Getty Images

Sigi-Heinrich-Blog: Reschke-Entlassung ist Warnung an alle Bundesliga-Manager

Heinrich-Blog: Reschke-Entlassung ist eine Warnung an alle Manager

13/02/2019 um 09:14Aktualisiert 13/02/2019 um 10:45

Eurosport-Blogger Sigi Heinrich blickt auf die Entlassungen beim 1. FC Nürnberg und VfB Stuttgart. VfB-Manager Michael Reschke musste ebenso seinen Hut nehmen wie Nürnbergs Sportvorstand Andreas Bornemann und Club-Coach Michael Köllner. Heinrich freut sich über diese Entwicklung, da endlich mal nicht nur die Trainer zum Sündenbock für eine sportliche Talfahrt gemacht wurden.

Kleine Umfrage: Wenn ein Verein, egal in welcher Spielklasse, ein paar Mal zu oft verliert, wer muss dann aber so was von sofort entlassen werden? Ich nehme an, dass die Mehrheit tippt: der Trainer.

War immer so und wir dachten doch alle, dass wird immer so bleiben. Doch nun ist die Fußballwelt eine andere geworden. Jetzt plötzlich ist das schwächste Glied der Kette nicht mehr an letzter Stelle, sondern derjenige, der die Kette geformt hat, ihre Glieder zusammenfügte, um stark und widerstandsfähig zu sein.

Und muss plötzlich erkennen, dass auch sein Job, so er nicht gut genug ausgeführt wurde, keine Lebensstellung mehr sichert. Innerhalb eines Tages mussten in der Bundesliga zwei Funktionäre ihren Hut nehmen und nur einer nahm den Trainer mit.

Video - Neuer Boss beim VfB: Das sagt Hitzlsperger zur "großen Aufgabe"

01:37

Verantwortung und Verpflichtung

Markus Weinzierl vom VfB Stuttgart darf unter der neuen sportlichen Führung von Thomas Hitzlsperger also erst einmal bleiben. Entlassen wurde nur der Stuttgarter Sportvorstand und Kaderplaner Michael Reschke, der lange bei Bayer Leverkusen als Nachfolger von Reiner Calmund als Manager arbeitete, dann beim FC Bayern anheuerte als Technischer Direktor, ehe er meinte, beim VfB Stuttgart endlich komplett freie Hand zu haben.

Sportvorstand nannte sich seine Bezeichnung. Also weit oben in der Hierarchie des Vereins. Verantwortlich für Spieler- und Trainerverpflichtungen. Verantwortlich letztlich für den Tabellenstand. Reschke hat sich überschätzt, viele Fehlentscheidungen getroffen, zuletzt gar den Vertrag von Weinzierls Vorgänger Tayfun Korkut ohne Not verlängert.

Dessen Entlassung, nach vorangegangenem Solidaritätsbekenntnis für ihn, war der erste Zacken, der Reschke aus der Krone fiel. Und ziemlich arrogant stellte er sich noch nach der Niederlage in Düsseldorf vor die Kameras und betonte, dass Weinzierl diese Woche noch Trainer sei und nächste Woche auch noch. Was sollte er freilich auch sagen: Er hatte ihn verpflichtet.

Jetzt gibt es kein Mikrofon mehr für ihn. Reschke, sah dem Untergang hilflos zu, weil sein Personal, das er unter Vertrag nahm, die Bundesligatauglichkeit nicht nachweisen konnte. Nicht unter zwei Trainern. Folgerichtig, aber einzigartig in der höchsten deutschen Spielklasse: Derjenige, der wirklich die Verantwortung hat für die sportlichen Belange, wurde wegen Erfolglosigkeit entlassen. Weinzierl ist freilich angezählt, das ist auch klar.

Bornemann war Club-Retter

Vergleichen kann man Stuttgart mit dem 1. FC Nürnberg nicht, denn deren Sportvorstand Andreas Bornemann hat große Arbeit geleistet. Klar, 15 Niederlagen in der Bundesliga sind desaströs. Aber ohne Bornemanns Personalpolitik wäre der Club finanziell schon vor der Saison am Ende gewesen.

Die Franken glaubten an ein Märchen. Den Realisten war von Anfang an klar, dass dem Kader die Bundesligatauglichkeit fehlte. Dem Aufstiegstrainer Michael Köllner gegenüber war Bornemann so loyal, dass nach den Clubstatuten erst sein Rauswurf die Entlassung von Köllner möglich machte.

Bornemann kann hoch erhobenen Hauptes seine Zukunft planen. Michael Reschke hingegen hatte viel mehr Möglichkeiten zur Verfügung und er hat diese nicht genutzt.

Video - Doppel-Rauswurf in Nürnberg: "Keine andere Möglichkeit gesehen"

01:16

Warnschuss für Heldt und Heidel

Für die noch in Amt und Würden stehenden Manager der anderen Bundesliga-Clubs darf der 12. Februar 2019 durchaus als Tag der Warnung verstanden werden. Künftig wird es nicht immer heißen: neuer Trainer, neues Glück.

Diejenigen, die in legerer Freizeitkleidung an den Hebeln der Macht in ihren Vereinen schalten und walten als wären sie die einzige sportlich relevante Instanz, sind plötzlich nicht mehr unantastbar.

Die Herren Heldt (Hannover 96) oder Heidel (FC Schalke 04) etwa werden diese neue Entwicklung, die endlich auch mal die Trainer ein wenig stärkt, sicherlich mit einem gewissen Unbehagen verfolgt haben.

Video - 5 Transfergerüchte des Tages: Salah als Dybala-Ersatz?

01:24
0
0