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Kommende Stars oder One-Hit-Wonder? Die jungen Wilden der Bundesliga

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Florian Wirtz, Melayro Bogarde und Lazar Samardzic (v.l.n.r.)

Fotocredit: Getty Images

VonMarc Hlusiak
03/06/2020 Am 18:25 | Update 03/06/2020 Am 21:06
@mhlus

Die erlaubten fünf Wechsel und der fehlende Publikumsdruck in den leeren Stadien verschaffen gerade einigen Youngstern die ersten Bundesliga-Minuten. Seit dem Restart nach der Pause infolge der Corona-Pandemie kamen fünf hochtalentierte U20-Spieler zu ihren Debüts im Oberhaus. Wer sind die Jungspunde, was können sie und was darf man von ihnen erwarten? Eurosport.de verschafft einen Überblick.

Es ist die unbestritten außergewöhnlichste Bundesliga-Saison der Geschichte. 66 Tage ruhte der Spielbetrieb zwischen März 2020 und Mai 2020 aufgrund der Coronavirus-Pandemie. Seit dem Restart am 16. Mai sind die Stadien leer und werden das auch bis auf Weiteres bleiben.

Zudem sind den Vereinen für den Rest der Saison fünf anstelle der üblichen drei Wechsel pro Partie erlaubt. Gegebenheiten, die nicht wenige Klubs dafür nutzen, ihre jungen Talente ins kalte Bundesliga-Wasser zu schmeißen.

Bundesliga

Weltmeister, Absteiger, Durchstarter: Darum beißt sich Pavard bei Bayern fest

03/06/2020 AM 11:22

Mit Maximilian Beier (17, TSG 1899 Hoffenheim), Oliver Batista Meier (19, FC Bayern München), Lazar Samardzic (18, Hertha BSC), Melayro Bogarde (18, TSG 1899 Hoffenheim) und Florian Wirtz (17, Bayer Leverkusen) kamen fünf hochtalentierte U20-Spieler im Jahr 2020, vier davon erst nach dem Bundesliga-Restart, zum Debüt.

Das ist dem jungen Quintett zuzutrauen.

Florian Wirtz: "Mindestens Kategorie Havertz"

  • Verein: Bayer Leverkusen
  • Alter beim Debüt: 17 Jahre, 15 Tage
  • Position: Offensives Mittelfeld

Sein Wechsel vom 1. FC Köln zu Bayer Leverkusen schlug im Rheinland hohe Wellen, spätestens seit seinem Bundesliga-Debüt beim 4:1-Sieg in Bremen (18. Mai 2020) weiß ganz Deutschland warum. Nur 15 Tage nach seinem 17. Geburtstag stand Wirtz in der Startelf des Champions-League-Aspiranten Bayer Leverkusen, wurde damit hinter Yann Aurel Bisseck (16 Jahre, elf Monate, 28 Tage) und Nuri Sahin (16 Jahre, elf Monate, ein Tag) zum drittjüngsten Bundesliga-Spieler der Geschichte.

Florian Wirtz (links) im Spiel gegen Werder Bremen

Fotocredit: Getty Images

Wirtz gilt als eines der größten Mittelfeldtalente in ganz Europa, wird jetzt schon mit Teamkollege und Nationalspieler Kai Havertz verglichen. "Wenn er gesund bleibt, ist er mindestens ein Spieler der Kategorie Havertz", schwärmt beispielsweise Jörg Jakobs, der frühere Nachwuchsleiter bei den Geißböcken im "Kicker" und beschreibt die Stärken des Youngsters: "Florian kann alles, hat enormen Spielwitz, starke Technik, unglaubliche Spielintelligenz, ist schnell mit dem Ball, kann dribbeln."

Fußballerisch ist das sensationell. Ich glaube, da haben wir uns ein Riesentalent geangelt.

Ähnlich begeistert zeigen sich auch die eigenen Teamkollegen. Abwehrchef Sven Bender sieht ihn in seiner Entwicklung "unfassbar weit" und fügt an: "Fußballerisch ist das sensationell. Ich glaube, da haben wir uns ein Riesentalent geangelt."

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Dass Wirtz' Debüt kein Zufall war, zeigten die nachfolgenden Spiele. Seit dem Restart kam der gebürtige Pulheimer in drei von vier Spielen zum Einsatz, zwei Mal stand er in der Startelf.

Auch beim DFB genießt Wirtz bereits allerhöchstes Ansehen. "Er ist ein feiner, zielstrebiger Kerl, der weiß, wo er hin will", wird DFB-Nachwuchschef Meikel Schönweitz im "Kicker" zitiert: "Er ist für uns beim DFB ein Hoffnungsträger, das muss man klar so sagen."

Nichts weniger als das ist er auch bei seinem Verein Bayer Leverkusen.

