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Sigi-Heinrich-Blog: Warum der FC Bayern München nur noch ein normaler Klub ist

Heinrich-Blog: Warum die Bayern nur noch ein normaler Klub sind

09/11/2018 um 09:34

Beim FC Bayern München läuft es momentan nicht rund. In der Champions League gegen AEK Athen zeigte die Mannschaft von Trainer Niko Kovac abermals keine spielerisch gute Leistung, obwohl das Ergebnis stimmte. Eurosport-Blogger Sigi Heinrich erklärt, was das Problem der Bayern ist - und warum der Rekordmeister mittlerweile ein Klub wie jeder andere in der Bundesliga geworden ist.

Wieder ausgebucht. Schön. Dauerkarten, Vorverkauf, Erwartungshaltung. Alles hilft, um die Schüssel bis zum letzten Platz zu füllen. Ist ja so: Wenn ich in ein Konzert gehe, dann weiß ich zumindest in etwa, was auf mich zukommt. Deshalb kaufe ich mir ein Ticket und gehe nach der Show garantiert zufrieden nach Hause. War eigentlich immer so.

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Rumpelfußball sagen viele zu den zuletzt gezeigten Vorstellungen. Buhrufe würde es dafür in der Oper geben. Musik grausig, Hauptdarsteller ohne Charisma, Inszenierung daneben. In der Schule hieß das immer. Thema verfehlt. Sechs. Setzen. Die Höchststrafe.

FC Bayern: Fatale Ablenkungsmanöver

Nun wird der FC Bayern nicht gleich sitzenbleiben. Aber ein Branchenprimus, bitteschön, der sieht anders aus. Souverän eben. Davon ist in München nichts mehr zu spüren. Jeder Tag scheint Überlebenstraining zu sein. Motto: Wie können wir es schaffen, trotz sportlicher Durchschnittskost, den von uns so geliebten Menschen, sprich Fan, davon zu überzeugen, dass er noch immer einen Stern am Fußballhimmel anfeuert.

Eine wilde Pressekonferenz mit Journalistenbeschimpfung kommt immer gut an. Die blöden Schreiber, die Ahnungslosen, die Fernsehfuzzis. Auf sie mit Gebrüll. Die Würde des FC Bayern ist unantastbar. Die Taktik der Münchner auch. Clevere Ablenkung von den Alltagssorgen nennt man das und demontiert so nebenbei den eigenen Sportdirektor, dem die Chefetage Rummenigge-Hoeneß klar macht, dass er den Mund zu halten habe.

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Andere machen bessere Transfers

Apropos Paris. Da arbeitet Thomas Tuchel, der eigentlich bei den Bayern sein sollte. Aber als sich die Münchner dann entschlossen hatten, ihn zu verpflichten, saß der schon an der Seine und ließ sich ein paar frische Muscheln schmecken.

Denn: Der FC Bayern ist längst nicht mehr die erste Adresse auf der Fußballkarte. Spieler wollen weg (Lewandowski, Boateng) große Talente gehen lieber nach England oder zu Borussia Dortmund, die den Münchnern einen Spiegel vorhalten können, was Transfers betrifft. Sie machen Gewinn, und junge Spieler wissen, dass sie in Dortmund auch zum Zug kommen. Wer hingegen zum FC Bayern geht, der weiß, dass er erst mal an den "verdienten" Spielern vorbei muss. Und das gelingt den Wenigsten.

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Die Vorherrschaft auf dem Transfermarkt ist der FC Bayern auch in der Bundesliga längst los. Und das altbewährte Rezept seit 30 Jahren, von der Konkurrenz einfach die Besten zu verpflichten, vor allem, um diese zu schwächen, das funktioniert kaum noch. Die Münchner sind zu bieder geworden. Der Glanz der letzten Jahre schimmert kaum noch durch.

Missglückte Experimente beim FC Bayern

Jetzt spricht man über die Hertha, über Bremen, über Hoffenheim und die neuen Gladbacher Fohlen. Und natürlich über Dortmund. Überall wird erfrischender Fußball gespielt, sogar in Leverkusen, auch wenn das eine Achterbahn ist. Und sogar auf Schalke hat man sich daran erinnert, dass es in diesem Spiel auch darum geht, ein paar Tore mehr zu schießen.

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Bayern-Spielweise ist Durchschnitt

Es ist momentan der seltsamste FC Bayern seit Jahren. Das berühmte "Mia san mia" ist nur noch ein Schutzmantel. Und die zuletzt so viel zitierte Super League würden die Münchner eher schwächen, und die Bundesliga, ja die würde auch ohne den FC Bayern überleben. Locker sogar.

Die Münchner haben ihren Schrecken verloren. Sie sind jetzt normal geworden, noch nicht ganz beliebig, aber nicht mehr weit davon entfernt. Die Spielweise ist biederer Durchschnitt. Eine klare Linie, ein Konzept scheint nicht vorhanden zu sein. Wenn die Konkurrenz jetzt die Schwäche der Münchner erkennt, wird es brandgefährlich.

Dann droht Mittelmaß. Und damit kann der FC Bayern nun gar nicht umgehen.

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