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Taktik-Check: Ein Jahr nach dem 4:4 - das hat sich bei Schalke und dem BVB geändert

Taktik-Check: So haben sich Schalke und der BVB seit dem 4:4 verändert

08/12/2018 um 00:23Aktualisiert 08/12/2018 um 15:11

Rivalen im Umbruch: Fast genau ein Jahr nach dem legendären 4:4 haben sich sowohl beim FC Schalke als auch bei Borussia Dortmund einige Dinge verändert. Während die "Knappen" auf dem harten Boden der Realität gelandet sind, startet Dortmund richtig durch. Eurosport.de analysiert vor dem Revierderby (Samstag, 15:30 Uhr im Liveticker) die gravierendsten taktischen Veränderungen der beiden Teams.

Nach dem schwachen Saisonstart hat sich der FC Schalke zuletzt stabilisiert. Doch warum kam es überhaupt zu der Schwächeperiode direkt zum Start der neuen Spielrunde? Hat sich so viel verändert?

Schalkes Regression zur Mitte...

Dies stammt aus der Statistik und besagt, dass ein extrem ausgefallener Messwert bei der nächsten Messung wieder deutlich näher am Durchschnitt liegt. Sprich: Nach Schalkes guter, aber eben sehr glücklich verlaufenen Vorsaison pendelte man sich wieder näher – in diesem Fall sogar unter – dem eigentlichen Leistungsniveau ein.

... und deren Folgen

Plötzlich traf man nicht mehr so mit der ersten Chance des Spiels, die Standards kamen nicht mehr so gefährlich wie in der Vorsaison und dann gelangen dem Gegner auch noch oft frühe Tore. Stilistisch blieb man sich jedoch treu: Schalke unter Domenico Tedesco ist eine defensiv ausgerichtete Mannschaft, die ihre Stärken ganz klar gegen den Ball und im offensiven Umschalten hat. "Wir entwickeln viel über Umschaltaktionen nach Ballgewinn, unser Pressing ist richtig gut", erklärte Tedesco auf der Pressekonferenz vor dem Derby.

FC Schalke 04: Domenico Tedesco, Sebastian Rudy

FC Schalke 04: Domenico Tedesco, Sebastian RudyGetty Images

Dass sich im Spielaufbau und beim Herausspielen von Torchancen noch so einiges tun muss, weiß der Fußballlehrer. Mittlerweile ist er von seinem 5-3-2-System abgerückt und ließ zuletzt mit einem 4-4-2 mit Raute im Mittelfeld agieren. So konnte man im Mittelfeld für mehr Präsenz sorgen und den Aufbau etwas beschleunigen. Wichtige Faktoren dabei: Sebastian Rudy, den man "im Spielaufbau immer besser hinbekommt" sowie Nabil Bentaleb, der "in seiner neuen Position offensiv aufblüht". Der umsichtige und spielstarke Rudy gibt den Aufbauspieler vor der Abwehr, Bentaleb kann seinen Zug zum Tor und die Fähigkeiten beim (vor)letzten Pass als Zehner besser einbringen.

Mix aus Bosz und Stöger: Favre entfesselt Dortmunds Potenzial

Marco Reus (Borussia Dortmund)

Marco Reus (Borussia Dortmund)Imago

Nun scheint der BVB unter Lucien Favre die richtige Mischung gefunden zu haben: Mit einer defensiven Disziplin und Detailtreue, die an die Zeit unter Stöger erinnert und einer offensiven Spielfreude und Durchschlagskraft wie unter Bosz hat sich Dortmund verdient zum Tabellenführer gesiegt. Mittelfeldpressing mit schnellem Umschaltspiel oder Angriffspressing mit dominantem Ballbesitzspiel? Echte Neun Paco Alcacer oder falsche Neun Mario Götze? Der BVB zeigt sich sehr variabel und ist nicht nur vor den Spielen, sondern auch im Verlauf der Partien unberechenbar – und das ist die größte Veränderung im Vergleich zum 4:4 vor fast genau einem Jahr.

Eurosport-Check: Auf der einen Seite hat sich nach dem verrückten 4:4 vor gut zwölf Monaten viel geändert: Dortmund spielt mit einer nahezu perfekten Balance und hat sich völlig verdient zum Titelfavoriten gemausert. Schalke hingegen vertraute womöglich zu lange auf den teils sehr schmeichelhaften Erfolg und bekämpft nun die taktischen Probleme, die grundsätzlich schon letzte Saison da waren.

Auf der anderen Seite stehen die Königsblauen wie im letzten Jahr einem zu diesem Zeitpunkt übermächtig wirkenden Gegner mit einem starken Lauf gegenüber. Das muss im Derby aber ja nichts heißen.

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