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FC Bayern verliert beim BVB: Einsatz von krankem Mats Hummels wirft Fragen auf

Krank ins Spitzenspiel: Hummels-Einsatz wirft Fragen auf

11/11/2018 um 12:23

Mats Hummels geht krank ins Spitzenspiel zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern München - als es für ihn nicht mehr weitergeht, nutzt der BVB die Gunst und dreht binnen sechs Minuten das Spiel. Nach der Partie hadert der Innenverteidiger mit sich selbst und seiner Entscheidung, sich spielfit zu melden. Experte Lothar Matthäus kritisiert derweil Trainer Niko Kovac, der hätte reagieren können.

Als Mats Hummels am Samstagabend aus dem Spitzenspiel zwischen Borussia Dortmund gegen den FC Bayern München ausgewechselt werden musste (66.), führten die Gäste noch mit 2:1 - sieben Minuten später hatte der BVB die Partie gedreht.

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Hummels hatte zuvor eine Leistung mit Licht und Schatten abgeliefert; sein Fehler begünstigte die größte Dortmunder Chance der ersten Halbzeit durch Marco Reus (10.), später sah er bei einer Großchance der Borussia nur die Hacken von Jadon Sancho (62.).

Mats Hummels spielt krank im Spitzenspiel

Der Nationalspieler gewann auch nur zwei seiner sieben direkten Zweikämpfe, wirkte nicht handlungsschnell - und lieferte die Erklärung dafür selbst nach dem Spiel bei "Sky":

"Ich bin heute krank geworden. Ich bin mit einer schwereren Erkältung ins Spiel gegangen. Es war okay, aber ich habe im Kopf für alles etwas länger gebraucht als sonst. Ich lebe sonst davon, dass ich schnell denke, das war heute nicht der Fall, wie man eklatant gesehen hat, als ich zweimal als letzter Mann den Ball verloren habe."

Eine Aussage, die schon verwundert - schließlich saß mit Niklas Süle ein fitter und frischer Innenverteidiger draußen (Süle hatte auch gegen Athen nicht gespielt), der nach 65 Minuten dann in ein Spiel auf des Messers Schneide geworfen werden musste und prompt zwei Gegentore miterleben musste.

"Muss man respektieren": Hoeneß verteidigt Hummels

Uli Hoeneß kann den Wirbel um den Hummels-Einsatz derweil nicht nachvollziehen. "Man kann weder dem Arzt, noch dem Trainer einen Vorwurf machen - und auch dem Mats nicht. Er hat es versucht, wollte in Dortmund unbedingt spielen. Dass es nicht so gut gegangen ist, muss man respektieren", erklärte der Bayern-Präsident am Tag nach der Partie bei "Sky".

Nicht wirklich für das Händchen von Trainer Niko Kovac spricht allerdings die Tatsache, dass Hummels selbst über seine Auswechslung entschied. "Nach der Situation habe ich dann auch gesagt, es ist zu riskant, dass mir das noch mal passiert und bin rausgegangen", erzählte er offen.

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Seine Krankheitssymptome habe er dem Trainer vor dem Spiel ebenso offen mitgeteilt, sich selbst aber spielfit gemeldet. "Ja, sonst hätte er mich nicht aufgestellt", sagte Hummels und nannte seinen Einsatz eine "Fünfzig-Fünfzig-Entscheidung", wenngleich ihn hinterher grämte, nicht zur Pause in der Kabine geblieben zu sein:

"Ich ärgere mich, dass ich nicht spätestens in der Halbzeit gesagt habe, es macht keinen Sinn. Denn wenn im Kopf alles so ein bisschen dumpf und verschwommen ist, ist ein Spiel auf einem so hohen Niveau schwer umzusetzen."

Das hätte aber auch der Trainer erkennen können ...

Kovac sagte dazu auf der Pressekonferenz nach dem Spiel:

"Mats sagte das in der Halbzeit, aber unsere Ärzte haben ihm ein Medikament verabreicht und es hieß, es ist alles soweit okay. Deswegen haben wir ihn wieder aufgestellt. Ich habe ihn auch in der Halbzeit gefragt: 'Bist du sicher, dass du spielen kannst?' Er sagte darauf Ja. Deswegen haben wir ihn wieder auf den Platz geschickt. Hätte er Nein gesagt, hätten wir sicherlich sofort in der Halbzeit reagiert, weil sich Niklas Süle in der Halbzeit auch schon intensiv warm gemacht hat. Aber nach dem Okay von Mats haben wir ihn drin gelassen."

Kritik von Matthäus und Kahn

Ein Vorgang, der "Sky"-Experte Lothar Matthäus etwas ratlos zurück ließ.

"Mich wundert die Aussage, dass der Trainer informiert war, dass er grippegeschwächt ins Spiel geht", sagte Matthäus zu Hummels' Ausführungen:

"In so einem Spiel brauchst du elf Krieger, die fighten und körperlich in einer perfekten Verfassung sind. Man hätte mit Süle einen gleichwertigen Ersatz auf der Bank, vielleicht mit weniger Erfahrung, aber er ist auch deutscher Nationalspieler. Diese Entscheidung ist nicht unbedingt nachzuvollziehen."

Der ehemalige Bayern-Schlussmann Oliver Kahn schlug im "Aktuellen Sportstudio" in dieselbe Kerbe. "Ich frage mich schon, was da in den Spielern vorgeht. Ja, er hat ein Laufduell verloren, aber man muss sich nicht danach hinstellen und erklären, dass man krank war. Das interessiert doch dann keinen mehr", so der 49-Jährige. Er habe bei den Bayern-Profis den Eindruck, dass es "beim einen oder anderen im Kopf nicht stimmt".

Video - Kovac zum BVB-Elfer: "Darf nicht passieren"

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