Abdou Diallo spürt gesteigerte Wertschätzung. In den Gesprächen mit Paris Saint-Germain haben ihm die Verantwortlichen ordentlich Honig ums Maul geschmiert.
Der 23-Jährige soll absoluter Wunschspieler von Trainer Thomas Tuchel sein. Laut der französischen Zeitung "L'Equipe" hat Diallo von Sportdirektor Leonardo sogar eine Stammplatz-Garantie bekommen. Notfalls würde der französische Meister gleich das System für den Neuzugang ändern - Fünferkette für Diallo sozusagen. Obendrauf dürfte ein sportlicher Gehaltssprung drin sein.
Nicht die schlechtesten Argumente für einen Wechsel. Oder wie Diallo es formuliert:
Bundesliga
Für über 30 Millionen Euro: Diallo offenbar vor Abgang vom BVB
14/07/2019 AM 20:28
Es ist eine Form der Anerkennung meiner Arbeit zu hören, dass PSG mich will. Ein junger Spieler in Europa, der behauptet, dass das PSG-Projekt nicht interessant ist, ist nicht glaubwürdig. Es ist ein schönes Projekt.
Nun ist es so, dass Diallo Teil dieses "schönen Projektes" sein darf. Unmittelbar nach Bekanntgabe des Wechsel schwärmte er daher: "Es ist eine große Ehre, in einem so angesehenen Verein zu spielen. Ich habe immer gesagt, dass das Pariser Projekt sehr attraktiv ist. Der heutige Beitritt zum Klub ist ein weiterer wichtiger Schritt in meiner Karriere."

Abdou Diallo ist fit für das Duell mit seinem Ex-Klub

Fotocredit: SID

Aus Sicht von Borussia Dortmund hätte es jedoch - abgesehen von 34 Millionen Münzen - eine Menge Argumente gegen einen Diallo-Verkauf gegeben. Lässt sich jetzt nicht mehr ändern. Wäre aber vielleicht besser.
Diallo war erst im Sommer 2018 vom 1. FSV Mainz 05 zum BVB gewechselt, der Vertrag des Franzosen lief eigentlich noch bis Juni 2023. Unter Trainer Lucien Favre zählte Diallo im vergangenen Jahr zu den Stammspielern. Nur sieben von 45 Pflichtspielen verpasste er und war damit absoluter Leistungsträger.

Diallo äußert sich zur Positionsproblematik

Der Spieler kennt diese Statistiken. Weg wollte er trotzdem. Hauptgrund dürfte die unklare Perspektive gewesen sein. Denn eigentlich wurde der Franzose für die Abwehrmitte geholt. Meistens setzte ihn Trainer Lucien Favre aber auf der linken Abwehrseite ein.
"Ich bin nicht dafür gemacht, aber für das Team habe ich es getan“, sagt Diallo. Und weiter:
Ich bin Innenverteidiger im Herzen. Es ist nicht mein Plan, mehrere Saisons Außenverteidiger zu spielen.

Gab sein Comeback im BVB-Trikot: Mats Hummels

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Überhaupt zu spielen, wäre beim aufgemotzten BVB in der kommenden Saison wohl schwer geworden. In der Mitte scheinen Hummels und Akanji gesetzt, für links kam Nico Schulz neu dazu. Die Verantwortlichen konnten Diallo nicht davon überzeugen, zu bleiben und zu kämpfen. Behalten hätte man den - dann vermutlich bockigen - Spieler dennoch können. Jeder kennt die Unwegbarkeiten, die eine Saison mit sich bringt. Diallo wäre sicher auf seine Spiele gekommen.

Problemzone nicht gänzlich geschlossen

Nun streiten sich plötzlich Ömer Toprak, Zagadou und Julian Weigl um den Platz als erste Alternative - das klingt solide aber eben nicht herausragend aus Dortmunder Sicht. Dahinter wartet mit Leonardo Balerdi ein 20-Jähriges 15-Millionen-Euro-Versprechen, das bislang noch niemand so recht einschätzen kann.
Diallos Verkauf birgt nicht nur innen ein Risiko. Auch die linke Defensivseite wirkt plötzlich nicht mehr ganz so stabil. Besonders dann, wenn Raphael Guerreiro seinen angestrebten Wechsel ebenfalls in die Tat umsetzt. Eine Belegschaft bestehend aus Nico Schulz und Marcel Schmelzer wirkt dann doch etwas luftig.
In der Analyse nach Saisonende wurde herausgearbeitet, dass der BVB die Meisterschaft vor allem in der Defensive verloren hatte. 44 Gegentore waren auf lange Sicht deutlich zu viel. Der Kader sollte hier breiter aufgestellt werden. Nach Diallos Abgang ist dieses Vorhaben für den Moment misslungen.
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