Das Bundesliga-Spiel Bayer Leverkusen gegen den FC Bayern München (Sa., 15:30 Uhr im Liveticker) ist nicht nur ein Top-Spiel, sondern auch die Probe des Ernstfalls für den FC Bayern vor anstehenden Achtelfinale in der Königsklasse gegen den FC Liverpool (19.2./13.3.).
Und auch andersrum: Jürgen Klopp und seine Liverpooler Spielanalysten werden das Spiel der Bayern in Leverkusen sicherlich genau unter die Lupe nehmen – schließlich kann man die Leverkusener unter ihrem neuen Trainer Peter Bosz in einigen taktischen Aspekten sehr gut mit den Reds vergleichen.

Bayer Leverkusen - die Pressingmaschine vom Rhein

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Denn Bosz hat in Leverkusen wie erwartet ein sehr offensives System eingeführt. Der Gegner soll so früh wie möglich gestört werden, um hohe Ballgewinne mit kurzem Weg zum Tor zu provozieren. Dafür schiebt Leverkusen oft mit bis zu sechs oder sieben Spielern weit in die gegnerische Hälfte und jagt dem Ball hinterher.
Damit die Abstände dabei nicht zu groß werden, müssen sich die verbleibenden Abwehrspieler ebenfalls weit nach vorne wagen und mindestens auf Höhe der Mittellinie stehen.
Liverpool variiert zwar mehr zwischen dem wie von Leverkusen praktizierten Angriffspressing und einer abwartenden Variante im Mittelfeldpressing, die Ähnlichkeit ist aber klar erkennbar.

Passender Vorgeschmack für den FC Bayern

Gut für Bayern: Leverkusen wird sie permanent fordern und sie zwingen, Lösungen gegen hohen Druck zu finden – ein passender Vorgeschmack auf die Anfangsphase an der Anfield Road.
Die spannendste Frage aus taktischer Sicht ist, wie mutig Bayern gegen ein solches Pressing vorgeht.
Eine Variante wäre es, die Außenverteidiger nicht so hoch zu positionieren wie sonst. Den Aufbau mit einer "flachen Vier" plus Torwart Manuel Neuer zu pressen ist mit nur drei Stürmern schwierig – sofern die Aufbauspieler den Ball schnell genug laufen lassen und sich vor der Ballannahme gut orientieren.
Bei dieser Variante wäre es plausibel, nur einen Sechser vor der Kette zu positionieren und mit zwei eher offensiv ausgerichteten Mittelfeldspielern zu agieren. Thomas Müller und Leon Goretzka könnten in diesem Szenario immer wieder in die Tiefe laufen und die Räume zwischen Innen- und Außenverteidiger attackieren.
Allerdings präferierte Trainer Niko Kovac zuletzt die Variante mit zwei Sechsern und einer Zehn davor (4-2-3-1).

Befreiung der Flügeldribbler

Anders bei der Variante 4-3-3: Durch das permanente Belaufen der Schnittstellen müsste die Leverkusener – und demnächst auch Liverpooler – Viererkette enger zusammenrücken. Dies wiederum würde den offensiven Flügelspielern wiederum mehr Raum bieten.
Robben, Coman und Co. könnten sich dann an der Seitenlinie positionieren und relativ problemlos in den Fuß angespielt werden können. Der Vorteil daran: Sie hätten den Außenverteidiger wegen der Läufe aus dem Mittelfeld nicht direkt auf den Füßen stehen, sondern könnten mit Gesicht zum Tor andribbeln.
Das Durchlaufen von Müller und Goretzka würde zudem dafür sorgen, dass sich die gegnerischen Sechser oder Achter genau überlegen müssen, ob sie zum Doppeln nach außen kommen.
Tun sie das, kann der Ball von Bayerns Flügeldribblern mit dem ersten oder zweiten Kontakt direkt tief auf die einlaufenden Achter durchstecken. Bleibt der Gegner im Zentrum, können Eins-gegen-Eins-Situationen provoziert werden.

Plan B ist riskant – und Plan C keine Option

Natürlich könnte Bayern auch andere Varianten testen. So wäre es beispielsweise denkbar, dass sich ein Sechser zu den Innenverteidigern fallen lässt und die Außenverteidiger dafür weit nach vorne gehen.
In diesem Fall könnte man das Zentrum und die Halbräume sehr stark besetzen, da sich dort zwei offensive Mittelfeldspieler sowie die beiden einrückenden Flügelstürmer tummeln würden.
Mehr Kombinationsmöglichkeiten auf kleinem Raum, dafür größere Konterräume auf den Außenbahnen – gegen Gegner mit so schnellen Flügelspielern eine riskante Angelegenheit.
Optionen wie lange Bälle als Spieleröffnung sowie das Spiel auf den zweiten Ball sind zwar grundsätzlich möglich, passen aber weder zum Spielermaterial der Bayern, noch zum Stärkenprofil des Gegners – die meisten Bälle würden postwendend zurückkommen.
Eurosport-Check: Bayern kann gegen Leverkusen auf hohem Niveau den Ernstfall prüfen. Bosz' Leverkusener werden dauerhaft Druck ausüben und die Münchener damit zwingen, Lösungen zu finden. Im Hinblick auf das Meisterschaftsrennen ist ein Sieg Pflicht – im Hinblick auf das Achtelfinalduell in der Königsklasse mit Liverpool könnte ein zumindest in Teilen missglückter Spielverlauf vielleicht sogar noch etwas wertvoller sein. So oder so: Die vorgezogene Generalprobe wird mit Sicherheit ein wesentlicher Bestandteil der Vorbereitung auf Liverpool sein.
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