Maximilian Beier: Auf dem Weg zum deutschen Lewandowski

  • Verein: TSG 1899 Hoffenheim
  • Alter beim Debüt: 17 Jahre, 3 Monate, 22 Tage
  • Position: Stürmer

"Bei Bayern-Spielen schaue ich genau auf ihn. Wo er sich bewegt, wie er sich verhält." Maximilian Beier hat ein großes Vorbild - und das heißt Robert Lewandowski. Der 17-Jährige orientiert sich am Besten, den die Bundesliga - ja vielleicht die komplette Fußballwelt - aktuell auf der Mittelstürmerposition zu bieten hat.

Er ist mit 17 weiter, als es Robert Lewandowski im gleichen Alter war.

Nachvollziehbar, denn Beier hat das Potenzial, eine ähnliche Weltkarriere hinzulegen wie sein polnisches Idol. Maik Barthel, ehemaliger Lewandowski-Berater und nun im direkten Umfeld des Nachwuchsstürmers, sieht Großes in Beier: "Er ist mit 17 weiter, als es Robert Lewandowski im gleichen Alter war - schließlich spielt Beier auch schon in der Bundesliga, Lewandowski spielte seinerzeit bei Legia Warschau 2 in der vierten Liga in Polen."

Maximilian Beier im Spiel gegen Mainz 05

Fotocredit: Getty Images

Für die TSG 1899 Hoffenheim debütierte Beier im Februar 2020 bei der 0:1-Niederlage in Freiburg, kommt seitdem regelmäßig zu Einsätzen. In der U19-Bundesliga Süd/Südwest erzielte er in der laufenden Spielzeit zehn Treffer in 15 Spielen, bei den Profis wartet er noch auf seine erste Torbeteiligung.

"Es ist noch ein weiter Weg, aber die Anlagen sind sehr gut: Beier hat eine sehr schnelle Auffassungsgabe und einen sehr guten ersten Kontakt", schwärmt Barthel. Genau wie Lewandowski zeichnet sich der gebürtige Brandenburger, der in der Jugend von Energie Cottbus ausgebildet wurde, neben starken physischen Voraussetzungen durch enormen Arbeitseifer aus. "Eineinhalb bis zwei Stunden" extra trainiert Beier laut eigener Aussage mit dem Ziel, eines Tages in die Fußstapfen Lewandowskis zu treten.

DFB-Junioren-Chef Schönwitz beschreibt Beiers Stärken so: "Er ist ein schneller, flexibler, technisch versierter und spielintelligenter Stürmer, der immer mal für überraschende Aktionen gut ist."

Melayro Bogarde: Ein Name, der verpflichtet

  • Verein: TSG 1899 Hoffenheim
  • Alter beim Debüt: 18 Jahre, 2 Tage
  • Position: Innenverteidiger

45 Minuten dauerte das Bundesliga-Debüt von Melayro Bogarde beim 1:0-Sieg der Hoffenheimer in Mainz. Ein gelungenes Debüt, auch wenn der Niederländer nicht auf seiner eigentlichen Position ran durfte und Trainer Alfred Schreuder ihn zur Halbzeit auswechselte: "Der Trainer meinte, er sei zufrieden, er hat mich nur wegen der Gelben Karte ausgewechselt", berichtet der Aushilfsrechtsverteidiger, der aufgrund des Ausfalls von Pavel Kaderabek in die Startformation rutschte. "Ich war ein bisschen nervös. Es war alles schneller", so der Teenager.

Melayro Bogarde ist der Neffe des ehemaligen niederländischen Nationalspielers Winston Bogarde. Winston spielte in den späten 90er-Jahren und Anfang des neuen Jahrtausends für Weltklubs wie Ajax Amsterdam, AC Mailand, den FC Barcelona und den FC Chelsea.

Stand jetzt ist er in seinem Alter einer der Besten in Europa.

Mit Ajax gewann er unter Louis van Gaal 1995 die Champions League und den Weltpokal, heute ist er als Co-Trainer der zweiten Mannschaft des niederländischen Vorzeigeklubs tätig.

"Unsere größte Gemeinsamkeit ist unser Körper. Die Männer in unserer Familie sind groß und kräftig. Wir haben diese DNA. Auch mein Bruder", sagt Melayro angesprochen auf den Vergleich mit dem Onkel. Körperliche Voraussetzungen, die auf der Innenverteidigerposition den Unterschied ausmachen.

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Im Abwehrzentrum schafft meist früh den Durchbruch, wer genügend Masse mitbringt. Aktuelle Beispiele sind Dayot Upamecano (RB Leipzig) oder Dan-Axel Zagadou (Borussia Dortmund). Hoffenheims U17-Trainer Marcel Rapp war sich schon im vergangenen Jahr sicher: "Stand jetzt ist er in seinem Alter einer der Besten in Europa. Nicht umsonst wurde er bei der U17-EM ins Allstar-Team gewählt."

Seinen ersten 45 Bundesliga-Minuten gegen Mainz dürften schon bald weitere folgen. Schreuder jedenfalls schien durchaus angetan von seinem Talent: "Das macht Mut für die Zukunft."

