Julian Nagelsmann lachte ungläubig. "Ich lieb euch so“, warf der RB-Coach leicht angefressen hinterher.

Es war die x-te Frage die der Ex-Hoffenheim-Trainer den Medienvertretern zu diesem einen Thema beantworten musste. "Ich habe meine Mannschaft auch vor 10 Tagen nicht 'hart' kritisiert. Ich weiß nicht, ob ich das noch 438 Mal wiederholen soll", verteidigte sich der 32-Jährige auf der Pressekonferenz nach der erneuten Niederlage gegen die Eintracht, diesesmal ein 1:3 im Pokal-Achtelfinale. Sarkastisch fügte er an:

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Wenn das eine harte Kritik ist, dann immer her damit. Dann könnt ihr mich auch so hart kritisieren, dann kann ich drei Tage nicht schlafen.

Es ging mal wieder um seine Brandrede nach der 0:2-Niederlage im Liga-Spiel bei Eintracht Frankfurt in der Bundesliga vor 10 Tagen. Die harsche Ansprache verfolgt Nagelsmann seitdem.

Sein Team sei "noch weit weg davon, eine Spitzenmannschaft zu sein" und man habe "nicht die Qualität von Bayern und Dortmund", behauptete Nagelsmann damals frustriert gegenüber "Sky". Seine Mannschaft brenne nicht, "um Deutscher Meister zu werden" und "um den Gipfel zu erreichen, müsse man noch viel arbeiten. Ich weiß nicht, ob jeder Spieler das verstanden hat", tadelte der 32-Jährige seine Männer und führte die Metapher aus:

Wollen wir das Gipfelkreuz erreichen oder bleiben wir kurz davor stehen und genießen die Aussicht?

Sanfte Kritik klingt anders.

Die falsche Wirkung

Doch die jüngsten Ergebnisse geben dem Übungsleiter recht. Es folgten ein Unentschieden gegen Gladbach und eben das Scheitern im Pokal. Nun stellt sich aber die Frage, ob Nagelsmanns "Gipfelkreuzrede" Ursache oder Vorhersage dieses Tiefs war. Dass der Coach seine Ansprache nun herabstuft, spricht für Ersteres. Eine Ursache, die eine falsche Wirkung erzielte.

Die Mannschaft scheint er nicht erreicht zu haben, eher wirkt das Team verunsichert. Zu Beginn der Pokal-Begegnung in der Frankfurter Commerzbank Arena hatten die Leipziger "drei Riesen-Chancen", die aber ungenutzt blieben. "Das ist der Unterschied zur Hinrunde, da haben wir aus solchen Situationen immer Tore gemacht", analysierte Nagelsmann die Spielsituationen.

Da mag er wohl recht haben. Denn: Die Statistik stimmt nach wie vor, aber Unsicherheiten, insbesondere vor dem Tor, sind den Sachsen nicht abzusprechen. Egal ob gegen Gladbach (63,7% Ballbesitz/ 19:7 Schüsse) oder in beiden Spielen gegen Frankfurt (66,8%/ 23:7 Schüsse und 57,2%/ 14:9 Schüsse), war vor allem die Chancenverwertung mangelhaft. Kein gutes Zeichen hinsichtlich der Mentalität.

Die Leipziger Offensive rund um Timo Werner zündet nicht mehr wie in der Hinrunde.

Fotocredit: Getty Images

Die Harmonie der Hinrunde scheint über die Winterpause etwas abgekühlt. Die RB-Profis haben offensichtlich damit zu kämpfen.

Fehlende Verständigung?

So entsteht zwangsläufig eine Kluft zwischen dem Trainer und seinen Spielern. Auch die Kommunikation wirkt derzeit nicht einwandfrei. Während Nagelsmann ein Tief abstreitet, ist seine Einschätzung intern noch nicht durchgedrungen. RB-Stürmer Yussuf Poulsen ist nämlich anderer Meinung:

Ein bisschen Formtief haben wir schon.

Doch ganz nüchtern betrachtet kann dieses angebliche Formtief auch äußerst simpel entkräftet werden. Leipzigs System liegt der Eintracht und Gladbach ist aktuell eine Top-Mannschaft. Es ist lediglich die Bürde der Herbstmeisterschaft, dass eine kleine Delle in der Formkurve ein großes Echo nach sich zieht.

Bayern-Spiel als Wendepunkt?

Somit steht man in Leipzig im Moment am gerne angeführten "Scheideweg": Geht es in den nächsten Wochen um Schadensbegrenzung oder bleibt die Mini-Krise eine Mini-Krise und RB schafft es wieder, an die bisherigen Erfolge anzuknüpfen?

Vielleicht kommt es gerade gelegen, dass man am Sonntag nach München reist - zum "allerwichtigsten Spiel des Jahres", wie Nagelsmann die Medien bissig zitiert.

Denn sollte sich das Team fangen und die Bayern sogar schlagen, wäre das womöglich bereits der Schlussstrich unter der Krisen-Diskussion. Sollte man jedoch beim Rekordmeister verlieren, muss Nagelsmann vermutlich die nächsten Fragen zu seiner Gipfelkreuzrede beantworten.

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