Axel Witsel war sichtlich bedient.

Anstatt sich mit einer ordentlichen Vorstellung in die Sommerpause zu verabschieden, kassierte Borussia Dortmund gegen die TSG Hoffenheim am letzten Bundesligaspieltag eine 0:4 (0:2)-Klatsche im heimischen Signal Iduna Park und ließ nahezu alle elementaren Tugenden des Fußballs vermissen.

Ligue 1
BVB und Kovac buhlen offenbar um Nachwuchstalent
20/07/2020 AM 14:09

"Da gibt es nichts zu erklären. Sie waren aggressiver, hatten mehr Motivation. Wir wollten die Saison nicht so beenden", polterte der 31-Jährige bei "Sky" im Anschluss an die höchste Heimpleite des BVB seit fast zwei Jahrzehnten und betonte:

"Es war ohne Ball nicht genug. Wir müssen alle zusammen verteidigen. Wenn nur ein paar Spieler laufen und verteidigen, ist es schwierig, ein Spiel zu gewinnen. Auf dem Papier bist du vielleicht das bessere Team, aber auf dem Feld ist es anders."

Axel Witsel (Borussia Dortmund) im Spiel gegen die TSG Hoffenheim

Fotocredit: Getty Images

BVB: Leistungen von Witsel stagnierten zuletzt

Es war der unrühmliche Schlusspunkt einer aus BVB-Sicht insgesamt nicht ganz zufriedenstellenden Spielzeit, die mit der erneuten Vizemeisterschaft jedoch ein ordentliches Ende nahm.

"Wir hatten Aufs und Abs in der ersten Hälfte der Saison. Die zweite Hälfte war besser, aber wir können es natürlich noch besser machen." Unter dem Strich, erklärte Witsel, sei es "keine Schande", hinter Bayern zu landen: "Nächste Saison gehen wir den Kampf mit ihnen wieder an."

Dabei ist der Mittelfeldspieler auch persönlich gefragt. Zumal seine Leistungen in den vergangenen Wochen und Monaten ein Stück weit stagnierten.

Nachdem er seiner Ankunft in Dortmund im Sommer 2018 eine überragende erste Halbserie folgen ließ, war die Erwartungshaltung rund um den Borsigplatz entsprechend groß. In der Folgezeit konnte Witsel jedoch nahezu zu keinem Zeipunkt an seine starken Vorstellungen aus der Vorsaison anknüpfen, wie ein Blick auf die Statistiken beweist.

Witsel: Noch nicht der erhoffte Führungsspieler

In seiner ersten Bundesligasaison etablierte sich der Neuzugang schnell zum Fixpunkt im Spiel der Borussia und verzeichnete mit 85 Ballkontakten pro Spiel mit Abstand die meisten in seiner Mannschaft. In der abgelaufenen Spielzeit waren es nur noch 73 Ballaktionen, was Witsel aus der teaminternen Spitzengruppe purzeln ließ.

Ein ähnliches Bild zeichnete sich auch bei der Zweikampfführung ab: Konnte der Mann mit der auffälligen Haarpracht in der Vorsaison noch starke 60 Prozent seiner direkten Duelle gewinnen, waren es in der Spielzeit 2019/20 nur noch 53.

Axel Witsel (rechts; Borussia Dortmund) im Zweikampf mit Robert Lewandowski (links; FC Bayern München)

Fotocredit: Getty Images

Einzig in der Kategorie Torbeteiligungen konnte er im Vergleich zu seiner Debüt-Saison zulegen (neun Scorerpunkte gegenüber sieben).

Von der Grundidee der BVB-Bosse, dass der Belgier die Mannschaft von Trainer Lucien Favre auf dem Platz führen soll, war zuletzt nur noch wenig zu sehen. In schwierigen Zeiten, die es bei der Borussia in dieser Saison beileibe gab, gelang es Witsel nicht, voranzugehen und seine Teamkollegen mitzureißen.

BVB: Neuzugang Bellingham soll Witsel Feuer machen

Auch deshalb justierten die Verantwortlichen im vergangenen Winter noch einmal nach und stellten dem 31-Jährigen mit Emre Can einen echten "Mentalitätsspieler" auf der Doppelsechs an die Seite. "Er gibt uns eine bessere Balance", schwärmte auch Witsel von seinem Nebenmann.

Obwohl Favre nach wie vor große Stücke auf seinen Schützling hält ("Er ist einer der wichtigsten Spieler"), wackelt der Stammplatz des belgischen Nationalspielers mittlerweile - auch, wenn er zu Beginn der neuen Saison im Normalfall gesetzt sein sollte.

Spotify oder Apple Podcast? Höre alle Folgen "Extra Time" auf der Plattform deines Vertrauens

Mit Jude Bellingham verpflichtete Dortmund zuletzt einen im weitesten Sinne weiteren Konkurrenten, der dem Routinier von Beginn an Feuer machen soll. Hinzu kommen noch Thomas Delaney, Mahmoud Dahoud und Tobias Raschl, die auf eine weitere Bewährungschance lauern.

Fakt ist, Witsel muss in der kommenden Saison unbedingt an die Leistungen aus seinem ersten Halbjahr beim BVB anknüpfen, um in der Zentrale gesetzt zu sein und Auftritte wie beim letzten Saisonspiel gegen Hoffenheim zu verhindern.

Das könnte Dich auch interessieren: Rätselraten um Reus: Wird er wieder ganz der Alte?

Wer kommt, wer geht? So ist der Stand beim BVB

Bundesliga
"Hey Jude" - so cool begrüßen die BVB-Stars Neuzugang Bellingham
20/07/2020 AM 09:38
Bundesliga
Oben ohne auf dem Traktor: BVB stichelt gegen Haaland wegen Urlaubsfoto
17/07/2020 AM 07:14