Das Duell der beiden Karnevalshochburgen und Tabellennachbarn erhielt zusätzliche Brisanz, nachdem die direkten Konkurrenten im Abstiegskampf, Hertha BSC und Arminia Bielefeld bereits gepunktet hatten. Vor allem die Kölner, bei denen Trainer Markus Gisdol nach "Kicker"-Informationen angezählt ist, waren auf die drei Punkte angewiesen.
Die Hausherren begannen auch aktiv und suchten den Weg nach vorne. Nach nur wenigen Minuten war der Plan der Kölner aber schon auf den Kopf gestellt. Nach einem Ballverlust beim Einwurf schaltete Mainz schnell um. Leandro Barreiro passte zu Jean-Paul Boetius, der von der Sechzehnerkante aus abzog, von wo der Ball von der Unterkante der Latte zum 1:0 im Tor einschlug (11.).
Der Effzeh benötigte etwas Zeit, um die Ballsicherheit zurückzugewinnen. Dann hatte der wiedergenesene Sebastian Andersson aber gleich zwei gute Torchancen. Zunächst verzog der Schwede nach einem langen Ball knapp (19.). Nur eine Minute später fand Florian Kainz den Stürmer mit einer perfekten Flanke in den Rücken von Stefan Bell. Andersson zögerte einen Moment zu lang, sodass ihn Moussa Niakhaté noch beim Abschluss entscheidend stören konnte. Der Schuss ging haarscharf am rechten Pfosten vorbei (20.).
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Köln blieb das spielbestimmende Team, doch fast aus dem Nichts hatte Mainz die nächste hochprozentige Gelegenheit. Bells Kopfballablage nach einem Freistoß fand Niakhaté, der nicht lange fackelte. Timo Horn konnte das Tor aber noch mit einer starken Fußabwehr verhindern (30.).
Kurz vor der Pause kam Köln dann aber doch noch zum Ausgleich. Ein Schuss von Kingsley Ehizibue klatschte im Strafraum an die Hand von Philipp Mwene. Schiedsrichter Felix Brych entschied nach Ansicht der Videobilder auf Elfmeter - eine bittere Entscheidung aus Mainzer Sicht. Ondrej Duda übernahm die Verantwortung. Robin Zentner hatte zwar noch die Hand am Ball, konnte den Einschlag im rechten Eck zum 1:1-Ausgleich aber nicht mehr verhindern (43.).
Mainz hatte durch Barreiro (45.) noch die Chance auf die erneute Führung, weil Horn aus kurzer Distanz gut parierte, ging es aber mit einem Unentschieden in die Pause.
Nach dem Seitenwechsel waren die Gäste zunächst aktiver, doch die Kölner hatten die erste Chance. Eine Flanke von Duda auf den kurzen Pfosten beförderte Marius Wolf mit dem Kopf auf das Tor. Zentner riss noch reflexartig die Hände nach oben und lenkte den Ball an die Latte (58.). Mit der nächsten Chance gingen die Kölner dann in Führung. Eine Freistoßflanke von Jonas Hector rutschte bis zum langen Pfosten durch, wo Ellyes Skhiri unbedrängt zum 2:1 einköpfen konnte (61.).
Die Führung hielt aber nur vier Minuten. Philipp Mwene schickte Boetius auf der linken Seite. Der Niederländer legte in die Mitte, wo Karim Onisiwo den Ball ohne Probleme zum 2:2 im Tor unterbringen konnte (64.).
Mainz versuchte das Momentum zu nutzen, konnte die Vorstöße aber nicht in gefährliche Chancen umsetzen. Auch die Kölner erspielten sich keine zwingenden Gelegenheiten.
In der Nachspielzeit gelang den Gästen dann aber noch der Lucky Punch. Niakhaté spielte einen starken Schnittstellenpass auf Mwene, der in den Rückraum auf Barreiro ablegte. Der Luxemburger nahm den Ball kurz an und jagte ihn dann zur 3:2-Führung ins rechte Eck (90.+1).
Köln konnte nicht mehr zurückschlagen und musste eine bittere Niederlage schlucken, die Trainer Markus Gisdol den Job kosten könnte. Mainz (28 Punkte) kletterte dagegen bis auf Rang 14 und hat nun zwei Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz sowie ganze fünf Punkte auf Köln auf dem ersten direkten Abstiegsplatz.

