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Nach Beförderung: Welcher Bayern-Youngster hat das Zeug zum Shootingstar?

Nach Beförderung: Welcher Bayern-Youngster hat das Zeug zum Shootingstar?

03/12/2019 um 17:35Aktualisiert 04/12/2019 um 01:43

Hans-Dieter Flick beförderte vor kurzem vier Nachwuchsspieler beim FC Bayern München und sorgte damit für Entzückung bei Karl-Heinz Rummenigge. Joshua Zirkzee (18), Sarpreet Singh (20), Oliver Batista-Meier (18) und Leon Dajaku (18) dürfen seitdem bei den Profis mittrainieren. Der Weg zum Bundesliga-Shootingstar ist bei den Bayern jedoch sehr lang. Ein Überblick.

Joshua Zirkzee hat den Kopf oben und weiß daher genau, was er tut. Zwei Blicke, eine Verzögerung - und rein ins linke Eck. Keine Chance für den Torhüter.

So geschehen am Wochenende beim 4:1 (2:0)-Bundesligasieg der A-Junioren des FC Bayern München über den Karlsruher SC. Der 18 Jahre alte Mittelstürmer setzte damit den Schlusspunkt aus Bayern-Sicht, zurrte damit den Sieg und Platz drei zum Hinrunden-Ende fest - und verschafft sich selbst mal wieder ein Erfolgserlebnis.

Denn eigentlich ist Zirkzee der U19 schon entwachsen. Seit Beginn der Saison gehörte der großgewachsene Niederländer dem U23-Kader an und kam regelmäßig in der 3. Liga zum Einsatz. Vor ein paar Wochen gab es sogar eine weitere Beförderung.

Flick lässt vier Nachwuchsspieler bei den Profis mittrainieren

So legte Profi-Trainer Hans-Dieter Flick in der letzten Länderspielpause fest, dass vier Nachwuchsspieler ab sofort bis auf weiteres dauerhaft bei den Profis mittrainieren dürfen - neben Sarpreet Singh (20), Oliver Batista-Meier (18) und Leon Dajaku (18) eben auch Zirkzee.

"Wenn sich diese Talente weiterentwickeln wollen und sollen, dann müssen sie mit Weltklassespielern trainieren", hatte Flick gesagt.

Eine Maßnahme, die ganz oben gut ankommt. "Mir gefällt, was der Hansi eingeführt hat vor zwei Wochen: Er hat vier Elite-Spieler hochgezogen, die trainieren jeden Tag mit den Profis", freute sich Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge am Wochenende beim Fanklubbesuch in Antiesental und wagte sogar eine forsche Prognose:

"Ich sage heute voraus: In den nächsten zwei Jahren werden Spieler nach oben kommen aus dem Campus."

Alaba etablierte sich als bisher letzter Nachwuchsspieler

Forsch ist sie deshalb, weil es im Grunde seit David Alaba (2011) kein Nachwuchsspieler der Bayern mehr dauerhaft in den Profi-Kader geschafft hat. Doch Bayern hat ja nun den "Campus", das neue Nachwuchsleistungszentrum (NLZ). 100 Millionen Euro teuer, 30 Hektar groß. Seit 2017 trainieren und spielen hier die U9 bis U19 sowie die Frauen- und Mädchen-Mannschaften des Rekordmeisters.

Und Rummenigge will Fortschritte sehen. "Es gab Jahre bei uns, da haben wir nicht gut gearbeitet", sagte er am Wochenende selbstkritisch.

Die Hoffnung des Bayern-Bosses: dass mit Flick und Gerland als Interims-Co-Trainer die Anbindung der Youngster an die Profis stimmt. "Das wird sie besser machen und am Ende den einen oder anderen in den Profi-Kader bringen", prophezeite der 64-Jährige.

Neben den vieren hoffen derzeit aber mit den Torhütern Christian Früchtl (19), Ron-Thorben Hoffmann (20), dem Innenverteidiger Lars Lukas Mai (19) sowie den Neuzugängen Mickael Cuisance (20) und Fiete Arp (19) fünf weitere Youngster auf Chancen im Profi-Kader, sprich einen Durchbruch wie zuletzt bei Alphonso Davies (19).

Welcher der vier Youngster hat also wirklich das Zeug zum Shootingstar? Ein Überblick.

SARPREET SINGH (20)

Singh hat den anderen drei Youngstern was voraus - bei der U20-WM entdeckt, kam der Neuseeländer im Sommer schließlich schon als gestandener A-League-Spieler nach München, und hat mittlerweile auch schon A-Länderspiele auf dem Buckel.

