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Taktik-Check: Was Paco Alcácer der BVB-Offensive bringt – und was nicht

Was Alcácer der BVB-Offensive bringt - und was nicht

14/09/2018 um 13:36Aktualisiert 14/09/2018 um 19:43

Zum Auftakt der englischen Wochen geht es für Borussia Dortmund gegen Eintracht Frankfurt (Freitag, 20:30 Live und Exklusiv im Eurosport Player). Vieles spricht dafür, dass Neuzugang Paco Alcácer dort sein Bundesligadebüt im Dortmunder Sturmzentrum geben wird. Eurosport.de analysiert vor der Partie im Taktik-Check, was der Spanier für Elemente ins Spiel der BVB-Offensive einbringen kann.

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Robert Lewandowski, Pierre-Emerick Aubameyang, Michy Batshuayi - und dann? Kurz vor Ende der Transferphase stand Borussia Dortmund noch immer ohne einen echten Mittelstürmer da. Doch schließlich gelang den Schwarzgelben doch noch ein Leihgeschäft mit dem FC Barcelona und Paco Alcácer kam zum BVB.

Dort soll er nun - zumindest vorübergehend - in die Fußstapfen der in den letzten Jahren immer erfolgreichen Mittelstürmer der Borussia treten.

Ein spielender Stürmer ...

Mit gerade einmal 1,75m bringt Alcácer nicht gerade das klassische Gardemaß für einen „Neuner“ mit. Er ist wendig und schnell, besonders im Antritt. Im Testspiel gegen den VfL Osnabrück konnte man bei der Entstehung des Treffers zum 1:0 einen kleinen Vorgeschmack auf die Spielweise des Spaniers bekommen:

Während die Dortmunder Innenverteidiger geduldig aufbauen, steht Alcácer unbeteiligt mitten in der Fünferkette des Gegners. Als Ömer Toprak dann mit dem Ball Richtung Mittelfeld dribbelt, löst sich Alcácer mit einem kleinen Antritt von seinem Gegenspieler und zeigt sich zwischen Abwehr und Mittelfeld der Osnabrücker. Er lässt den Ball kurz auf Shinji Kagawa prallen und geht gleich wieder in die Tiefe. Als er jedoch bemerkt, dass Kagawa das Spiel auf den Flügel verlagert und kein Ball in die Spitze kommen wird, dreht Alcácer plötzlich ab und zeigt sich wieder als Anspielstation "auf Lücke".

Mit einem feinen ersten Kontakt per Hacke leitet er den Ball von außen erneut auf Kagawa weiter, der den einlaufenden Brun-Laarsen im Zentrum bedient. Man benötigt nicht viel Fußballphantasie, um sich eine vergleichbare Szene gegen die aggressiv, manchmal aber etwas kopflos verteidigenden Frankfurter vorzustellen.

Paco Alcacér (li.) und Jacob Bruun Larsen (re.)

Paco Alcacér (li.) und Jacob Bruun Larsen (re.)Imago

"Du kannst mit ihm kombinieren, er spielt Fußball - und er versteht Fußball", sagte Trainer Lucien Favre auf der Pressekonferenz über Alcacer. Dessen ausgeprägtes Spielverständnis und die technische Umsetzung solcher Aktionen auf engem Raum dürften vor zwei Jahren zwei Hauptgründe für den FC Barcelona gewesen sein, 30 Millionen Euro für Alcacer an den FC Valencia zu überweisen.

... mit eingebauter Torgarantie

Doch neben all seinen spielerischen Stärken bietet der 13-fache Nationalspieler doch noch eine klassische Stürmereigenschaft: Er ist ein eiskalter Vollstrecker. Seine Torquote hat sich durch die Zeit als Joker beim FC Barcelona etwas verschlechtert, ist mit 43 Treffern aus 151 Spielen aber noch immer gut, hinzu kommen 22 direkte Vorlagen.

Alcácer hat ein gutes Timing beim Einlaufen in den Strafraum – sei es bei Flügelangriffen oder beim Spiel durchs Zentrum. Sein großer Vorteil: Er ist es gewohnt, in einer favorisierten, dominanten Mannschaft gegen tiefstehende Gegner zu spielen und Lösungen zu finden. Gerade gegen die oft mannorientiert verteidigenden Frankfurter könnten seine Fähigkeiten am Freitagabend wichtig werden.

Paco Alcacer (BVB)

Paco Alcacer (BVB) Twitter

Kommt er zum Abschluss, geht es meistens ganz schnell: Alcácer ist kein Spieler, der in Tornähe noch viele Haken schlägt oder sich den Ball zum Kunstschuss zurechtlegt - es darf auch mal ganz klassisch die Pike sein. Seine Technik ist sowohl mit dem rechten als auch mit dem etwas schwächeren linken überdurchschnittlich, oft schließt er schon mit dem ersten oder zweiten Kontakt ab, gerne auch durch die Beine der Verteidiger. Favre bezeichnete ihn in der Pressekonferenz passend als sehr „geschickt vor dem Tor“.

Passend für Favres Pressing?

Was man von Alcácer nicht erwarten kann, sind viele Kopfballtore oder dass er als Zielspieler für lange Bälle fungiert. Beides ist jedoch kein wesentlicher Bestandteil im Dortmunder Spiel - zumeist spielt man ohnehin gegen tief in der eigenen Hälfte stehende Gegner. Auch das klassische „Festmachen“ des Balls mit Gegner im Rücken wird man nicht oft sehen, Alcácer löst solche Situationen eher durch Antritt, Finten und Passspiel - siehe das beschriebene 1:0 gegen Osnabrück.

Es wird zudem interessant zu beobachten sein, wie (und wie schnell) sich der Neuzugang an das Pressing beim BVB gewöhnt. Auch beim FC Barcelona wurde hoch und intensiv gepresst, allerdings gibt es bei jedem Trainer ein paar Eigenheiten, die im Detail liegen. Was sind die Pressingsignale? Wo soll der Ball gewonnen werden?

Mit seiner Schnelligkeit und grundsätzlichen Spielintelligenz sollte sich Alcácer eigentlich recht gut zum Dortmunder Pressing passen, das in Zukunft sehr variabel sein soll. Neben Phasen des aggressiven Anlaufens soll es - wie es typisch für Mannschaften von Favre ist - auch Phasen geben, in denen man aus einer tieferen Grundpositionen das Konterspiel forciert. Auch hier dürften Alcácers Tempo und sein Timing beim Starten in die richtigen Räume wichtig werden.

Eurosport-Check: Nach einigen Experimenten mit Flügelspielern oder offensiven Mittelfeldspielern im Sturmzentrum kann Favre nun auf eine echte Fachkraft auf der Neun setzen. Alcácer ist ein Spielertyp, der dem idealen Stürmer in der Favre-Spielphilosophie sehr nahe kommt: Schnell, spielintelligent, zielstrebig. Gerade gegen Defensivbollwerke kann er mit seinen Fähigkeiten für Unruhe sorgen und Mitspieler in Position bringen bzw. ihnen Räume freiziehen. Kommt er dann selbst in torgefährlichen Zonen an den Ball, wird Alcácer schnell seine Qualitäten beim schnörkellosen Torabschluss zeigen.

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