Eurosport

Hans-Joachim Watzke von Borussia Dortmund sieht keinen Bedarf für einen Umbruch beim FC Bayern

BVB-Boss Watzke erklärt: "Bayern braucht keinen riesigen Umbruch"

23/12/2018 um 06:45Aktualisiert 23/12/2018 um 10:45

Borussia Dortmund ist das Maß der Dinge in der Bundesliga. Der BVB geht als Herbstmeister mit einer spannenden, jungen Mannschaft in die Winterpause und gilt als Blaupause für das Team, dem die Zukunft gehört. Anders der FC Bayern, dem vorgeworfen wird, den Umbruch verschlafen zu haben. BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke kann die Rufe nach Veränderungen beim Konkurrenten nicht verstehen.

Sportlich hat Borussia Dortmund den FC Bayern derzeit gut im Griff. Mit mindestens sechs Punkten Vorsprung führt der BVB nach der Hinrunde die Tabelle vor dem großen Titelfavoriten aus München an. Die junge Mannschaft mit den Shootingstars Jadon Sancho (18) und Paco Alcácer (25) als treffsichere Offensive oder dem neuen "Kinderriegel" - Manuel Akanji (23), Abdou Diallo (22), Achraf Hakimi (20) und Dan-Axel Zagadou (19) - als defensives Bollwerk steht für eine goldene Zukunft.

Beim FC Bayern hingegen wird zwar häufig vom Umbruch gesprochen, passiert ist bisher noch nicht viel. Sowohl die Mannschaft als auch die Führungsetage prägen seit Jahren die gleichen Gesichter, was von der Öffentlichkeit oft als Stillstand kritisiert wurde. Es konnte der Eindruck entstehen, der BVB habe die Münchner in Sachen Verjüngung sowohl auf dem Feld als auch bei den Bossen überholt.

Watzke über Hoeneß/Rummenigge: "Machen das ja gut"

Beim Bayern-Herausforderer sieht man das ganz anders. BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke kann die Aufregung um den schleppenden Umbruch bei den Münchnern im Gespräch mit Jan Henkel und Matthias Sammer bei Eurosport nicht nachvollziehen:

"Warum Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge da perspektivisch ihren Abschied einreichen sollen, habe ich überhaupt nicht verstanden. Die haben sechs Mal hintereinander die Meisterschaft gewonnen, standen zigmal im Halbfinale der Champions League. Die machen das ja gut."

Watzke lobt, Sammer warnt

Was Veränderungen angeht, sieht Watzke daher wenig Handlungsbedarf beim Branchenprimus:

"Ich sehe nicht, dass Bayern einen riesigen Umbruch braucht."
Arjen Robben und Franck Ribéry vom FC Bayern

Arjen Robben und Franck Ribéry vom FC BayernGetty Images

Langjährige verdiente Spieler wie Arjen Robben und Franck Ribéry, deren Zeit bei den Münchnern im Sommer zu Ende gehen wird, seien zwar nicht so einfach zu ersetzen, aber "ich finde, sie haben viele gute junge Spieler", so Watzke, der seinen BVB bei der Teamzusammenstellung aber doch ein bisschen vor den Bayern sieht:

"Natürlich sind wir vielleicht einen Schritt weiter, was die Verjüngung an allen Fronten angeht. Aber wenn du Primus bist, bist du nie der Vorreiter, sondern der Platzhalter. Da ist es völlig normal, dass man zu den Spielern Vertrauen hat, mit denen man sechsmal Meister geworden ist."

Die Münchner seien vielleicht nicht mehr so auf "dem Top-Top-Niveau wie vor ein oder zwei Jahren, aber sie spielen ihre Spiele runter und gewinnen sie auch". Nach einer kurzen Schwächephase sieht Watzke den Serienmeister nun wieder "sehr stabil". Und auch Eurosport-Experte und BVB-Berater Matthias Sammer warnt davor, die Bayern abzuschreiben:

"Die Krux an der Sache ist, dass es keine Schale nach dem 15. oder 16. Spieltag gibt, sondern dass du das auf hohem Niveau 34 Spieltag halten musst."

"Viel stabiler als erträumt"

Die Mannschaft von Lucien Favre sei "mit Lob überschüttet" und "zum Teil völlig unsachlich als Meisterschaftsfavorit" eingestuft worden, kritisiert Sammer. "Unser größtes Problem aktuell ist, dass wir viel stabiler sind, als wir uns das erträumt haben", beschreibt Watzke die Situation in Dortmund. "Daraus resultiert für uns der Druck. Wir reden jetzt darüber, ob wir am Ende des Spieltag wieder neun oder nur drei Punkte Vorsprung haben. Hätte uns im August jemand gesagt, ihr habt am Ende der Hinrunde drei Punkte Vorsprung, hätte das jeder von uns sofort mit einem dicken Pinsel unterschrieben."

Die Siegesserie der Borussia habe Begehrlichkeiten geweckt - auch intern. "Da will man natürlich mehr", sagt Watzke und mahnt:

"Wir müssen nur aufpassen, dass wir nicht vergessen, wo wir herkommen. Die Hinrunde war so oder so hervorragend."

Video - Götze im Interview der Woche: "In Sachen Teamgeist einen Riesenschritt gemacht"

18:58
0
0