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Das Neuer-Beben beim FC Bayern: Lahm lässt herzlich grüßen

Das Neuer-Beben beim FC Bayern: Lahm lässt herzlich grüßen

06/07/2019 um 18:12Aktualisiert 06/07/2019 um 19:25

Ärger ist im Verzug beim FC Bayern. Mit dem Interview in der "SZ“ sendet die Fraktion Manuel Neuer in Person von Berater Thomas Kroth ein deutliches Zeichen, ja fast schon eine Drohung, in Richtung der Vereinsführung. Die geplante Transfer-Offensive ist zur Transfer-Verzweiflung verkommen. Es fehlt eine klare Struktur. Dabei erinnert Neuers Vorgehen vor allem an einen: Philipp Lahm.

Manuel Neuer und sein Berater sind eigentlich nicht dafür bekannt, vorzupreschen, die Kritik-Keule zu schwingen oder einfach mal jemanden in die Pfanne zu hauen – im Gegenteil. Ähnliches galt allerdings auch für Philipp Lahm.

Am 7. November 2009 erschien in der "Süddeutschen Zeitung" jedoch ein Interview, in dem Lahm - damals 25 Jahre alt und bereits Aushilfskapitän beim Rekordmeister - die Vereinspolitik der Münchner kritisierte. Und wie!

So spricht Kroth vom Münchner Generationswechsel und betont:

"Mein Eindruck ist, dass der Abstand zu den vier englischen Top-Teams schon gravierend ist und der Münchner Kader aktuell noch nicht entsprechend - also konkurrenzfähig - aufgestellt ist, um auch die Ziele von Manuel ernsthaft anzugehen."
Manuel Neuer

Manuel NeuerSID

Daher müsse sich sein Schützling nun Gedanken über die Zukunft machen. Bis 2021 läuft der Vertrag der deutschen Nummer eins noch. Wie es danach weitergeht, hängt vor allem vom Klub selbst ab. "Wenn er merkt, der FC Bayern klotzt ran, dann wird er noch mal richtig aufblühen", ist sich Kroth sicher. Aber eben nur dann.

Kritik mit Folgen: Lahm lässt grüßen

Doch zurück zu Lahm. Es ist eine schwere Zeit, der Herbst 2009 in München. In der Liga humpeln die Bayern der Konkurrenz hinterher, in der Champions League droht das Vorrunden-Aus.

Dabei hatte der Klub im vorangegangenen Sommer erst massiv in den Kader investiert. Anatoliy Tymoshchuk, Arjen Robben, Mario Gomez: Die Vereinsbosse ließen sich nicht lumpen. Und doch drohte schon im Herbst der Super-GAU.

Lahm sah sich in der Pflicht und polterte gegenüber der "SZ": "Wenn man unsere Mannschaft mit anderen Topteams aus der Champions League vergleicht, dann sind diese eben auf sieben, acht Positionen strategisch erstklassig besetzt - und das fehlt uns."

Er monierte eine fehlende Spielphilosphie, eine wilde Transfer-Politik, fehlende Identität, mangelnde Qualität im Kader oder einfach kurz gesagt: Er zerlegte den FC Bayern in einem einzigen Interview in seine Einzelteile.

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Die Folgen waren verheerend. Lahm musste zum Rapport bei den Oberen Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß, bekam die bis dahin höchste Geldstrafe (50.000 Euro) aufgebrummt, die je ein Bayern-Spieler hatte zahlen musste. Aber: Er bekam eben auch die Aufmerksamkeit der Bosse.

Das zahlte sich aus. Die Münchner entwickelten sich in der Folge zum Global Player, wie es Rummenigge rückblickend so gerne formuliert. Dreimal stand der FCB anschließend im Champions-League-Finale, einmal siegreich.

Lahm wird Jahre nach dem Interview in seinem Buch über die Strafe schreiben:

"Das ist viel Geld, aber ich finde, ich habe es gut investiert."

Bayern bekommt die Wunschspieler nicht

Ob Neuer nun ein ähnliches Echo zu erwarten hat wie sein berühmter Vorgänger, ist eher unwahrscheinlich. Die Kritik ist nicht so grundlegend und polternd. Und vor allem kommt sie von seinem Berater.

Dennoch ist klar, dass Kroths mit seiner öffentliche Darlegung Neuers Interessen vertritt. Schließlich ist genau das sein Job. Daher bekräftigt er auch: "Manuel will und braucht eine Aufgabe, ein fixes Ziel“, um dieses gleich zu formulieren:

" Er will die Europameisterschaft gewinnen, und er will noch mal die Champions League gewinnen. "

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Die Anziehungskraft für andere Spieler, die sich die Bayern durch die Erfolge in der letzten Dekade erarbeitet haben, sie hat stark nachgelassen. Nun bröckelt sie offenbar auch intern.

FC Bayern: Es braucht eine klare Strategie

Gestandene Spieler wie Neuer machen sich Sorgen und treten damit plötzlich auch an die Öffentlichkeit. Dass der eine oder andere Bayern-Spieler mit der vergangenen Saison unter Neu-Trainer Kovac nicht zufrieden war, ist kein Geheimnis. Einige dieser Kovac-kritischen Stars (Hummels, Rafinha) sind jetzt weg – aber eben nicht alle.

Sollen auch weiterhin Spitzenspieler wie einst Franck Ribéry und Arjen Robben den Weg nach München finden, braucht es eine klare Strategie im Verein. Wie möchte man spielen lassen? Welcher Trainer passt dazu? Welche Spieler benötigt man dafür? All diese Fragen muss sich der FC Bayern stellen und beantworten.

Aktuell wirkt es jedoch eher so, als wüsste man nicht so recht, wie man auf dem Transfermarkt agieren soll. Dass diese Ansicht mittlerweile auch intern angekommen ist (und nach außen getragen wird), sollte der Vereinsführung zu denken geben.

Neuer will laut Kroth 2021 keinesfalls die Fußballschuhe an den Nagel hängen. "Die Vertragsverlängerung und ein Karriereende beim FC Bayern ist natürlich das naheliegende Modell. Aber nicht das einzige", verrät der Berater. Der FC Bayern wird Neuer eine Perspektive bieten müssen, damit es beim naheliegenden Modell bleibt. Ihm, und vielen seiner Kollegen.

So wie einst bei Philipp Lahm.

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