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Sancho macht den Unterschied: Warum er der X-Faktor für den BVB ist

Sancho macht den Unterschied: Warum er der X-Faktor für den BVB ist

14/09/2019 um 09:15Aktualisiert 14/09/2019 um 14:24

Läuft es bei Jadon Sancho, läuft es auch beim BVB: Der junge Engländer ist längst mehr als der Shootingstar der Bundesliga, der dem BVB den letzten Kick gibt. Dortmunds Trainer Lucien Favre ist abhängig vom 19-Jährigen, der sein Team mit Tempo, Kreativität und einer Extraportion Ballgefühl nach vorne treibt. Was Sancho zum entscheidenden Faktor für Borussia Dortmund im Meisterschaftskampf macht.

Drei Assists, zwei Tore, ein Jadon Sancho. Die neue Bundesliga-Saison ist erst drei Spieltage alt, doch der englische Flügelflitzer ist schon wieder on fire. Gegen den FC Augsburg und Köln traf er jeweils einmal und legte einen Treffer vor, gegen Union Berlin gelang ihm ein Assist.

Der 19-Jährige spielt sich in einen Rausch. Auch während der Länderspielreise wurde er des Toreschießens nicht müde, erzielte seine ersten beiden Treffer für die englische Nationalmannschaft. Ein großer Moment für den Flügelflitzer, der Manchester City wegen fehlender Spielpraxis 2017 verlassen hatte.

"Das erste Tor für mein Land zu schießen, ist ein Gefühl, das ich nicht beschreiben kann", schrieb er bei Instagram nach dem Spiel gegen den Kosovo, in dem ihm zwei Treffer und eine Vorlage gelangen.

Die Tore im Dress der "Three Lions" dürften dem jungen Offensivstar zusätzlichen Antrieb für seine Leistung bei Borussia Dortmund geben. In der Nationalmannschaft gilt er als der nächste große Star. Und der BVB braucht ihn wie nie zuvor, um seine Mission Meistertitel zu erfüllen.

Sancho ist unter Favre gesetzt

BVB-Trainer Lucien Favre vertraut Jadon Sancho. Dieses Vertrauen zeigt er ihm durch Einsatzzeit. Der 19-Jährige ist gesetzt unter seinem Schweizer Coach - nicht selbstverständlich für einen Youngster, der im Sommer zusätzliche Konkurrenz im offensiven Mittelfeld in Gestalt von Julian Brandt und Thorgan Hazard bekommen hat.

Eine ähnliche Konstante in der Dortmunder Offensive ist lediglich Kapitän Marco Reus, jahrelanger Leistungsträger und Nationalspieler. Bereits in der vergangenen Bundesliga-Spielzeit verpasste der Engländer, der im armen Londoner Stadtteil Kennington aufwuchs, kein Spiel. 26 Mal stand er in der Startelf - und während die Mannschaft als Kollektiv in der Rückrunde einbrach, ihren Vorsprung auf den FC Bayern verspielte, blieb Sancho konstant.

In Hin- und Rückrunde gelangen ihm jeweils sechs Treffer, in der Hinserie dazu acht Vorlagen, in der Rückrunde neun Vorlagen. Auf den Flügelstürmer ist Verlass - in diesem Jahr dürfte dieser Faktor noch entscheidender sein für den BVB. Ein Einbruch wie im Frühjahr soll den Schwarz-Gelben keinesfalls wieder passieren.

In der Mission Meisterschaft würde die Mannschaft gut daran tun, sich an Sanchos Konstanz zu orientieren - vorausgesetzt, der Teenager bleibt verletzungsfrei.

Sanchos Unberechenbarkeit ist Dortmunds Trumpf

Einer der Gründe, weshalb Favre seinen englischen Schützling so sehr schätzt, ist seine schwere Kontrollierbarkeit für den Gegner. Sancho ist unglaublich schnell, sein Topspeed liegt laut Daten von "bundesliga.de" bei über 34 Kilometern pro Stunde. Häufig kann er die gegnerischen Verteidiger schon allein mit seiner Geschwindigkeit ausspielen.

Sancho, der auf dem rechten und dem linken Flügel eingesetzt wird, ist der Fixpunkt im gegnerischen Spiel. Ihn aus dem Geschehen zu nehmen, zieht dem BVB den Zahn, das wissen die allermeisten Teams. Doch: Wie nimmt man Sancho aus dem Geschehen? Selbst in engsten Räumen behält der Flügelspieler den Ball, dribbelt die gegnerischen Verteidiger reihenweise aus.

Der Clou: Seine Dortmunder Mitspieler können sich dadurch freilaufen, sich anbieten. Sancho behält den Überblick, spielt den Pass haargenau - und oft unerwartbar. Ihn zu verteidigen ist eine Sisyphos-Aufgabe.

Wechselabsichten zur Seite gelegt: Sancho will "fokussiert bleiben"

Des Youngsters Genialität macht ihn begehrenswert. Keine Frage: Mehrere Klub in seiner Heimat England haben längst die Fährte aufgenommen. Wie mehrere englische Medien, darunter die "Sun" und die "Daily Mail" berichtet haben, soll Manchester United über 100 Millionen Euro für den englischen Nationalspieler geboten haben. Auch sein Ex-Verein Manchester City wollte ihn offenbar zurücklotsen.

Die Kollegen von Eurosport UK bestätigen: Nahezu jeder große Klub in England möchte Sancho gern verpflichten. Doch nur die beiden Manchester-Klubs können ihn sich leisten.

Jadon Sancho im Spiel gegen Union Berlin.

Jadon Sancho im Spiel gegen Union Berlin.Getty Images

BVB-Manager Michael Zorc bestätigte in der Amazon-Dokumentation "Inside Borussia Dortmund" ein Treffen zwischen den "Red Devils" und Sanchos Berater. Auch Vorstandsboss Hans-Joachim Watzke hatte Interesse eines Top-Klubs bereits bestätigt - macht aber immer wieder klar: Sancho ist derzeit unverkäuflich!

Dieser Umstand scheint für den aufstrebenden Star mehr Segen als Fluch zu sein. "In Deutschland zu spielen, hat mir den Druck der Medien genommen und ich denke, dass dies mir sehr hilft, fokussiert zu bleiben", sagte Sancho am Rande der Länderspielreise. Sein Nationalmannschaftstrainer Gareth Southgate hatte zuvor Kritik am BVB geäußert: "Er ist noch immer ein wenig unter dem Radar, was die Qualität seiner Auftritte und das Level angeht, das er jede Woche zeigt."

Auch im Meisterschaftskampf: Er behält den Fokus

Sancho, der allein mit seinem Vater von England in den Ruhrpott gezogen ist, ordnet alles dem Fußball unter. "In Dortmund kann ich das tun, was ich liebe. Hier kann ich spielen", hatte der 19-Jährige im Winter gesagt. Sein Leben dreht sich komplett um den Fußball, Sancho und sein Vater engagieren sogar einen Koch, der ihm eine sportgerechte Ernährung vorgibt.

Auch sein Trainer will das Maximum aus ihm herauskitzeln, ihn noch besser machen. "Jeden Tag muss ich denken: 'Morgen will ich besser sein als heute'. Das ist ein Leitmotiv", erklärte Favre im Sommer in Bezug auf das Potenzial des Flügelflitzers.

Sein positiver Lauf, die Unberechenbarkeit und die maximale Disziplin machen Sancho zum Faktor X im Meisterschaftsrennen für Borussia Dortmund.

Video - Zorc haut dazwischen: "Das ist doch irrsinnig!"

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