In der Sommervorbereitung gehörte der Offensivspieler bereits zum Profi-Kader und traf im Audi-Cup gegen Tottenham cool im Elfmeterschießen. Seither ist Singh, der am Campus wohnt, Stammspieler in der 3. Liga, muss körperlich aber noch zulegen. Im offensiven Mittelfeld ist der 20-Jährige vielseitig einsetzbar - dort ist bei den Profis aber auch die Konkurrenz am größten.

Prognose für den Durchbruch: Wird noch dauern - möglich ist zur kommenden Saison ein Leihgeschäft, zum Beispiel in die zweite Liga. Bis dahin sind vereinzelte Einsätze bei den Profis möglich.

Sarpreet Singh im Derby gegen den TSV 1860 München

Sarpreet Singh im Derby gegen den TSV 1860 MünchenGetty Images

LEON DAJAKU (18)

Eigentlich noch ein A-Jugend-Spieler. Dajaku war im Sommer beim VfB Stuttgart nur für die Oberliga-Mannschaft vorgesehen - da wechselte er doch lieber zu Bayern II (für 1,5 Mio. Euro Ablöse). In der 3. Liga agiert der 18-Jährige auf der Außenbahn mit Licht und Schatten, hat sich aber gegen einige Konkurrenten (wie Oliver Batista-Meier) durchgesetzt und bereits drei Treffer erzielt - sein Traumtor gegen Eintracht Braunschweig wurde von den Bayern-Fans sogar zum Tor des Monats Oktober gewählt.

Prognose für den Durchbruch: Sich in der dritten Liga zu etablieren, ist der erste Schritt. Dajaku braucht daher noch einige Jahre, bis er zur Alternative für den Profi-Kader werden könnte - auch wenn er bei den Profis schon mal auf der Bank saß.

OLIVER BATISTA-MEIER (18)

Der Deutsch-Brasilianer ist der schmächtigste des Youngster-Quartetts und fiel vergangene Saison wegen eines Knöchelbruchs samt Syndesmosebandverletzung lange aus. Batista-Meier zählte zunächst ebenso wie Zirkzee zum Drittliga-Kader, wurde zuletzt aber in die U19 geschickt, weil er dort einfach regelmäßiger spielen kann.

Körperlich hat der Außenangreifer noch Luft nach oben, sein feines Füßchen sorgte jedoch auch schon in der UEFA Youth League für den ein oder anderen (Freistoß-)Leckerbissen. Und wie sagte Flick so schön?

"Wir sind davon überzeugt, dass sich diese Jungs optimal weiterentwickeln, wenn sie mit den Besten trainieren. Und bei unseren Profis haben sie die besten Voraussetzungen dafür."

Prognose für den Durchbruch: Batista-Meier hat sich noch nicht in der Drittliga-Elf fest spielen können, ist deshalb erstmal keine Alternative für die Profis.

Oliver Batista-Meier (r.)

Oliver Batista-Meier (r.)Getty Images

JOSHUA ZIRKZEE (18)

Die Statistik liest sich schon mal beeindruckend: Für die Nachwuchsmannschaften des FC Bayern traf der Mittelstürmer seit seinem Wechsel von Feyenoord Rotterdam 2017 in jedem zweiten Spiel. 15 Tore in der B-Jugend-Bundesliga 2017/18 ließ er 2018/19 zwölf weitere in der höchsten deutschen A-Jugend-Spielklasse folgen.

Den Sprung auf Profi-Niveau in der 3. Liga hat Zirkzee dann allerdings noch nicht reibungslos geschafft - in zwölf Einsätzen blieb er torlos und wurde zuletzt wieder zur U19 geschickt. Auf dem Platz zeigt der Niederländer zudem immer wieder mal Undiszipliniertheiten, flog bereits dreimal im Bayern-Trikot vom Platz.

Im April verlängerten die Bayern dennoch bis 2023. "Joshua ist ein sehr großes Talent", sagte Sportdirektor Hasan Salihamidzic damals: "Wir werden versuchen, ihn bestmöglich weiterzuentwickeln, um ihn hoffentlich irgendwann auch in unserer Profimannschaft zu sehen."

Prognose für den Durchbruch: Bis zum Lewandowski-Nachfolger fehlt schon noch ein riesiges Stück - und vielleicht reicht es auch nie für die Bundesliga. Professionalisiert sich Zirkzee jedoch weiter und macht dafür die nötigen Schritte in der 3. Liga, kann er in den kommenden Jahren durchaus zur Alternative im Profi-Kader werden. Vor ihm liegt allerdings noch Fiete Arp - und Bayerns Drittliga-Torjäger Kwasi "Otschi" Wriedt (zehn Tore) wird seinen Platz auch nicht ohne weiteres hergeben ...

Joshua Zirkzee

Joshua ZirkzeeGetty Images

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