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Wutausbrüche gegen die Presse: Es fehlt an Verständnis

Wutausbrüche gegen die Presse: Es fehlt an Verständnis

17/04/2019 um 15:20Aktualisiert 17/04/2019 um 15:34

Sigi Heinrich spricht in seinem Blog ein diffiziles Thema an: das Verhältnis zwischen Bundesliga-Protagonisten und Journalisten. Für die einen lässt die Qualität der Berichterstattung zu wünschen übrig, die anderen fühlen sich ausgegrenzt. Wutausbrüche gegen die Presse nehmen zu, doch beide Seiten stehen unter Druck. Es ist deshalb auch wichtig, beide Seiten zu sehen - und auch zu verstehen.

Es geht reihum. Jeder ist mal dran. Egal ob Spitzenreiter oder Schlusslicht in der Bundesliga-Tabelle.

Pressekonferenzen ermöglichen gegen Ende der Saison zunehmend spannende Einblicke in die Gefühlswelt so mancher Trainer, machen im gleichen Atemzug aber auch die fragile Welt zwischen den Akteuren und den Beobachtern der Szene deutlich.

Ein falsches Wort nur, eine vielleicht auch falsch verstandene Frage oder eine, die man nicht hören wollte - und schon ist die heile Fußballwelt nur noch ein Fragment. Presse und Verein, Journalisten und Sportler: Das ist eine seltsame Mischung, denn die einen können nicht ohne die anderen und umgekehrt.

Plakativ gesagt: Man treibt auf dem gleichen Fluss, hat die gleichen Stromschnellen, die man umgehen muss aber jeder sitzt in einem anderen Boot. Die Problematik hat mit Information zu tun. Wir Journalisten wollen viel wissen, wollen eigentlich alles wissen, um unsere Kunden, die Leser, die Zuschauer, die Zuhörer so umfassend wie möglich zu informieren.

Das Objekt unserer Begierde, der Verein mit seinen Angestellten, versucht, dem durchaus Rechnung zu tragen, ist dabei aber intensiv bemüht, die Kontrolle über alle Meldungen zu behalten.

Grenzen die nicht eingehalten wurden

In den guten alten Zeiten konnte man noch lässig im Hotelflur mit den Spielern flachsen, sich auch mal zum Kaffee treffen oder auch zu einem Bierchen.

Es galt von unserer Seite eine klare Grenze, die nicht überschritten werden durfte. Weil indes auch in unserer Branche der Konkurrenzkampf heftig tobt, haben sich nicht immer alle an den Ehrencodex gehalten und ausgeplaudert, was unter Verschluss gehalten werden sollte.

Auch deshalb ist die Situation jetzt so künstlich und retortengleich, werden Statements zwar ihre Geschichten. Aber es sind vielfach die gleichen.

Schlauer Bayern-Trainer

Wer mehr will, muss devot sein, zu Kreuze kriechen, um es deutlich zu sagen. Schleimen. Sorry. Ist so. Brave Fragen stellen, gute Fragen stellen, nette Fragen stellen. "Glückwunsch zum 1:0. Das haben sie toll gemacht."

Es folgt ein Lächeln des Befragten und man hat sich lieb und kann dann damit rechnen, dass der nächste Interviewwunsch erfüllt wird. Bekommt man als Journalist nämlich eine Absage, ist das für die Karriere auch wieder nicht hilfreich.

Es ist also durchaus so, dass nicht nur Trainer unter Druck stehen, sondern auch die Zunft der Fragenden. Passt es nicht, wie zuletzt im Fall Thomas Doll, wird das gleich ein Rundumschlag.

Video - Doll fassungslos: "Das ist das Einzige, was sie jetzt fragen können?"

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Gut, Doll ist bekannt für seine Wut-Reden, hatte sich dennoch nicht im Griff zuletzt, denn die Frage nach seiner Zukunft in Hannover ist nach seiner verheerenden Bilanz sehr wohl zutreffend.

Schlauer macht es Niko Kovac in München, der einfach Fragen, die ihm auf den Geist gehen, weil sie seiner Meinung nach wenig mit Fußball zu tun haben, mit eben dem Hinweis abschmettert, er wolle sich nicht mit Nebensächlichkeiten aufhalten.

Dass aber eben diese Einfluss haben auf das Team, würde ich als unbestritten bezeichnen wollen. Weshalb die Frage nach so manchen Exkursionen seiner Spieler durchaus angebracht ist.

Verständnis für Wutausbruch

Mit Kritik umzugehen, ist nicht einfach. Ich kenne das sehr wohl. Wenn man polarisiert, eckt man. Und es ist nicht möglich, der Liebling aller zu sein.

Deshalb habe ich Verständnis für so manchen Ausraster in jedwedem Genre, gerade in unruhigen Zeiten wie diesen, in denen die einen um den Klassenerhalt und die anderen um die Meisterschaft kämpfen.

Und, lieber Thomas Doll, niemand empfindet Schadenfreude, wenn Sie mit Hannover 96 absteigen.

Außerdem mussten Sie sehr wohl wissen, dass sie sich auf ein gefährliches Spiel mit nervenaufreibendem Szenario eingelassen haben. Sollte Ihnen wider Erwarten dennoch die Rettung mit ihrem Verein gelingen, würde uns das alle aber von Herzen freuen. Ehrlich.

Video - Kovac: "Beruf wird zur Nebensächlichkeit, das will ich ändern"

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