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Kritik von Rummenigge und Watzke: Werder droht DFL mit Rechtsweg

Kritik von Rummenigge und Watzke: Werder droht DFL mit Rechtsweg
Von Eurosport

04/12/2019 um 14:32

Kein Polizei-Soli für Werder Bremen: Der Bundesligist muss die Kosten für Polizeieinsätze bei sogenannten Risikospielen alleine tragen. Die anderen deutschen Profiklubs lehnten bei ihrer Versammlung in Neu-Isenburg eine solidarische Beteiligung an den Auslagen ab. Nun will Bremen den Rechtsweg beschreiten. Ein Schritt, den Karl-Heinz Rummenigge und Hans-Joachim Watzke nicht nachvollziehen können.

"Wir konnten nicht solidarisch sein. Das wäre das völlig falsche Zeichen gewesen", sagte Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge.

Die Klubs hatten sich zu einem zweistündigen Treffen im Raum "Central Park" des Nobelhotels Kempinski vor den Toren Frankfurts getroffen: "Der Druck auf die Vereine ist dennoch da. Wir müssen dafür sorgen, die Risikospiele auf ein Minimum zu reduzieren", sagte Rummenigge.

Die DFL hatte im September die Gebührenbescheide des Landes Bremen für vier Werder-Partien in Höhe von 1,17 Millionen Euro mit großem Widerwillen beglichen. Die Hälfte der Gesamtsumme wurde Werder gleich in Rechnung gestellt. Wer die anderen 584.000 Euro bezahlen soll, war bisher noch ungeklärt.

Marco Bode kontert Rummenigge

Marco Bode, Aufsichtsratsvorsitzende von Werder Bremen, wollte Rummenigges Aussagen nicht so stehen lassen: "Karl-Heinz Rummenigge und wir haben offensichtlich eine unterschiedliche Auffassung davon, was Solidarität bedeutet. Außerdem ist es nicht unsere Idee, sondern wurde von allen Gerichten festgestellt, dass Werder und die DFL Veranstalter sind."

Zudem wollte der ehemalige Nationalspieler noch klarmachen: "Wir wollen keinen Rechtsstreit mit der Liga, aber es kann nicht sein, dass wir ohne eigenes Verschulden verantwortlich sein sollen!"

Marco Bode missfielen die Aussagen von Karl-Heinz Rummenigge

Marco Bode missfielen die Aussagen von Karl-Heinz RummeniggeGetty Images

Werder will den Rechtsweg beschreiten - Kritik von Rummenigge und Watzke

Trotz der Entscheidung zu Ungunsten von Werder (32 der 34 anwesenden Vereine stimmten gegen die Kostenbeteiligung, RB Leipzig enthielt sich) muss der Klub nicht sofort die zweite Hälfte zahlen. Die Begleichung der Rechnung wurde bis zur endgültigen rechtlichen Klarheit gestundet. Die DFL wird vor das Bundesverfassungsgericht ziehen.

"Um die Interessen von Werder zu vertreten, wird uns wohl nichts anderes übrig bleiben, als den Rechtsweg zu beschreiten. Wir hätten diese Situation gerne vermieden", sagte Klaus Filbry, Werders Vorsitzender der Geschäftsführung, mit Blick auf den weiteren Weg Werders durch die Verbandsgerichtsbarkeit.

Einen Schritt, den Rummenigge nicht nachvollziehen kann: "Ich habe kein Verständnis dafür, dass der SV Werder Bremen die Deutsche Fußball Liga jetzt sogar verklagen will. In der 19-jährigen Geschichte der DFL, seit ihrer Gründung im Jahr 2000, stellt dieser Schritt ein absolutes Novum dar."

Unterstützung erhielt der Bayern-Boss von BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke: "Es gibt keinen Grund, den Alleingang der Bremer Landesregierung von Seiten der DFL zu subventionieren. Ich bin der Meinung, dass sich das Land Bremen auf dem Holzweg befindet."

Bremen für "angemessene Teilung" der Kosten

Werders Präsident Hubertus Hess-Grunewald fand auf der anderen Seite deutliche Worte zur Entscheidung der Bundesliga-Klubs.

"Wir haben heute gegenüber Werder Bremen von dem Solidarprinzip, das viele Klubs in den letzten Monaten immer wieder gepredigt haben, nicht viel gesehen."

Der Klubchef fügte hinzu: "Wir sind nicht damit durchgedrungen, dass sich das Alles gegen die DFL insgesamt richtet. Am Ende steht Werder isoliert da - auch um ein politisches Signal zu senden."

Werder hatte bei der DFL einen Antrag auf eine "angemessene Teilung" der Kosten eingereicht. Die Bremer forderten die anderen Klubs auf, gegen die Umlegung aller Auslagen auf Werder zu stimmen. Dies würde die "Solidargemeinschaft erschüttern". Die Norddeutschen schlugen stattdessen vor, die Kosten auf Werder, die DFL und den jeweiligen Gastverein zu verteilen.

Kosten in Höhe von 1,12 Millionen Euro noch offen

Wie erwartet scheiterten die Bremer, die eine Wettbewerbsverzerrung zu ihren Ungunsten anprangern, mit ihrem Ansinnen. Damit kommen auf den Klub weitere Kosten zu. Bremens Innensenator Ulrich Mäurer hat bereits angekündigt, dass er weitere Rechnungen schicken wird. Drei Bescheide in Höhe von 1,12 Millionen Euro sind bereits in Arbeit - ganz abgesehen von Gebühren für kommende Partien.

Dass diese Praxis rechtens ist, hatte das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig Ende März festgestellt. Deshalb denken andere Bundesländer darüber nach, dem Beispiel Bremens zu folgen. Ab Mittwoch treffen sich die Innenminister in Lübeck. Dort wird sich zeigen, ob neben Rheinland-Pfalz noch weitere Länder auf den Bremer Kurs einschwenken.

Bundesliga-Klubs lehnen Fond-Idee ab

Mäurer und sein rheinland-pfälzischer Kollege Roger Lewentz fordern nach wie vor die Einrichtung eines Fonds durch den Profifußball. Das lehnen die meisten Klubs, die nicht für die Fanprobleme ihrer Konkurrenten zahlen wollen, aber strikt ab. "Ein Fonds wäre die offene Tür für alle, die die Bundesliga zur Kasse bitten wollen", äußerte Rummenigge:

"Die Klubs zahlen wahnsinnig viele Steuern."

Die Kompromiss-Verweigerung wie die fehlende Solidarität mit Werder sehen nach Kalkül vonseiten des Profifußballs aus. Durch die "Opfer-Rolle" Werders wird Druck auf die anderen Länder-Regierungen ausgeübt, damit die ihre bei den Wählern beliebten Fußball-Aushängeschilder nicht auch zur Kasse bitten - und damit im Wettbewerb benachteiligen.

(SID)

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