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Kalle gegen Kovac: Bayerns schräges Spiel mit dem eigenen Trainer

Kalle gegen Kovac: Bayerns schräges Spiel mit dem eigenen Trainer

01/08/2019 um 12:56Aktualisiert 01/08/2019 um 16:57

Die neue Bundesliga-Saison hat noch gar nicht offiziell begonnen. Doch beim FC Bayern München stehen die Zeichen schon wieder auf Konfrontation. Im Mittelpunkt: Trainer Niko Kovac. Rund um den Audi Cup wurde klar, dass sich dessen Position trotz Double-Triumph nicht zwingend verbessert hat. Besonders Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge fährt eine harte Linie. Wie lange geht das gut?

Es geht schon wieder los.

Nun ist der Double-Trainer und mit ihm der ganze Verein zurück aus der Sommerpause. Man möchte meinen, seine Position sei nun stärker. Nun, es wirkt nicht unbedingt so.

Seit Wochen versucht der Rekordmeister den deutschen Nationalspieler Leroy Sané zu verpflichten. Es ist ein Vorgang epochalen Ausmaßes. Und eigentlich hat er so direkt gar nichts mit dem Trainer zu tun. Denkste!

Früher wurden solche Geschäfte an der Säbener Straße einfach hinter den geschlossenen Vorhängen der Büros der Vorstandsetage abgewickelt. Gab es etwas zu vermelden, vermeldete es der Verein. Diese Zeiten sind längst vorbei.

Wegen Sané: Manchester City weist Bayern zurecht

In Sachen Sané wird ständig und von jedem Stellung bezogen. Karl-Heinz Rummenigge, Uli Hoeneß, Robert Lewandowski, Joshua Kimmich. Die Liste derer, die sich zum geplanten Transfer mehr oder weniger deutlich äußerten, ist lang. Kovac tat dies auch. Im "ZDF" zeigte er sich "zuversichtlich, dass man ihn (Sané) bekommen könnte".

Die Bayern-Bosse zeigten sich einsichtig. Ihrem Trainer teilten sie den Kurswechsel aber offenbar nicht mit. Dahinter muss man nicht zwingend Kalkül vermuten, mindestens aber zeigt es die verbesserungswürdige Kommunikation mit dem leitenden sportlichen Angestellten.

Karl-Heinz Rummenigge vom FC Bayern München

Karl-Heinz Rummenigge vom FC Bayern MünchenGetty Images

Kovac muss öffentlich zu Kreuze kriechen

Im Zuge des Audi Cups in der heimischen Allianz Arena schritt Vorstandsboss Rummenigge nun also zur Tat und wies Kovac zurecht. "Das hat mir nicht gefallen. Wir haben ein gutes Verhältnis zu Manchester City mit unserem Ex-Trainer Pep Guardiola und Sané steht dort noch unter Vertrag. Weder optimistische noch pessimistische Aussagen helfen uns da", sagte er.

Diese Aussagen wurden über die klubeigenen Social-Media-Kanäle verbreitet. Das geschieht nur äußerst selten. Um es einem Verhandlungspartner und Konkurrenten recht zu machen, wurde der eigene Trainer also erneut öffentlichkeitswirksam zurechtgewiesen. Damit nicht genug.

"Ich war wohl etwas zu offensiv und habe deswegen bereits mit Pep gesprochen und mich entschuldigt. "

Er wolle sich "auch beim Klub entschuldigen" und sich "in Zukunft etwas mehr zurückhalten". Wenige Minuten später unterstrich Kovac seinen Optimismus in Sachen Sané dann erneut auf der Pressekonferenz und meinte: "Das, was ich gesagt habe, steht. Das ist verifiziert."

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Salihamidzic sieht es wie Rummenigge

Sportdirektor Hasan Salihamidzic sprang Rummenigge zur Seite. "Wir sind alle gut beraten, nicht über Spieler zu sprechen, die bei anderen Vereinen unter Vertrag stehen. Es sind ein paar Aussagen getätigt worden, die nicht gut waren. Das werden wir in Zukunft besser machen." Brazzo" selbst habe dies auch "nur ein Mal gemacht". Im Januar, als er den baldigen Transfer von Callum Hudson-Odoi ankündigte. Ein Spieler, der Stand August noch immer beim FC Chelsea spielt.

Der größte deutsche Fußballverein tut sich mit all dem keinen Gefallen. Transfers der Größenordnung Sané abzuwickeln ist nicht einfach. Besonnenheit, Weitsicht und Zurückhaltung sind gefragt, um im richtigen Moment den entscheidenden Vorstoß anzubringen.

Beim FC Bayern spielt sich derzeit das genaue Gegenteil ab, jedenfalls wirkt es so. Auf dem Rücken eines Spielers, der seinen aktuellen Verein gar nicht unbedingt verlassen will, wird hier ein Machtkampf ausgefochten. Das kann ins Auge gehen. Vor allem aber beschädigt es das internationale Ansehen des Klubs.

Das ständige Kleinmachen des Trainers vonseiten Rummenigges ist sicher kein Wechselargument für Top-Stars. Ständig scheint der Coach kurz vor der Demission zu stehen. Dabei macht er sportlich einen weit mehr als soliden Job. Er führt Talente heran, verwaltet einen Kader voller Egos und fuhr trotz aller Diskussionen das Double ein.

Rummenigge scheint dies nicht zu reichen. Der 63-Jährige war ohnehin nie Fan der Verpflichtung des ehemaligen Bayern-Spielers als Coach der ersten Mannschaft. Kovac ist eher ein Hoeneß-Mann. Der Präsident steht allerdings kurz vor seinem Abschied. Für Niko Kovac kann das eigentlich nichts Gutes bedeuten...

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