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Das BVB-Dilemma: (Fast) nichts geht ohne Alcácer

Das BVB-Dilemma: (Fast) nichts geht ohne Alcácer

01/11/2019 um 10:35Aktualisiert 01/11/2019 um 10:52

Im DFB-Pokal gegen Borussia Mönchengladbach stand Paco Alcácer erstmals seit fünf Pflichtspielen wieder im Kader von Borussia Dortmund. Höchste Zeit, denn die Offensive des BVB lahmte in den vergangenen Wochen ohne den 26-Jährigen gewaltig. Der verletzungsbedingte Ausfall zeigte einmal mehr auf, was der Mannschaft von Trainer Lucien Favre im möglichen Kampf um die Meisterschaft fehlt.

Höchste Zeit, denn der Torriecher des 26-Jährigen fehlte der Borussia an allen Ecken und Enden.

BVB-Offensive lahmt ohne Alcácer

In der Abwesenheit des Goalgetters durften sich abwechselnd Mario Götze, Julian Brandt, Marco Reus und Jacob Bruun Larsen in der Sturmspitze probieren - mit mäßigem Erfolg.

Nur Reus und mit Abstrichen Götze, dessen Einsatzminuten bislang stark begrenzt waren, sorgten an vorderster Front für Torgefahr. Jedoch musste Dortmund in der zweiten Runde des DFB-Pokals auf das Offensivduo weitestgehend verzichten. Einzig Götze kam in der 78. Minute noch zu einem Kurzauftritt.

Nichtsdestotrotz bleibt festzuhalten: Die zu Saisonbeginn so hochgelobte Offensivmaschinerie der Schwarz-Gelben lahmte ohne Alcácer zuletzt, was die überschaubare Torausbeute von gerade einmal drei Treffern (alle gegen Gladbach in der Liga und im Pokal) in den vergangenen vier Pflichtspielen mehr als deutlich macht.

Marco Reus - Borussia Dortmund

Marco Reus - Borussia DortmundImago

Auswärts blieb die Mannschaft von Lucien Favre gegen Inter Mailand und den königsblauen Lieblingsrivalen aus Gelsenkirchen sogar gänzlich ohne eigenen Torerfolg - nicht sehr verwunderlich bei gerade einmal fünf Schüssen auf den gegnerischen Kasten in beiden Gastauftritten.

In Zahlen ausgedrückt: 299 Minuten war der BVB zwischenzeitlich wettbewerbsübergreifend torlos. Und auch die Drei-Minuten-Gala von Brandt im DFB-Pokal kaschiert nur oberflächlich die Probleme im Angriff.

Das Fehlen seiner prominenten Angreifer wollte Lizenzspielerchef Sebastian Kehl dabei in keiner Weise für den fehlenden Zug zum Tor durchgehen lassen:

"Es wäre zu einfach, nur damit zu argumentieren. Wir wissen natürlich um die Wichtigkeit von torgefährlichen Spielern wie Marco und Paco. Wie müssen es aber trotzdem schaffen, mit unserer Qualität gerade in den Umschaltphasen mehr Torgefahr auszustrahlen."

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Torjägerqualitäten nicht zu ersetzen

Fakt ist, mit dem verletzungsbedingten Ausfall von Alcácer ist dem derzeitigen Tabellenfünften auch die Durchschlagskraft und die Präsenz vor dem Tor abhandengekommen.

Zudem haperte es bei der Borussia in den vergangenen Partien an der Raumaufteilung in der Offensive. Zu häufig war das Sturmzentrum, für gewöhnlich der Wirkungskreis von Alcácer, verwaist. Folglich segelten Hereingaben fast regelmäßig an Freund und Feind vorbei ins Nirwana. Allerdings fanden sich mit Brandt, Bruun Larsen und Götze auch keine ausgemachten Vollstrecker, sondern mehr die Torvorbereiter (Stichwort "falsche Neun") an vorderster Front wieder.

Welche Qualitäten dem BVB mit dem Ausfall von "Paco" gegenwärtig fehlen, wissen auch seine Teamkameraden.

Paco Alcacer - Borussia Dortmund

Paco Alcacer - Borussia DortmundGetty Images

"Er ist ein fantastischer Spieler, der seine Qualitäten vor dem Tor hat", sagte Neuzugang Brandt über seinen Mannschaftskollegen. Kapitän Reus schwärmte ebenfalls von seinem kongenialen Offensivpartner. "Er ist ein wichtiger Spieler für uns. Er weiß, wo der Nebenmann ist, und weiß deshalb, wann er sich zurückhalten sollte", lobte der 30-Jährige und ergänzte:

"Paco ist ein eiskalter Torjäger, der nicht viele Chancen braucht."

Alcácer fast so wichtig wie Lewandowski

Genau das stellte der Spanier zu Beginn der Saison unter Beweis, als er sogar auf den Spuren von Robert Lewandowski wandelte: Alcácer traf in jedem der ersten sechs Pflichtspiele, insgesamt siebenmal und lieferte sich zunächst ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem Polen an der Spitze der Torjägerliste - bis ihn erst Achillessehenbeschwerden und anschließend muskuläre Probleme in der Wade zum Aussetzen zwangen.

Bereits in der vergangenen Saison avancierte der Ex-Barça-Stürmer mit 18 Treffern zum Top-Torjäger der Borussia und hielt die Favre-Elf mit seinen Toren lange im Meisterrennen. Immerhin gewann der BVB in der Bundesliga satte 69 Prozent seiner Spiele, wenn der Spanier auf dem Feld stand, wohingegen es ohne ihn gerade einmal 38 Prozent waren.

In der gegenwärtigen Situation fehlt Dortmund ein Spielertyp wie Alcácer - oder eben Lewandowski, der dem FC Bayern auch in schwächeren Spielen mit seinen Toren zum Sieg führte. Oder anders ausgedrückt: dem BVB geht derzeit ein klassischer Mittelstürmer ab.

Comeback wohl in absehbarer Zeit

Es wäre allerhöchste Zeit, denn: Auch in der Königsklasse blieb der BVB saisonübergreifend in sechs der letzten acht Spiele torlos.

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