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3 Dinge, die auffielen: Ein Coutinho macht noch keinen Sommer

3 Dinge, die auffielen: Ein Coutinho macht noch keinen Sommer

31/08/2019 um 19:32

Beim Heimsieg des FC Bayern München gegen den FSV Mainz 05 am dritten Bundesliga-Spieltag wird deutlich, dass der Star-Neuzugang Coutinho noch Zeit braucht, um zu einer Verstärkung zu werden. Benjamin Pavard polarisiert – und trotz des klaren Erfolgs bleiben noch einige Fragen offen, was die Idee von Trainer Niko Kovac angeht. Drei Dinge, die beim 6:1 (2:1) auffielen.

Aus der Allianz Arena berichtet Daniel Rathjen

Coutinho braucht noch Zeit

Philippe Coutinho, der Superstar, soll das Mittelfeld des FC Bayern München mit seiner Kreativität und Dynamik beleben. Gegen den FSV Mainz 05 feierte der Brasilianer sein Startelf- und Heimdebüt.

Was die Zuschauer sahen? Nun ja, noch nicht viel.

Seine Fähigkeiten mit dem feinen Füßchen blitzten nur beizeiten auf. Der Leihgabe des FC Barcelona, dessen fixe Ablöse auf 120 Millionen Euro taxiert wurde, wirkte vielmehr körperlich und geistig nicht immer auf der Höhe, irgendwie gar nervös.

"Ich bin sehr zufrieden und glücklich", sagte Coutinho nach dem Spiel.

Sportdirektor Hasan Salihamidzic wirkte nicht ganz so begeistert, lobte aber dennoch:

"Er hat ein gutes Spiel gemacht. Wenn er den Ball annimmt, sieht jeder, welche Klasse er hat. Wir werden noch viel Freude an ihm haben, da bin ich mir ganz sicher."

Seine Dribblings verpufften anfangs jedoch ebenso wie seine Pässe. Edimilson Fernandes und Danny Latza störten ihn konsequent bei jeder Ballberührung, waren stets eng an ihm dran und ließen ihm kaum eine Möglichkeit zur Entfaltung.

Auch die Bindung zu seinen Kollegen fehlte Coutinho noch, was nach so kurzer Zeit beim FCB allerdings auch verständlich ist. In der Freistoß-Hierarchie muss sich die neue Nummer 10 erstmal hinten einreihen. Den Freistoß aus halbrechter Position kurz vor der Halbzeit ließ David Alaba sich nicht nehmen - und verwandelte.

Dabei stellte Trainer Niko Kovac extra für Coutinho das System um, gab ihm mit Thiago, etwas hinter ihm versetzt, und Joshua Kimmich zwei Absicherungen, damit er sich als Regisseur ausleben konnte. Die 66 Minuten gegen Mainz lieferten noch nicht den Beweis, warum Coutinho zu den besten Mittelfeld-Spielern der Welt gehört. "Er hatte gute Momente, gerade mit dem Ball. Wir wissen, dass er noch nicht in Vollbesitz seiner Kräfte ist. Mit seiner Leistung bin ich zufrieden", ergänzte Kovac.

Ob er für den FC Bayern wirklich zur echten Verstärkung wird, wird sich erst in den kommenden Wochen zeigen.

Pavard polarisiert

Mit zuletzt ansehnlichen Leistungen auf der Position des Rechtsverteidigers hatte sich der Franzose eine erneute Berufung in die Startelf redlich verdient. Kimmich rückte ins Mittelfeld. Gerechtfertigt hat Pavard seine Nominierung zunächst jedoch nicht.

Beim 0:1 in der sechsten Minute war sein unnötiger Ballverlust an der Mittellinie der Ursprung, hinzu kamen regelrechte Aussetzer im Passspiel.

Was dann jedoch passierte, spricht wiederum voll für den Weltmeister von 2018: Er biss sich nämlich zurück, markierte mit seiner schönen Direktabnahme zum 1:1 in der 35. Minute den Ausgleich und war nach der tollen Flanke zum 3:1 von Ivan Perisic (54.) endgültig wieder in der Erfolgsspur.

Benjamin Pavard trifft für den FC Bayern per Direktabnahme

Benjamin Pavard trifft für den FC Bayern per DirektabnahmeGetty Images

Festzuhalten bleibt jedoch: Will Pavard dauerhaft von Beginn an spielen, muss er künftig konstanter werden. Gegen Mainz gab es zwar Licht, aber auch viel Schatten. Die Position rechts hinten wird perspektivisch indes seine einzige Chance auf viele Einsätze bleiben, dort kann er sich ins Rampenlicht spielen, so dass Kovac bei der Auswahl seiner Startelf in wichtigen Partien nicht an ihm vorbeikommt.

In der Innenverteidigung sind Niklas Süle und Lucas Hernandez erste Wahl.

Individuelle Klasse, aber (noch) wenig Idee

Titel gewinnen kann er, so viel ist nach der vergangenen Saison sicher. Doch das ist Vergangenheit.

Jetzt ist die Saison, in der Niko Kovac beweisen kann, dass er als Trainer in der Lage ist, seiner Mannschaft auch ein spielerisches Gesicht zu verpassen. Die Voraussetzungen könnten ob der reichlich vorhandenen individuellen Klasse nicht besser sein.

Und bei einem 6:1-Sieg wie gegen Mainz wirkt Kritik nahezu lächerlich. Sieben Punkte nach drei Spielen sind ebenfalls beachtlich. Trotzdem war bei hochsommerlichen Temperaturen in der Allianz Arena zu sehen, wo es im System noch hakt. Abgestimmt ist dieses sicherlich noch nicht. Kovac merkte an:

"Bis zur 22. Minute waren wir nicht im Spiel. Wir waren nicht griffig genug, wir waren zu weit weg."

Fragen sind zudem noch einige offen: Bleibt Kimmich auf der Sechs oder rückt er wieder nach hinten rechts? Ist Thiago jetzt nur noch "Absicherung" für Coutinho oder darf er auch wieder das Spiel gestalten? Wird Thomas Müller zum Ergänzungsspieler beziehungsweise zahlt es sich aus, das System voll auf Coutinho einzustellen? Und welches Mittel - außer Flanken - fällt den Bayern ein, wenn ein Gegner über 90 Minuten konsequent dagegen hält?

Freistoß-Torschütze David Alaba ist optimistisch:

"Ich bin schon stolz, ein Teil dieser Mannschaft zu sein. Man merkt einfach in den Trainingseinheiten, wie jeder Gas gibt, wie jeder diese Sportart liebt. Wenn man das dann am Wochenende als einer davon auf den Platz bringt, ist das natürlich Wahnsinn."

Mainz ging nach 50 kräftezehrenden Minuten der Saft aus, den Rest erledigte die seinesgleichen suchende individuelle Klasse des Double-Siegers. Es bleibt spannend, wie sich der FCB beispielsweise zum Start in der Champions League präsentiert – und welche Ideen Kovac den Spielern mitgeben kann.

Video - RB-Stürmer Augustin vor Last-Minute-Wechsel

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