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Kovac als Favre-Nachfolger: Würde das passen?

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Niko Kovac (FC Bayern München, li.) und Lucien Favre (Borussia Dortmund, re.)

Fotocredit: Getty Images

VonMarc Hlusiak
29/05/2020 Am 05:54 | Update 29/05/2020 Am 08:54
@mhlus

Die Niederlage von Borussia Dortmund im Topspiel gegen den FC Bayern München (0:1) hat nicht nur sehr wahrscheinlich den Kampf um die deutsche Meisterschaft entschieden, sondern auch die Trainerdiskussion beim BVB neu entfacht. Sollte Favre nach der Saison hinschmeißen, könnte Niko Kovac "Bild"-Berichten zufolge Kandidat auf dessen Nachfolge sein. Aber: Kovac und der BVB, kann das passen?

Lucien Favre ist ein emotionaler Typ. Klingt komisch, ist aber so. Damit ist nicht gemeint, dass er an der Seitenlinie in Manier eines Jürgen Klopp oder Diego Simeone regelmäßig eskaliert. Favres Emotionen äußern sich anders, sie führen hier und da zu unumstößlichen Entschlüssen, die er für Außenstehende oft aus dem Affekt heraus trifft.

Bestens in Erinnerung blieb sein überraschender Rücktritt bei Borussia Mönchengladbach im September 2015. Sportdirektor Max Eberl versuchte verzweifelt, seinen Trainer davon zu überzeugen, trotz eines verheerenden Saisonstarts (fünf Niederlagen zum Auftakt) weiterzumachen. Doch Favre war nicht umzustimmen - er ist eben ein emotionaler Typ.

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Es ist daher nachvollziehbar, dass die kryptischen Äußerungen des Schweizer Trainers nach der 0:1-Pleite im Topspiel gegen den FC Bayern München für medialen Wirbel sorgten. "Das sagt man hier seit Monaten. Ich weiß, wie das geht", hatte Favre die Vorwürfe kommentiert, er sei nicht der richtige Trainer für den BVB - und dann vielsagend angefügt: "Ich werde darüber in ein paar Wochen sprechen." Ob beabsichtigt oder nicht - Favre entfachte mit diesen Worten die Trainerdiskussion in Dortmund neu.

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Das Niko-Kovac-Gerücht beim BVB

Zwar versuchten sowohl Favre via "Sky" ("Ich werde diesen Vertrag erfüllen") als auch Sportdirektor Michael Zorc via "Sport1" ("Wir führen sicher keine Trainerdebatte") der Diskussion unmittelbar den Wind aus den Segeln zu nehmen, Namen kursieren aber schon länger im Zusammenhang mit einer möglichen Favre-Nachfolge beim BVB.

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Seit einigen Wochen hält sich hartnäckig das Gerücht, Ex-Bayern-Coach Niko Kovac könne Favre nach dessen Abschied, wann immer dieser sein möge, beerben. Die "Bild" hatte berichtet, dass es schon vor Monaten Kontakt zwischen Kovac und dem BVB gab - mutmaßlich zu dem Zeitpunkt, als Favre aufgrund einer allenfalls mittelmäßigen Hinrunde in die Kritik geriet.

Auch jetzt machte der Name Kovac die Runde, als Rekordnationalspieler Lothar Matthäus auf das Favre-Interview mit den Worten: "Favre weg, Niko Kovac kommt" reagierte.

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Doch es gibt gleich mehrere Gründe, diese Berichte nicht zu ernst zu nehmen.

Kovac-Philosophie passt nicht zum BVB

Zugegeben: Oberflächlich betrachtet passt der ehrgeizige Arbeiter Kovac mit seiner Malocher-Mentalität bestens ins Ruhrgebiet. Andererseits scheiterte der Kroate in München auch daran, dass er es nie richtig schaffte, seine Spielphilosophie (4-3-3) in Einklang mit dem ihm zur Verfügung stehenden Spielermaterial zu bringen.

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Kovacs überfallartiger Fußball, der ihn zum Pokalsieg mit Eintracht Frankfurt führte, war in München nicht gefragt. Beim Rekordmeister war man Dominanz gewöhnt, die unter Kovac aber mehr und mehr verschwand. Das Bayern-Spiel wirkte mitunter statisch und ausrechenbar. Auch Kovacs Interpretation des Gegenpressings, eine Dortmunder Spezialität seit den frühen Klopp-Jahren, fiel im Vergleich zu seinem Nachfolger Hansi Flick eher verhalten aus.

Niko Kovac als Trainer des FC Bayern

Fotocredit: Getty Images

Beim BVB fände Kovac Spielermaterial auf vergleichbarem Niveau vor. Spieler, die Favres 3-4-3 aktuell bestens verinnerlicht haben, wie 27 von 33 möglichen Punkten in der Rückrunde nahelegen. Ob Kovac der Spieler wegen von seiner Philosophie abrücken würde, ist fraglich.

Kovac und Hummels: Das wäre ein Problem

Schwerwiegender als taktische Umstrukturierungen wäre aber wohl ein Problem zwischenmenschlicher Natur. Erst im Sommer kehrte Mats Hummels dem FC Bayern zum zweiten Mal in seiner Karriere in Richtung Dortmund den Rücken. Kovac hatte den Wechsel des Innenverteidigers als Flucht vor Rekordtransfer Lucas Hernández eingestuft, eine Darstellung der Hummels widersprach: "Das stimmt einfach nicht."

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Das Verhältnis zwischen Hummels und Kovac galt als schwierig. Die 100-prozentige Rückendeckung, wie er sie aktuell als Abwehrchef beim BVB wieder innehat, hatte der 30-Jährige unter Kovac nicht. Es ist anzunehmen, dass Hummels von einer Verpflichtung seines Ex-Trainers nicht begeistert wäre. Ein Punkt, den die Verantwortlichen beim BVB bedenken sollten und der sie womöglich davon abhalten würde, Kovac nach Dortmund zu lotsen.

Der Stellenwert, den Hummels für die junge Dortmunder Mannschaft besitzt, ist schlicht zu wichtig.

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