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FC Bayern München | Mats Hummels unter Druck: Vorteil für Niklas Süle und Jérôme Boateng

Hummels unter Zugzwang: Dreikampf in Bayern-Innenverteidigung spitzt sich zu

08/01/2019 um 15:04Aktualisiert 10/01/2019 um 09:07

Kritik an der Wahl des Trainingslagers, der Eklat um Franck Ribéry und brisante Duelle um die Plätze in der Startelf - beim FC Bayern München ist während der Tage von Katar mächtig Druck auf dem Kessel. Besonders brisant ist die Lage in der Innenverteidigung: Niklas Süle hat den 2014er-Weltmeistern Mats Hummels und Jérôme Boateng den Rang abgelaufen. Vor allem für Hummels steht viel auf dem Spiel.

Niklas Süle sitzt entspannt auf dem Podium in Doha, beantwortet lässig die Fragen der mitgereisten Journalisten. Klar, der Mann hat die Ruhe weg, die Dinge bei den Bayern haben sich prächtig entwickelt für den 23-Jährigen. Unruhe? Herrscht bei den Herren Hummels und Boateng, die nicht mehr an Süle vorbeikommen. Und der weiß genau um sein neues Standing:

"Der Verein hat gesehen, dass ich in großen Spiel meinen Mann gestanden habe. Ich habe mich noch mehr etabliert. "

Für Hummels und Boateng, die in der Hinrunde beide mit Erkältungen und Erkrankungen zu kämpfen hatten, bedeutet das: Es kann nur noch einer spielen, denn Süle macht seine Sache so gut, dass ihn Trainer Niko Kovac in 16 von 17 Bundesliga-Partien in der laufenden Saison durchspielen ließ.

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Bei Hummels kommt erschwerend hinzu: Er gilt nicht unbedingt als Lieblingsspieler von Kovac. Schon beim Pokalfinale 2018, als der Trainer noch bei Eintracht Frankfurt an der Seitenlinie stand und die Bayern mit 3:1 in die Knie zwang, soll er Hummels als Schwachpunkt ausgemacht haben, wie die "Sport Bild" berichtete. Demzufolge setzte Kovac gezielt den schnellen Ante Rebic ein, um die vermeintlichen Geschwindigkeitsdefizite des Bayern-Stars zu nutzen. Mit Erfolg, Rebic traf doppelt.

Hummels holt zum Gegenschlag aus

Im November sanken die Hummels-Aktien dann weiter, nachdem er im Anschluss an den verlorenen Liga-Klassiker bei Borussia Dortmund (2:3) erklärte, trotz Erkrankung gespielt zu haben.

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Hummels machte in der Partie keine gute Figur. "Ich hätte vielleicht schon zur Halbzeit rausgehen sollen, weil ich nicht richtig da war und ein dumpfes Gefühl im Kopf hatte", gab der inzwischen 30-Jährige zu.

Neun Mal kam der Abwehrspieler in der Hinrunde zum Einsatz - und es wird wohl auch an den Trainingseinheiten in Katar liegen, wieviele bis zum Saisonende noch hinzukommen.

Die negative Lesart seiner Leistungen der vergangenen Monate will Hummels so freilich nicht stehen lassen. "Gerade etwas Zeit gehabt und eine kleine persönliche Vorrundenbilanz gezogen. 15 Spiele, davon 10 Siege 3 Unentschieden, 2 Niederlagen. 28:8 Tore. Währenddessen 9 Mal 'zu Null'. Darf jeder für sich selbst interpretieren", rechnete der Bayern-Profi seine Pflichtspiel-Bilanz vor um damit die fortwährende Kritik zu kontern.

Offene Worte von Boateng

Währenddessen übte Boateng, inzwischen mehr Konkurrent als Kollege in der Innenverteidigung, im Interview mit der "Welt" Selbstkritik. "Es war ein schwieriges Jahr für mich, sportlich bin ich hinter meinen Erwartungen zurückgeblieben und konnte nicht zufrieden sein", gab der Defensivspezialist zu Protokoll.

Jérôme Boateng - FC Bayern München

Jérôme Boateng - FC Bayern MünchenImago

Bemerkenswert: Trotz seiner durchwachsenen Leistungen kommt Boateng in der dieser Spielzeit mit 71,43 Prozent gewonnener Zweikämpfe auf den zweitbesten Wert der Bundesliga, nur Dortmunds Dan-Axel Zagadou (74,29 %) ist im Duell Mann gegen Mann stärker. Süle (66,16) und Hummels (63,08) können, zumindest in dieser Hinsicht, nicht mithalten.

Der Trend geht zu Süle und Boateng

Es spricht vieles dafür, dass Kovac die Rückrunde mit dem Duo Süle/Boateng in Angriff nimmt. Hummels, so scheint es, muss im Rennen der Innenverteidiger von Startplatz drei aus ins Rennen gehen. Im Sommer werden die Karten dann ohnehin neu gemischt. Sowohl Boateng als auch Hummels werden mit Wechseln in Verbindung gebracht, der FC Bayern will endlich den heiß debattierten Umbruch in die Tat umsetzen und den Kader weitreichend neu aufstellen.

Zukunftsmusik, denn aktuell bereiten die Bayern in Katar eine ganz andere Mission vor: Am Golf soll der Grundstein für die geplante Jagd auf Borussia Dortmund gelegt werden. Süle geht da schon ganz im Stile eines Leaders voran und betonte:

"Ich bin zu 100 Prozent davon überzeugt, dass wir den BVB überholen. Ganz ehrlich, ich denke, dass wir die beste Mannschaft in Deutschland haben."

"Am Ende", so Süle weiter, "werden wir deutscher Meister". Es wird auch an ihm liegen, ob es so kommt - und an seinem Partner in der Innenverteidigung, wie immer der in der Rückrunde auch heißen mag...

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