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Bitte nicht, Werder! Da stirbt ein Stück Bundesliga-Geschichte

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Schwere Zeiten für den SV Werder Bremen

Fotocredit: Imago

VonTobias Laure
Gestern Am 07:56 | Update Gestern Am 09:08

Die Bundesliga schreibt mit einem Saisonfinale ohne Zuschauer Geschichte und muss gleichzeitig befürchten, einen wichtigen Teil derselben zu verlieren - was an Werder Bremen liegt. Der Weser-Klub taumelt in Richtung Abstieg, womit die Liga ihres dienstältesten Vereins beraubt wäre. Während Werder-Legenden wie Naldo oder Rune Bratseth heftig Kritik üben, preschen die Spieler mit klaren Ansagen vor.

Der SV Werder Bremen ist die Nummer eins im deutschen Fußball. 1891 Partien bestritt der Klub in der 1. Bundesliga, in 56 von 57 Spielzeiten waren die Grün-Weißen erstklassig. Rekordwerte.

Am letzten Spieltag der laufenden Saison kommt es überdies zum Jubiläum, Bremen bestreitet zuhause gegen den 1. FC Köln sein 1900. Bundesliga-Spiel - doch es könnte ein verdammt trauriger Tag werden im Weserstadion. Der Abstieg droht.

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Spätestens nach der 1:4-Heimpleite zum Bundesliga-Neustart gegen Bayer Leverkusen kann sich dieser Wahrheit keiner mehr verschließen. Den Abstiegskampf aber hat die Mannschaft noch nicht vollumfänglich angenommen, wie die Aussagen der Profis zeigen.

"Wir müssen ekliger werden und uns noch mehr gegen die Widerstände aufbäumen", fordert etwa Innenverteidiger Kevin Vogt. Intern müsse durchaus auch mal "dazwischengehauen werden, wenn etwas nicht so richtig läuft".

Vor allem zuhause ist das in dieser Saison der Fall, mit nur einem Sieg aus zwölf Begegnungen ist Werder das schwächste Heimteam der Liga. Ein Grund, weshalb der viermalige deutsche Meister aktuell Rang 17 der Tabelle belegt und bei einem Spiel weniger fünf Zähler Rückstand auf Platz 16 hat. Die Angst greift um sich im grün-weißen Norden. Es überrascht daher nicht, dass Vogt sich und die Mannschaft ein "ein Stück weit mutiger" sehen will. "Denn ohne Mut wird es schwer - das ist ganz klar", so der 28-Jährige.

Bratseth zählt Kohfeldt an: "Sollte sein letztes Spiel gewesen sein"

Es wird eine der Hauptaufgaben für Trainer Florian Kohfeldt sein, diesen Mut dem Team einzuimpfen. Parallel dazu muss der 37-Jährige mit der lauter werdenden Kritik an seiner Arbeit leben.

Florian Kohfeldt - SV Werder Bremen

Fotocredit: Getty Images

Besonders deutlich wird Vereins-Legende Rune Bratseth, der im norwegischen TV-Sender "Viasat" für die Ablösung des Coaches plädiert. "Das sollte sein letztes Spiel gewesen sein", urteilte der Norweger nach der Pleite gegen Leverkusen. Er glaube nicht, "dass in dieser Konstellation noch eine Wende möglich sein wird", ergänzt Bratseth gegenüber dem "kicker".

Ein ähnliches Bild zeichnet derweil Ex-Werderaner Jonny Otten gegenüber "deichstube.de". Der einstige Bremer Verteidiger wünscht sich auf der Trainerbank "endlich jemanden, der unseren Spielern verklickert, wie man gegen den Abstieg kämpft". Otten weiß, wovon er spricht, war beim bislang einzigen Abstieg des Traditionsklubs 1980 selbst dabei. "Ich kann nur empfehlen: Tut alles dafür, dass es so nicht kommt", warnt der 59-Jährige.