Die Stimmen:

Markus Gisdol (Trainer 1. FC Köln): "Es war ein Hin und Her. Wir haben große Chancen vergeben, hatten gefühlt das Spel im Griff. Mainz war aber immer effektiv bei Kontern. Natürlich haben wir beim 2:2 auf Sieg gespielt. Wir hätten gefühlt auch drei Punkte holen können. Jetzt müssen wir uns schnell gerade ziehen. Wir haben noch sechs Spiele und können noch viel regeln. Es ist noch alles möglich. Ich kann meinen Jungs keinen Vorwurf machen."
Bo Svensson (Trainer FSV Mainz 05): "Ich brauche einige Zeit, um das alles einzuordnen. Es war ein wildes Spiel. Insgesamt war es von uns keine gute Leistung, vor allem in der ersten Halbzeit. Wir waren am Ende auch ein Stück der glückliche Sieger. Am Ende waren es drei wichtige Punkte."
Jonas Hector (1. FC Köln): "Wir haben die Gegentore nicht gut verteidigt, die haben wir zu leicht hergegeben. In der einen oder anderen Situation müssen wir nach vorne zwingender sein, um dann selbst ein drittes oder viertes Tor zu machen. Natürlich ärgert man sich extrem nach dem Spiel. Aber es bringt ja nichts, dass wir uns jetzt alle einschließen oder sonst was. Wir haben noch sechs Spiele vor der Brust und da versuchen wir, so viele Punkte wie möglich zu holen."
Rafael Czichos (1. FC Köln): "Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Wir haben alles in die Waagschale geworfen. In dieser Situation, in der wir gerade sind, geht gefühlt so wie das dritte Tor jeder Schuss rein. Man kann der Mannschaft nicht absprechen, dass sie nicht alles reingeworfen haben. Jetzt gehen wir sehr enttäuscht nach Hause."
Leandro Barreiro (1. FSV Mainz 05): "Es ist einfach nur geil. Ich nehme ihn eigentlich nicht so gut an und mache dann das Einzige, was noch möglich ist, den mit den Spann irgendwie zu treffen. Ich denke, dass ich ihn da hinschießen wollte, anders war es nicht möglich. So ein Tor, davon träumt man immer, in der letzten Minute das Siegtor zu schießen. Heute war es eigentlich kein gutes Spiel von uns. Am Ende zählen nur die drei Punkte. Wichtig ist, dass wir am nächsten Sonntag genauso weitermachen, besser spielen und die nächsten drei Punkte holen."

Das fiel auf: Abstiegskampf mal anders

Dass beiden Teams in der derzeitigen Situation nicht alles gelang, ist nachvollziehbar. Im Abstiegskampf strotzen Mannschaften bekanntlich nicht vor Selbstvertrauen. Dennoch war das Spiel ansehnlich, weil sowohl Köln als auch Mainz den Weg nach vorne suchten. Dabei wechselten sich beide Teams mit den Druckphasen ab. Am Ende standen aber fünf Tore bei 32 Torschüssen (23:9 für Köln) zu Buche. Ein bisschen "Abstiegskrampf" war aber auch dabei, wie die 28 Fouls und die 65 Prozent Passquote der Mainzer belegten.

Der Tweet zum Spiel:

Eine viel diskutierte Situation war der Elfmeter kurz vor der Pause. Auf Mainzer Seite konnte man den Pfiff nicht nachvollziehen, da der Arm von Mwene weitestgehend angelegt war und der Österreicher sich beim Schuss auch noch wegdrehte. Brychs Entscheidung war zwar hart, aber nicht falsch.

Die Statistik: 21

Der 1. FSV Mainz 05 ist so etwas wie die Mannschaft der Stunde oder besser gesagt der Rückrunde. Die Nullfünfer fuhren seitdem bereits 21 Punkte ein – Platz fünf in der Rückrundentabelle. Dadurch könnte es am Ende doch noch mit dem Klassenerhalt klappen.
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