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"Ruft mich an!" Das sind Kruses Optionen in der Bundesliga

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Max Kruse würde gerne wieder in der Bundesliga spielen

Fotocredit: Getty Images

VonTom Müller
14/07/2020 Am 06:49 | Update 14/07/2020 Am 06:58

Max Kruse hat ein klares Ziel ausgegeben. Der 32-Jährige möchte nach der unschönen Vertragsauflösung bei Fenerbahce Istanbul wieder zurück in die Bundesliga und ist dafür sogar bereit, zu deutlich niedrigeren Bezügen aufzulaufen. Bleibt die Frage, zu welchem Verein er als Spielertyp passt und wer ihn wirklich gebrauchen kann? Zwei Favoriten scheinen sich herauszukristallisieren.

Max Kruse war nicht nach Herumdrucksen zumute, er wollte eine klare Botschaft senden.

"Wenn ich es mir aussuchen könnte, würde meine Zukunft in der Bundesliga liegen“, verriet der 32-Jährige vor knapp zwei Wochen überraschend ehrlich in der Talkshow "Sky90" und ließ damit sicherlich den ein oder anderen Sportdirektor hellhörig werden. Schmunzelnd schaute Kruse in die Fernsehkamera, formte mit Daumen und kleinem Finger einen Hörer und schob nach: "Ruft mich an!"

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Kruses Abenteuer in Istanbul endet unschön

Dass Kruse überhaupt wieder so schnell auf dem Markt ist, liegt an einer kleinen Schlammschlacht mit Ex-Klub Fenerbahce Istanbul, zu dem es den 14-maligen deutschen Nationalspieler im vergangenen Sommer gezogen hatte. Auch wenn Kruse das Abenteuer in der türkischen Metropole bis zur Corona-Pause sichtlich genossen und auf dem Platz überzeugt hatte (sieben Tore, acht Vorlagen), sah er sich im Juni zu einem drastischen Schritt gezwungen.

Laut eigener Aussage hatte ihm der Klub über Monate nicht das vollständige Gehalt gezahlt, weshalb der Offensiv-Spieler seinen bis 2022 laufenden Vertrag einseitig auflöste. "Unfair und unbegründet" fand Fenerbahce das. Nun droht ein Rechtsstreit. Trubel und Nebenkriegsschauplätze, die Kruse in Zukunft gerne vermeiden würde.

Dafür ist er offenbar sogar bereit, auf Gehalt zu verzichten, was unter den gegebenen Umständen fast ein wenig ironisch klingt. "Letztes Jahr habe ich natürlich auch aufs Portemonnaie geguckt", so der Routinier: "Das ist jetzt nicht mehr so wichtig. Ich glaube, dass ich für fast alle Teams in der Bundesliga bezahlbar bin."

Meint es Kruse tatsächlich ernst, stellt sich die Frage: Was kann der 32-Jährige einem Bundesligisten noch bieten - und wer könnte einen Spieler wie ihn gebrauchen?

Spielertyp Kruse: Die "schwimmende Neuneinhalb"

Die Antwort auf die erste Frage lässt sich vor allem mit einem Wort beschreiben: Erfahrung.

Werder, St. Pauli, Freiburg, Gladbach und Wolfsburg - 250 Einsätze für fünf verschiedene Klubs im deutschen Oberhaus sprechen für sich. Hinzu kommen 74 Tore und 68 Vorlagen. Besonders bei seiner letzten Station in Bremen konnte man den Eindruck gewinnen, Kruse würde mit dem Alter immer besser – wie ein guter Wein (oder Zlatan Ibrahimovic).

Auch in Istanbul hat er seinen Torriecher nicht verloren, war unter dem damaligen Coach Ersun Yanal hinter der einzigen Spitze als Spielgestalter gesetzt. Zudem gilt Kruse als starker Charakter, der kein Blatt vor den Mund nimmt und im Herbst seiner Karriere zum Führungsspieler reifte, nachdem er in jungen Jahren immer mal wieder mit Eskapaden neben dem Platz aufgefallen war.

Auf der anderen Seite macht ihn das als Spielertyp für Trainer auch so schwer ausrechenbar. Weder auf noch abseits des Rasens passt Kruse wirklich in ein Schema, bezeichnete sich einmal selbst als "schwimmende Neuneinhalb". Eine Mischung aus Stürmer und Zehner, den man nicht in ein festes Konstrukt einbaut, sondern um den man eine Mannschaft herum aufbaut.

Bleibt also die Frage: Wohin?

Werder Bremen: Die romantische Lösung

Die romantischste Lösung wäre sicher eine Rückkehr nach Bremen, das in der vergangenen Saison einen beispiellosen (Fast-)Abstieg hinlegte und nur durch zwei glückliche Unentschieden in der Relegation gegen Heidenheim die Klasse hielt.

Neben den vielen Verletzten fiel in der Analyse auch immer wieder der Abgang Kruses, der für Florian Kohfeldts Team nicht zu kompensieren war, als einer der Gründe für die Misere.

Eine mögliche Rückholaktion wollten weder Sportchef Frank Baumann, noch Kohfeldt jüngst dementieren: "Ich mag Max, aber ich habe noch nicht darüber nachgedacht", so der Coach.

Auch Kruse selbst öffnete die Tür zumindest einen Spalt breit: "Es ist jetzt nicht die größte Wahrscheinlichkeit, aber ausschließen würde ich es nicht."

Bremen ist zwar mit Niclas Füllkrug, Josh Sargent, Davie Selke und Yuya Osako in der Spitze quantitativ gut besetzt, restlos überzeugen konnte 2019/2020 aber keiner der Angreifer. Zudem wird mit Milot Rashica eine offensive Stütze die Norddeutschen wahrscheinlich verlassen.

Kruse wäre sicherlich ein Upgrade, zumal ihn Kohfeldt gut kennt und mit ihm umzugehen weiß. Da Werder finanziell in großen Problemen steckt, wird vieles davon abhängen, wie ernst es Kruse wirklich mit dem Gehaltsverzicht meint.

Klub-Rückkehr oder Sensationscoup? Das sind offenbar Kruses Optionen in der Bundesliga

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Union Berlin: Die überraschende Lösung

Dieser wäre sicher auch eine Voraussetzung für einen Wechsel zum nächsten Kandidaten. Und der heißt, wenn man Informationen der türkischen Nachrichtenagentur "DHA" und "Sport1" Glauben schenken darf, Union Berlin.

Dass Kruse mit einem Wechsel zum Hauptstadt-Klub liebäugeln soll, klingt nur im ersten Moment überraschend.

Sollte neben Sebastian Polter auch Sebastian Andersson die Eisernen im Sommer verlassen, stünde mit Anthony Ujah nur noch ein nomineller Stürmer im Kader von Urs Fischer.

Auftritt Kruse? Im vergangenen Sommer wurden auch Eintracht Frankfurt und Bayer Leverkusen Interesse am 32-Jährigen nachgesagt, der VfL Wolfsburg und der 1. FC Köln haben dagegen schon abgewunken.

"Für mich ist letztendlich entscheidend, dass der nächste Klub zu mir passt", so der Angreifer. Unter dem Strich wird sich Kruse keine Gedanken darüber machen müssen, dass die Anrufe ausbleiben. Dafür hat er mit seinem Auftritt bei "Sky90" selbst gesorgt.

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