Lazar Samardzic: Einer wie Max Kruse

  • Verein: Hertha BSC
  • Alter beim Debüt: 18 Jahre, 2 Monate, 28 Tage
  • Position: Offensives Mittelfeld

Der FC Barcelona, Atlético Madrid, Juventus Turin und AC Mailand: Der italienische Transfer-Guru Gianluca di Marzio behauptet zu wissen, dass all' diese Vereine an Lazar Samardzic von Hertha BSC interessiert sind. Die spanische "AS" erweitert die Liste potenzieller Interessenten noch um die Namen Benfica Lissabon und Real Sociedad San Sebastián.

Abgesehen vom Wahrheitsgehalt dieser Meldungen lässt sich eines aus ihnen herauslesen: Bruno Labbadia hat einen echten Rohdiamanten in seinem Kader.

Samardzic debütierte ausgerechnet im Berliner Derby gegen Union Berlin. In der 81. Minute kam er als fünfte und letzte Option seines Trainers und durfte anschließend einen 4:0-Derby-Erfolg feiern.

Ein toller Service-Spieler, der mich mit seiner guten räumlichen Wahrnehmung, seinem peripheren Sehen ein Stück an Max Kruse erinnert.

Noch kommt der Deutsch-Serbe, der für die deutsche U19 aufläuft, vor allem in der A-Junioren-Bundesliga Nord/Nordost zum Einsatz. 14 Treffer und neun Assists in 16 Spielen zeigen jedoch, dass der gebürtige Berliner dieser Altersklasse längst entwachsen ist.

Samardzic bringt alle Qualitäten für eine große Karriere mit - vereint Torgefahr, Dribbelstärke und ein überragendes Passspiel. "Er ist ein total spannender Spieler, der sehr viel Fantasie in uns weckt", hatte Labbadias Vorgänger Alexander Nouri gegenüber "Bild" gesagt, nachdem er Samardzic am 24. Spieltag (3:3 bei Fortuna Düsseldorf) erstmals in den Profikader berief. "Ein toller Service-Spieler, der mich mit seiner guten räumlichen Wahrnehmung, seinem peripheren Sehen – also seinen Pässen in gewisse Räume für die Mitspieler – ein Stück an Max Kruse erinnert."

So wie viele junge Offensivspieler muss sich Samardzic aber vor allem bei der Arbeit gegen den Ball noch verbessern: "Wenn sich Laki im Defensivbereich noch verbessert und weiter Erfahrung sammelt, kann er den nächsten Schritt machen. Mein Glaube ist groß, dass er in naher Zukunft bei den Profis den Sprung auf das Spielfeld schaffen wird."

Nouri lag richtig.

Oliver Batista Meier: Bereit für den nächsten Schritt

  • Verein: FC Bayern München
  • Alter beim Debüt: 19 Jahre, 3 Monate, 14 Tage
  • Position: Linksaußen

Bei keinem Bundesliga-Klub ist es schwieriger, sich als junges Talent festzuspielen. Der Letzte, der es aus dem eigenen Nachwuchs dauerhaft in den Profikader schaffte, ist David Alaba - und auch der Österreicher brauchte zunächst eine Leihe nach Hoffenheim, ehe er beim Rekordmeister wirklich zum Stammspieler avancierte.

Mit Oliver Batista Meier versucht es seit dieser Saison auch ein hochtalentierter Deutsch-Brasilianer. Beim 5:0 gegen Fortuna Düsseldorf profitierte der 19-Jährige von der neuen Wechselregel und kam als fünfter Einwechselspieler zwölf Minuten vor Spielende für Serge Gnabry in die Partie.

FC Bayern München: Talente Joshua Zirkzee, Oliver Batista Meier, Leon Dajaku, Maximilian Welzmüller

Fotocredit: Imago

Dass Batista Meier brasilianisches Fußball-Blut in den Adern hat, ist unschwer zu erkennen. Er ist technisch beschlagen und mit einem starken Freistoß ausgestattet. Er ist schnell und torgefährlich, erzielte in der U19 in elf Spielen der aktuellen Spielzeit bereits zwölf Treffer - beim 6:0 gegen die TSG Hoffenheim erzielte der gebürtige Kaiserslauterer gleich fünf Treffer.

Statistiken, die zeigen: Batista Meier ist bereit für den nächsten Schritt.

Dass ihn dieser jedoch ohne Umwege in den Profikader der Bayern befördert, darf bezweifelt werden. Die Konkurrenz in der Bayern-Offensive ist mit Gnabry, Kingsley Coman, Ivan Perisic, Thomas Müller und ab der kommenden Saison vielleicht Leroy Sané schlicht zu groß.

Warum also nicht den Weg wählen, den Alaba oder Philipp Lahm in jungen Jahren wählten? Wenn Batista Meier nach seinem Bundesligadebüt Blut geleckt hat, wovon auszugehen ist, dann könnte ihm eine Leihe zu weiteren, ausgiebigeren Einsätzen verhelfen.

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