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Taktik-Check: Drei Gründe warum der BVB Meister wird

Nicht nur gegen Bayern Favorit: Drei Gründe, warum der BVB Meister wird

10/11/2018 um 17:08

Borussia Dortmund geht als Favorit in das Bundesliga-Topspiel gegen den FC Bayern München (heute 18:30 Uhr im Liveticker bei Eurosport.de) - und das völlig zurecht. Lucien Favres Mannschaft überzeugt in nahezu jedem Bereich und wirkt sehr gefestigt. Eurosport.de analysiert im Taktik-Check, warum der BVB in dieser Saison wieder das Potenzial zum Titelgewinn hat.

Grund 1: Flexibilität

Dortmund spielt unter Lucien Favre einen sehr variablen Fußball. Gegen den Ball wechseln sie zwischen einem vorsichtigen Mittelfeldpressing und Phasen des aggressiven Anlaufens. So verschaffen sich die Spieler Ruhepausen und können durch diese Wechsel den Rhythmus des Gegners stören. Locken sie die gegnerische Mannschaft durch die tiefere Staffelung etwas heraus, öffnen sich größere Räume zum Kontern – das 4:0 im Heimspiel gegen Atletico Madrid war ein Musterbeispiel für die verschiedenen Phasen im Pressing, das offensive Umschaltspiel war unwiderstehlich.

Gut möglich, dass Favre diese eher auf Konter ausgerichteten Phasen gegen den FC Bayern über weite Strecken als Plan A ausgibt - schließlich hatte der Rekordmeister aufgrund seiner schwachen Staffelung in Ballbesitz zuletzt oft Probleme beim Umschalten nach Ballverlust. Für Dortmunds Konterspezialisten könnte dies eine große Chance sein. Die schnellen Gegenangriffe sind im Hinblick auf Tempo und Timing extrem gut ausgeführt, da scheint viel Trainingsarbeit drinzustecken. Obwohl Dortmund nach Bayern den zweithöchsten Ballbesitz hat, konnten sie bislang die meisten Kontertore aller Bundesligisten erzielen (vier).

Jadon Sancho und Marco Reus (Borussia Dortmund)

Jadon Sancho und Marco Reus (Borussia Dortmund)Getty Images

Auch im Spielaufbau gibt es bei Dortmund verschiedene Ansätze: Mal wird der Ball sehr lange und sicher in den eigenen Reihen gehalten, mal geht es schnell nach vorne. Das Spiel durchs Zentrum ist ebenso gefährlich wie das Flügelspiel über die offensiven Außenverteidiger. Zusätzlich sind die Schwarz-Gelben gefährlich nach Standards: Die sechs Treffer nach ruhendem Ball werden in der Bundesliga nur von Augsburg (acht) übertroffen.

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Grund 2: Stabilität

Der BVB steht defensiv sehr stabil und verteidigt sehr diszipliniert im Kollektiv. Die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen sind sehr klein, egal ob man nun weit vorne anläuft oder aber den Gegner im Mittelfeldpressing erwartet. Sowohl in der Breite als auch in der Tiefe ist Dortmund kompakt, die Spieler können sich daher schnell gegenseitig helfen – außerdem haben sie so nach Ballgewinn immer Anspielstationen in unmittelbarer Nähe.

Bislang kassierte Dortmund erst fünf Treffer aus der geordneten Defensivstaffelung heraus, alle anderen Gegentore waren Konter oder Standards – eine Statistik, die die gute Arbeit in der Defensive unterstreicht. Der BVB verteidigt auffällig fair und begeht die wenigsten Fouls aller Mannschaften in der Bundesliga (acht pro Spiel).

Ein seltenes Bild: Dan-Axel Zagadou foult Davie Selke

Ein seltenes Bild: Dan-Axel Zagadou foult Davie SelkeImago

Die sehr besonnene Art der Zweikampfführung trägt ganz klar Favres Handschrift. Der Gegner wird durch die kompakte Staffelung nach außen gedrängt, dort aber nicht übermäßig aggressiv attackiert. Der Ballführende wird begleitet, wie es im Trainerjargon heißt, bis er keine Optionen mehr hat. Ist der Ball einmal etwas weiter vom Fuß entfernt, stechen die Dortmunder Verteidiger zu und erobern den Ball meistens fair. Die Folge: Es werden wenig Standardsituationen in gefährlichen Positionen verursacht und das Konterspiel profitiert natürlich von den sauberen Balleroberungen.

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Grund 3: Kader und Rotation

Favre hat keine klare Stammelf, sondern rotiert – aber in Maßen. Es gibt keine radikale Rotation nach internationalen Spielen, dennoch achtet der Schweizer penibel darauf, dass vor allem seine noch jungen Spieler genug Zeit zur Regeneration bekommen. Der vom Trainer vorgegebene Stil ist nur dann so effizient wie aktuell, wenn die Spieler mental und körperlich fit sind.

Favre setzte bislang auf eine klare Achse von Führungsspielern, die fast alle Partien absolvierten: Torwart Roman Bürki, die Innenverteidiger Mario Akanji und Abdou Diallo, Sechser Axel Witsel sowie Kapitän Marco Reus. Der Großteil der bislang unverletzt gebliebenen Spieler sammelte ähnlich viele Spielminuten, sodass die Balance zwischen Konkurrenzkampf und Zufriedenheit der einzelnen Akteure gut ist.

Lucien Favre feuert sein Team Borussia Dortmund an

Lucien Favre feuert sein Team Borussia Dortmund anImago

Dass Dortmund gerade so viele verschiedene Spielertypen hat, ist für einen genau auf den jeweiligen Gegner vorbereiteten Trainer wie Favre ein Segen, hier kann er für jedes Szenario den passenden Spieler wählen - bislang ist das ziemlich gut gelungen.

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Eurosport-Check: Dortmund stand schon im Vorjahr zu Saisonbeginn vor den Bayern – sogar mit größerem Abstand. Dennoch wirkt die Mannschaft in dieser Saison deutlich gefestigter, Favres Detailarbeit tut ihr sichtlich gut. Die Variabilität in Offensive und Defensive macht die Mannschaft unberechenbar, zudem hat der Trainer mit seiner gemäßigten Rotation die Stimmung, den Konkurrenzkampf und auf Sicht auch sicherlich die Verletzungsprävention gestärkt. Der BVB ist jetzt der Favorit – nicht nur im Spitzenspiel, sondern auch im Titelrennen!

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