ribéry einmal.

Damals stand er wegen eines "Spieleraufstands" bei der französischen Nationalmannschaft schwer in der Kritik und privat nach der "Lolita-Affäre" im Kreuzfeuer. "Da hat außer dem FC Bayern niemand zu mir gehalten", sagte der Bayern-Star noch Jahre später. Aus Dankbarkeit verlängerte er am Ende seines persönlichen Horrorjahres für "fünf Jahre mehr".

Auch als er 2012 seinem Kollegen Arjen Robben oder 2018 einem Journalisten ins Gesicht schlug, stand ihm der Verein zur Seite. Genau wie Jahre später, als Ribéry im Urlaub ein etwas seltsam gefärbtes Stück Fleisch verspeiste. Die Fans hatten ihn da längst unwiderruflich in ihr Herz geschlossen. Ribéry weiß:

Ich hatte einige Momente, die nicht gut waren. Meine Beziehung zu den Fans ist trotzdem unglaublich. Wir haben viel zusammen durchgemacht. Sie waren immer für mich da. Das vergesse ich ihnen nie.

Ribéry: "2013 war eines der schönsten Jahre"

Trotz einiger Eskapaden, das Vermächtnis des Franck Ribéry in München ist ein äußerst positives. Er kam als Teil eines für damalige Verhältnisse unvorstellbar großen finanziellen Ausrufezeichens. Gemeinsam mit Luca Toni und Miroslav Klose war Ribéry auch ein Versprechen für die Zukunft.

Er löste es vollumfänglich ein, prägte die für Rummenigge "erfolgreichste Zeit der Bayern-Vereinsgeschichte". Acht Meisterschaften, fünf Pokalsiege, einmal Klubweltmeister. Und dann war da ja noch diese Nacht in Wembley.

"Ich habe viel gekämpft und viel gewonnen mit dem FC Bayern. Es war eine tolle Zeit", blickt der 85-fache Bundesliga-Torschütze zurück.

2013 war natürlich eines der schönsten Jahre. Was wir da geschafft haben, war Wahnsinn, super, ein Traum.

Der Champions-League-Sieg gegen Borussia Dortmund ein Jahr nach dem desaströsen "Finale dahoam", er wird Ribérys größter sportlicher Erfolg bleiben. Damals war er auf der Höhe seines Könnens, wurde Europas Fußballer des Jahres - ein Meilenstein.

Franck Ribéry mit dem Champions-League-Pokal (2013)

Fotocredit: Getty Images

FC Bayern: Ribéry lobt Heynckes

Großen Anteil daran hatte Jupp Heynckes, der Ribéry forderte und förderte. Spricht er über den Trainer, gerät der Franzose ins Schwärmen. Er, so sagt Ribéry, sei sein bester Coach gewesen.

Ich habe viele gute Trainer kennenlernen dürfen. Der wichtigste für mich war Jupp Heynckes. Auch Ottmar Hitzfeld, der mein erster Trainer hier war. Aber besonders Heynckes. Was wir hier alles mit ihm erreicht haben, das waren Jahre auf Top-Niveau.

Legendär: Franck Ribéry "entführt" bei seiner ersten Meisterfeier 2008 die Schale

Fotocredit: Imago

Wie es nach dem Bayern-Abschied weitergeht, wird sich zeigen. Er werde "vielleicht noch ein, zwei Jahre" spielen. Wo? Da habe er "noch keine Ahnung", aber eben auch ein paar Optionen. "Es geht nicht nur um mich. Ich muss dorthin gehen, wo meine Kinder ein gutes Gefühl haben. Meine Familie und ich, wir sind eine Gruppe. Und wir sind viele", grinst der fünffache Vater.

Ribérys älteste Tochter ist 13 Jahre alt, sie kennt nur München und die deutsche Mentalität. Auch deswegen werde er nach dem Karriereende "zu 100 Prozent" in die bayerische Landeshauptstadt zurückkehren.

Ribéry peilt historische Bestmarke an

Am liebsten, um eine Funktion beim FC Bayern zu übernehmen. Wie genau Ribérys Betätigungsfeld dann aussehen soll, darüber wird bereits gesprochen. Hoeneß wird einen Weg finden - man hat keine Eile.

Erstmal steht ohnehin noch der Saisonendspurt vor der Tür. Ribéry hat die Chance auf seine neunte Meisterschaft. Er wäre damit Rekordhalter. Vor Kahn, vor Scholl, vor Lahm und Schweinsteiger. Da leuchten seine Augen.

Die Meisterschaft wäre für mich sehr wichtig. Ich wäre der erste Spieler mit so vielen Titeln. Das wäre unglaublich für mich - historisch.

Und irgendwie ein passender Abschluss.

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