Horst Heldt ließ auf der langen ICE-Fahrt nach Köln die Gedanken kreisen - und gab am Sonntagvormittag Markus Gisdol eine vorläufige Jobgarantie. "Natürlich sitzt der Trainer gegen Dortmund auf der Bank", sagte der Sport-Geschäftsführer, nachdem sich die Lage in der Bundesliga für den 1. FC Köln nochmals verschlechtert hatte.
Das 1:2 (1:0) bei Union Berlin am Samstag war das fünfte Spiel ohne Sieg nacheinander. Nur einen Punkt holte der FC dabei und liegt lediglich noch einen Zähler vor dem Relegationsrang. "Wir hatten uns ein Polster aufgebaut. Das ist jetzt mehr oder weniger aufgebraucht", sagte Heldt und sprach von einer Situation, die "alles andere als erfreulich" sei.
Und die Lage droht noch ungemütlicher zu werden. Am kommenden Samstag (ab 15.30 Uhr im Eurosport Liveticker) gastiert der BVB in Köln. Nach der Länderspielpause erwartet die Rheinländer im Gastspiel beim VfL Wolfsburg zudem eine ähnlich schwierige Aufgabe.
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Womöglich reagierte Heldt auf Nachfragen, ob Gisdol auch langfristig im Amt bleibe, deshalb ausweichend. Es sei die Aufgabe, immer wieder zu überprüfen und zu hinterfragen. Er sei aber "davon überzeugt, dass wir mit der Mannschaft die Liga halten, wenn wir alles einbringen, was dafür notwendig ist."
Das taten die Kölner in Berlin zu wenig. Altbekannte Probleme offenbarten sich erneut. Gisdols Ansatz, über viel Ballbesitz mit spielerischen Lösungen zum Erfolg zu kommen, verpuffte angesichts der Harmlosigkeit der Offensive. "Uns hat der Punch im letzten Drittel gefehlt, den hatte Union", sagte Gisdol.

1. FC Köln: Frust in der Domstadt in gross

Ondrej Duda, der zur schmeichelhaften Führung getroffen hatte (45.+2, Foulelfmeter), setzte als Sturmspitze kaum Akzente. Allein am Slowaken ist die Sturmflaute des FC aber nicht festzumachen. Gisdol fand eine Erklärung, die einem Offenbarungseid gleichkam.
"Die Personallage ist nun mal so, dass wir vorne nicht gesegnet sind mit Stürmern, die einen extremen Tordrang haben", sagte er: "Da brauchen wir uns nichts vormachen." Man müsse damit leben, "dass wir bis zum Ende der Saison nicht so viele Tore schießen."
Abhilfe ist nicht in Sicht. Der als Ersatz für Jhon Córdoba verpflichtete Sebastian Andersson fehlt seit Dezember aufgrund von Knieproblemen. Mit den Leistungen von Winter-Leihgabe Emmanuel Dennis ist Gisdol unzufrieden.
Wie tief der Frust auch bei den Spielern sitzt, wurde nach Abpfiff deutlich. Torhüter Timo Horn trat so stark gegen seine Trinkflasche, dass diese mit einem lauten Knall auf der Haupttribüne im Stadion An der Alten Försterei einschlug. Kapitän Jonas Hector wirkte genervt. "Stand jetzt sind wir über dem Strich, das müssen wir versuchen zu halten", sagte er. Die Frage ist: Wie lange noch?
Bei Union war die Stimmungslage derweil gegensätzlich. Mit 38 Punkten ist den Berlinern der Klassenerhalt praktisch sicher. Glückwünsche wollte Trainer Urs Fischer noch nicht entgegennehmen. Trotzdem ließ der Schweizer durchblicken, warum es sich lohnt, die Spannung bis zum Saisonende aufrechtzuerhalten. "Internationale Spiele sind etwas Tolles", sagte Fischer: "Ich durfte das mit meinen Klubs erleben. Es ist wirklich etwas Spezielles."
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(SID)

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