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Taktik-Check: FC Bayern München - Was ist aus Pep Guardiolas Erbe geworden?

FC Bayern im Herbst 2018: Was ist aus Peps Erbe geworden?

24/11/2018 um 14:47Aktualisiert 24/11/2018 um 14:48

Die Tabellenspitze ist weit entfernt, der FC Bayern hat im Topspiel gegen den BVB die (aktuellen) Grenzen aufgezeigt bekommen. Was ist aus den einst unter Pep Guardiola nach Belieben dominierenden Münchenern geworden? Eurosport.de analysiert vor dem Spiel der Bayern gegen Düsseldorf (heute 15:30 Uhr im Liveticker), was aus Guardiolas Erbe geworden ist.

In der Bundesliga muss man auch als FC Bayern jeden Gegner ernst nehmen – auch Fortuna Düsseldorf am Samstag. Dennoch gab es vor einigen Jahren Zeiten, in denen man – bei allem Respekt vor einem Aufsteiger – vor dem Spiel wirklich nur über die Höhe des Münchener Kantersiegs sprechen musste.

Aktuell kann man sich hingegen sogar einen Ausrutscher oder zumindest einen hart erarbeiteten Pflichtsieg vorstellen.

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Dominanz kommt von Defensive

Dem FC Bayern gelingt es zur Zeit nur sehr selten, über weite Strecken des Spiels Dominanz aufzubauen. In den Jahren unter Pep Guardiola zeichneten sie sich dadurch aus, dass der Gegner schlichtweg nicht die sprichwörtliche Luft zum Atmen bekam. Mit einem bedingungslosen Angriffspressing wurden die Ballbesitzphasen des Gegners sehr kurz gehalten, verstärkt wurde dies noch vom ebenso starken Gegenpressing. Auch direkt nach Ballverlust rannten (!) die Bayern den Gegner an – und zwar beim Stand von 0:0 genauso wie beim Stand von 4:0.

Diese defensive Bereitschaft flammte unter Jupp Heynckes noch einmal auf, wenn auch nicht in dieser Intensität, hier zog man sich nach der “Jagd” auch mal weiter zurück und versuchte zu kontern. Mittlerweile trauen sich viele Bundesligisten gegen den Branchenprimus längere Ballbesitzphasen zu, bauen konstruktiv auf und erspielen sich Torchancen – es gab Zeiten, da kam Manuel Neuer höchstens bei Standardsituationen oder vereinzelten Kontern in Bedrängnis.

Manuel Neuer mit Pep Guardiola

Manuel Neuer mit Pep GuardiolaGetty Images

Woran auch immer es liegt: Niko Kovac gelingt es nicht, seine Spieler bei der Arbeit gegen den Ball auf den Stand der dominanten Phase vor ein paar Jahren zu bringen. Dabei spielt die Kommunikation ebenso eine Rolle wie die taktische Detailarbeit. Denn selbst wenn die Spieler die Bereitschaft haben, hoch und intensiv anzulaufen, den Gegner auch nach Ballverlust direkt zu jagen – wenn die Abstände zwischen den einzelnen Spielern sowie ganzen Mannschaftsteilen nicht stimmen, funktioniert ein (Gegen)Pressing auch mit zehn topmotivierten Akteuren nicht.

Die Kunst des In-Game-Coachings

Ein weiterer Grund für Bayerns jahrelange Dominanz war die außergewöhnliche Anpassungsfähigkeit: Guardiola erkannte oft schon nach wenigen Minuten, was sich der Gegner ausgedacht hatte und reagierte dementsprechend. Mal waren es Nuancen, zum Beispiel ließ er einen Außenverteidiger sehr hoch und den anderen nah bei den Innenverteidigern spielen, mal waren es klare Systemumstellungen oder sogar frühzeitige Auswechslungen.

Pep Guardiola gibt David Alaba taktische Anweisungen

Pep Guardiola gibt David Alaba taktische AnweisungenImago

Das sogenannte "In-Game-Coaching", also das aktive Eingreifen des Trainers auf das Spielgeschehen scheint noch nicht Kovacs große Stärke zu sein. Schafft es Bayern nicht, den Gegner spielerisch zu knacken, tut sich oft lange Zeit nichts bis man am Ende dann die Brechstange auspackt - oder eben mit Unentschieden oder Niederlagen vom Platz geht.

Dass solche Misserfolge von den Verantwortlichen wie zuletzt in Dortmund schöngeredet werden, obwohl man defensiv geschwommen war wie selten, wirft Fragen auf: Entspricht das wirklich dem Selbstverständnis des FC Bayern in der Saison 2018/19?

Eurosport-Check: Der FC Bayern ist auf einem Weg, der nicht den eigenen Ansprüchen genügen kann. Niemand erwartet, dass jeder Gegner an die Wand gespielt wird - trotzdem kann und muss man mit diesem Kader trotz Verletzungssorgen in der Lage sein, Dominanz aufzubauen. Von jener Dominanz wie unter Guardiola oder phasenweise auch unter Heyneckes ist aktuell nichts zu sehen, weder offensiv noch defensiv kann das Team überzeugen.

Niko Kovac muss nun liefern: Kann er seine Spieler taktisch und psychologisch dahin bringen, dass sie richtig guten und erfolgreichen Fußball spielen? Gegen Düsseldorf stehen Trainer und Mannschaft unter Druck - viel mehr muss man zum FC Bayern im November 2018 wohl gar nicht sagen.

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