"Es bleibt beim Schönreden dieser schlechten Leistung"

Trotz des Gegenwinds bekommt Kohfeldt aber Unterstützung aus dem Verein. "Ich bleibe dabei, dass Florian für diese Situation und für diese Mannschaft und für diesen Verein der richtige Trainer ist", sagt Geschäftsführer Frank Baumann. Und auch der ehemalige Werder-Star Naldo stärkt dem jungen Coach den Rücken. "Ich halte Kohfeldt für einen guten Trainer, doch er muss nun auch etwas bewirken, muss auf die Mannschaft in diesem Abstiegskampf einwirken und sie gerade mental besser einstellen. Ein Trainerwechsel zum jetzigen Zeitpunkt ist nicht ganz einfach. Daher bei allen Vorbehalten: Florian Kohfeldt sollte besser bleiben", stellt der Brasilianer klar.

Der Trainer selbst gibt sich einen Tag vor der Partie in Freiburg selbstbewusst. "Ich bin nach wie vor der Beste auf dieser Position", teilt Kohfeldt den Journalisten mit. Baumann stimmt dem vorbehaltlos zu. "Mit Florian haben wir die größte Wahrscheinlichkeit, dass wir die Klasse halten."

Kohfeldt kämpferisch: "Bin nach wie vor der Beste"

00:01:00

Naldo findet indes etwas ganz anderes problematisch bei den Bremern: den Umgang mit der jüngsten Niederlage. "Die Kommentare nach dem Spiel haben mich irritiert. Es bleibt beim Schönreden dieser schlechten Leistung", kritisiert der 37-Jährige.

Der Bremer Ehrenspielführer Dieter Burdenski schlägt derweil vor, "nachzuschlagen, wann der letzte Heimsieg war", um das Ausmaß der Krise zu verstehen. Die Antwort lautet: am 1. September 2019 (!) beim 3:2 gegen den FC Augsburg.

Mental-Coach soll Werder-Profis auf Kurs bringen

Man kann Werder nicht vorwerfen, nicht alles zu versuchen. Mit Jörg Löhr wurde nun ein Mental-Coach engagiert, um die Wende einzuleiten. "Seine Arbeit ist extrem gut", lobt der offensive Mittelfeldspieler Leonardo Bittencourt gegenüber der "Bild", schränkt aber ein: "Jörg Löhr gewinnt keine Spiele, dafür sind immer noch wir zuständig. Er ist kein Zauberer, sondern Mental-Coach. Auch auf Niederlagen hat er uns vorbereitet. Ich bin froh, dass er bei uns ist. Dank Jörg Löhr sehe ich das Spiel gegen Leverkusen anders und kann es besser abhaken."

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Das ändert freilich nichts an der Tatsache, dass Bremen sich mit 59 Gegentoren in 25 Spielen zur Schießbude der Liga entwickelt hat. Dennoch legt Kohfeldt weiter großen Wert auf den Angriff. "Es ist elementar, das Vertrauen ins Offensivspiel zu behalten", so der Trainer. Nur: Wo soll dieses Vertrauen herkommen? Nur Fortuna Düsseldorf zeigt sich mit 27 Treffern noch harmloser als Werder, das 28 Mal traf.

Es hat schon viel von Durchhalteparole, wenn Mittelfeldspieler Philipp Bargfrede es als "Vorteil" deklariert, dass derzeit "alle Spiele in kurzer Zeit stattfinden und du innerhalb einer Woche viele Punkte holen kannst". Oder eben auch nicht. Am Samstag müssen die Bremer Krisenkicker beim SC Freiburg ran (ab 15:30 Uhr im Liveticker bei Eurosport.de), ein Gegner, der vor allem über ein funktionierendes Kollektiv Erfolg hat. Knifflig.

Es sieht so aus, als ob das 1900. Bundesliga-Spiel des SV Werder Bremen in diesem Jahr nicht mehr stattfinden wird ...

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